Wirtschaft
Der Geldautomat soll immerhin gratis bleiben.
Der Geldautomat soll immerhin gratis bleiben.(Foto: imago/Stefan Zeitz)
Samstag, 16. April 2016

Kostenloses Konto in Gefahr: Postbank erwägt Negativzinsen für Sparer

Das bisherige Preismodell seiner Bank sei nicht mehr tragbar, sagt der Chef der Postbank. Spätestens nächstes Jahr will er die Kunden zu Kasse bitten. Schuld seien die Minus-Zinsen der EZB. Nur eine Leistung solle auf jeden Fall kostenlos bleiben.

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Die Postbank stellt angesichts der Herausforderungen durch die Niedrigzinsen das kostenlose Girokonto infrage und beschäftigt sich auch mit der Weitergabe der Minuszinsen. "Unser Kostenmodell wird differenzierter werden", sagte Frank Strauß, Vorstandsvorsitzender des Bonner Unternehmens, im Interview mit der "Welt am Sonntag". Das neue Preismodell solle "spätestens 2017" starten. Die gesamte Industrie werde andere Kontomodelle anbieten. "Das ist die logische Folge des Niedrigzinsniveaus", sagte der Bank-Manager.

Früher seien die Einlagen der Kunden verzinslich anlegt worden. Damit hätten sie faktisch das Girokonto quersubventioniert. Das funktioniere nicht mehr, so Strauß. "Vielleicht werden wir noch ein kostenloses Konto haben, das dann aber nur ganz bestimmte Dienstleistungen haben wird, ein schlankes Angebot, das wir uns in dieser Kostenstruktur leisten können", so Strauß weiter. Das Unternehmen beschäftige sich intensiv und konsequent mit Kostenstrukturen und deren Auswirkungen.

Auch Minuszinsen hält die Postbank für möglich: "Die Entwicklungen zeigen, dass man sich besser nicht hinstellt und etwas grundsätzlich ausschließt", so Strauß. "Wenn die EZB von uns 40 Basispunkte für das nimmt, was wir an sie weitergeben, müssen wir als wirtschaftlich denkendes Unternehmen auch entsprechend bei unseren Kunden handeln." Allerdings seien aus heutiger Sicht Minuszinsen im normalen Privatgeschäft nur schwer vorstellbar.

Abheben bleibt gratis

Den Vorwurf, mit Gebühren Minuszinsen durch die Hintertür erheben zu wollen, wies Strauß zurück. Die Banken müssten selbstbewusster ihre Dienstleistungen vertreten, schauen, wo höhere Kosten anfielen, und das für beide Seiten fair bepreisen. "Wenn wir auf der einen Seite Minuszinsen zahlen müssen und auf der anderen Seite das Konto komplett kostenlos anbieten, wird daraus am Ende auch kein Schuh."

Das Geldabheben am Automaten hingegen will Strauß nach Möglichkeit kostenfrei halten. "Bargeld gehört zu den wesentlichen Dienstleistungen rund um ein Girokonto. Wir wollen auf jeden Fall an einer bequemen Bargeldversorgung festhalten, und ich kann mir heute nicht vorstellen, dass wir zum Beispiel Bargeldabhebungen unserer Kunden an unseren Automaten bepreisen", so Strauß im Interview.

Quelle: n-tv.de