Wirtschaft

Warum Discounter Promis lieben Philipp Lahm wirbt für Aldi

In den Regalen von Aldi finden sich künftig Bioprodukte von Lahms Naturkosthersteller Schneekoppe - und auch in der neuen Aldi-Kampagne wird der Ex-Weltmeister zu sehen sein. Lahm ist damit bei Weitem nicht das einzige prominente Werbegesicht.

Der Discounter Aldi und der frühere Fußball-Profi Philipp Lahm arbeiten künftig zusammen. Ab sofort verkauft der Discount-Marktführer in seinen Filialen im ganzen Bundesgebiet 15 Bioprodukte des von Lahm nach dem Ende seiner Profi-Karriere übernommenen Naturkostherstellers Schneekoppe. Außerdem wird der Weltmeister von 2014 als Markenbotschafter für Aldi tätig sein, teilten die Beteiligten mit. Lahm werde "eine tragende Rolle" im Zusammenhang mit der Aldi-Kampagne "Einfach besser leben" spielen, kündigte der Discounter an.

"Aldi schlägt hier gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Der Discounter profitiert vom guten Image von Philipp Lahm, und gleichzeitig kann er mit der Marke Schneekoppe seine Bio-Kompetenz stärken", urteilt Marketing-Experte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU in Düsseldorf. Schneekoppe selbst kann den Rückenwind durch die Aufnahme ins Aldi-Sortiment ebenfalls gut brauchen. Das 1927 gegründete Unternehmen hat schwere Zeiten hinter sich und ist trotz seines bekannten Namens und des prominenten Besitzers noch immer dabei, wieder Tritt zu fassen.

Die deutschen Discounter setzen seit einiger Zeit zur Imagepflege verstärkt auf die Zusammenarbeit mit Prominenten. So finden sich bei Aldi bereits Weine von TV-Moderator Günther Jauch und Wohnaccessoires von Wolfgang Joop in den Regalen. Lidl lockte in den vergangenen Jahren die Kunden wiederholt mit Modekollektionen von Heidi Klum in die Läden. Und Penny hat sich die Musikerin Nena als Markenbotschafterin gesichert.

"Die Discounter wollen so ihr Image aufwerten", erklärt Fassnacht die Strategie der Handelsketten. Die sicher nicht ganz billige Zusammenarbeit mit Klum, Jauch oder Joop ermögliche es Aldi, Lidl und Co., für sie besonders attraktive Zielgruppen anzusprechen - etwa Besserverdiener oder junge Familien.

Rewe und Edeka zurückhaltender

Deutlich zurückhaltender als die Discounter im Umgang mit Prominenten als Werbeträger sind die großen deutschen Supermarktketten Edeka und Rewe. Ein Edeka-Sprecher betont, der Konzern setze "nur selten Prominente in der Werbung ein". Wichtiger für den Konzern sei die Markenkampagne "Wir lieben Lebensmittel", die die selbstständigen Edeka-Kaufleute in den Mittelpunkt stelle. Dennoch hat das Unternehmen bereits mit Musiker H.P. Baxxter und Künstler Friedrich Liechtenstein geworben. Rewe hat zwar seit vielen Jahren den Fußballer Thomas Müller als Markenbotschafter. Doch auch die Zahl seiner Auftritte ist begrenzt. 

Für Handelsexperten Fassnacht macht die Zurückhaltung von Edeka und Rewe durchaus Sinn. "Die großen Supermarktketten setzen deutlich weniger auf den Promifaktor als die Discounter. Sie brauchen den damit verbundenen Imagetransfer eigentlich nicht, denn ihr Qualitätsimage ist auch so schon sehr ausgeprägt", urteilt er. Ein anderer Punkt kommt noch hinzu: Die Suche nach dem idealen Werbepartner ist gar nicht so einfach. "Finden sie mal einen Promi, der das Spektrum zwischen 14- und 59-Jährigen abdeckt und bei dem keine Skandale zu befürchten sind", beschreibt ein Rewe-Sprecher das Problem.

Dass die Liebe der Discounter zu den Prominenten ewig halten wird, ist allerdings nicht gesagt. Im Gegenteil: Neuerdings werden die Handelsriesen den bekannten Größen aus TV und Sport öfter einmal untreu und testen stattdessen die Zusammenarbeit mit den neuen Stars der Internet-Ökonomie: den Influencern mit ihren zahllosen Followern auf Instagram oder Youtube. So brachte Aldi in diesem Frühjahr eine Sportkollektion mit der Bloggerin Sophia Thiel auf den Markt. Und auch Lidl setzte in diesem Frühjahr nach der Kooperation mit Heidi Klum für eine Frühjahrskollektion seiner Modemarke Esmara auf die Zusammenarbeit mit den Influencerinnen DominoKati, Patrizia Palme, Shanti Joan Tan und Valentina Pahde.

Quelle: n-tv.de, ftü/dpa

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