Wirtschaft

Kampf für Trump und gegen den Tod Peter Thiel dürstet nach frischem Blut

82208888.jpg

Peter Thiels Überzeugungen sind nicht jedermanns Geschmack.

(Foto: picture alliance / dpa)

Er ist nicht nur großer Trump-Fan, er möchte auch unsterblich werden. Deshalb sucht Peter Thiel jetzt nach einem Jungbrunnen. Es ist nicht das erste Mal, dass der milliardenschwere Star-Investor an die Grenzen des guten Geschmacks geht.

Tech-Investor Peter Thiel ist ein echter Exot. Die Meinung anderer schert ihn wenig. Hundert führende Tech-Manager aus dem Silicon Valley warnen vor Donald Trump als nächstem US-Präsidenten, er outet sich als einer der größten Fans des Immobilienmagnaten. Viele halten Elon Musks Visionen von Reisen zum Mars für versponnen, er glaubt an sie. Für die einen ist Cannabis eine gefährliche Droge, er investiert in Marihuana-Unternehmen. Richtig skurril, geradezu unappetitlich aber ist der ausgeprägte Jugendwahn des 48-Jährigen.

Die Angst vorm Tod aber ist Thiels ständiger Begleiter, wie er einmal vor Journalisten einräumte. Er will ihn mit allen Mitteln bekämpfen. Anti-Aging-Diäten, Wachstumshormone, Sport - der Venture-Capital-Investor tut einiges für ein langes gesundes Leben. Nach seinem Tod will er sich einfrieren lassen. Damit man ihn auferstehen lassen kann, wenn die Medizin in der Zukunft so weit ist. Bis dahin will er aber alles versuchen. Deshalb ist er auch für eine Therapie mit jungem Blut entbrannt, wie die Website Inc.com berichtet.

Konkreten Anlass liefert Thiel jetzt ein klinischer Test, für den 600 Probanden gesucht werden. Alternden ab 35 soll das Blut junger Menschen gespritzt werden, um so ihre Körper zu verjüngen. 8000 Dollar soll jeder Proband für eine Behandlung mit Blut von einem jungen Spender im Alter zwischen 16 und 25 bezahlen. Hinter diesem Jungbrunnen-Experiment, für das sich der Milliardär sehr zu interessieren scheint, steckt eine Firma namens Ambrosia.

Der Firmengründer Jesse Karmazon erhielt laut Inc.com eine Nachricht von einem leitenden medizinischen Berater bei Thiel Capital. Dessen Aufgabe besteht darin, sich mit den besten Ärzte und Gesundheitsexperten der Welt über innovative Techniken zur Verbesserung der Gesundheit auszutauschen. Ob die Triebfeder bei Thiel nun persönlich oder unternehmerisch ist, ist nicht ganz klar.

Der Beginn einer neuen Geschäftsidee

Die Idee von Bluttransfusionen als Jungbrunnen ist zumindest nicht neu - sie geht über Vampirlegenden weit hinaus. Heute beschäftigt sie einen ganzen Forschungszweig. In Amerika wurden schon in den 50er Jahren alte und junge Mäuse zusammengenäht, um einen gemeinsamen Blutkreislauf herzustellen. Parabiose lautet der Fachbegriff dafür. Die Ergebnisse zeigten, dass sich die Zellen in den älteren Tieren tatsächlich regenerieren.

Heute wird bei solchen Experimenten niemand zusammengenäht, alles passiert über Bluttransfuionen. Bei dem geplanten Experiment soll nach einem Monat kontrolliert werden, ob die Behandlung den gewünschten verjüngenden Effekt hat. Im Silicon Valley kursieren Gerüchte, dass diese Methode eine regelrechte Obsession von einigen Reichen ist, die bereits Zehntausende Dollar dafür aufwenden.

Kommerzielle Versuche mit Bluttransfusionen gelten jedoch aus verschiedenen Gründen als umstritten. Mehrfach hat sich zum Beispiel bereits herausgestellt, dass sich Mäuseexpertimente nicht auf Menschen übertragen lassen. In der Forschung geht es allerdings um mehr als nur um eine Lifestyle-Droge. Die bisherigen Erkenntnisse werden unter anderem in der wichtigen Alzheimer-Forschung angewandt.

Ganz so skurril, wie es wirken mag, ist der mögliche Selbstversuch des Venture-Capital-Investors also vielleicht nicht. Auch eine Cannabis-Industrie war vor Jahren nicht denkbar. Heute ist Marihuana in den USA ein Milliardengeschäft, der Markt wächst rasant. Zu den Star-Investoren zählen nicht nur Hip-Hop-Star Snoop Dogg, der nach eigener Auskunft 81 Joints pro Tag raucht, sondern eben auch gestandene Investoren wie Thiel. Er selbst ist an der Gesellschaft Privateer Holdings beteiligt.

Trump könnte hilfreich sein

Als homosexueller Unternehmer, der für die Legalisierung von Marihuana eintritt, Trump als nächsten US-Präsidenten zu unterstützen, ist auch nur auf den ersten Blick verwegen. Thiel ist seit 2004 an einem Software-Unternehmen namens Palantir beteiligt, dessen Programme große Datenmengen nach Hinweisen auf kriminelle Machenschaften durchforsten. Auch der US-amerikanische Geheimdienst CIA ist an Palantir beteiligt. Wo große Datenmengen gescannt werden, stellt sich die Frage nach dem Datenschutz. Trump als Präsident wird nach all seinen Ankündigungen nicht ausgerechnet hier mit Gesetzen gegensteuern. Unternehmen wie Palantir werden es eher leichter haben.

Auch eine Klage in den USA, die für viel Furore gesorgt hat, kann als Indiz dafür gesehen werden, dass der 48-jährige Star-Investor bei seinen Entscheidungen sehr viel Kalkül walten lässt. Thiel hatte den prominenten Ex-Wrestler Hulk Hogan bei seiner erfolgreichen Schadenersatzklage gegen das US-Klatsch-Portal "Gawker" finanziell unterstützt. "Gawker" ist dewegen nun pleite. Der Promi-Klatsch-Blog wurde wegen der Veröffentlichung eines Sex-Videos von Hogan zu 140 Millionen Dollar verurteilt. Für Thiel eine persönliche Genugtuung: "Gawker" hatte vor Jahren Thiel als homosexuell geoutet.

Thiel mag ein wandelndes Mysterium sein. Aber niemand kann behaupten, er habe eine Neigung, sein Geld einfach so zu verschleudern. Er verfolgt Ziele. Freunde sagen von ihm, er liebe Brüche. Es sei sein unternehmerischer Instinkt. Brüche würden den Weg für Neues frei machen. Je schneller es eine Akzeptanz für Blutbehandlungen gibt, um so besser für Thiel. Er wird ja nicht jünger.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema