Wirtschaft

Unternehmen prüft OptionenPutin stellt Nestlé in Russland unter Zwangsverwaltung

18.09.2026, 10:55 Uhr
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Nestlé könnte seine Vermögenswerte in Russland auf absehbare Zeit verlieren. (Foto: IMAGO/Starface)

Sechs Fabriken, Tausende Beschäftigte und bekannte Lebensmittelmarken: Nestlé ist seit Jahrzehnten in Russland aktiv. Nun übernimmt ein von Moskau bestimmtes Unternehmen die Kontrolle. Analysten sehen die Gefahr eines dauerhaften Verlusts.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat Vermögenswerte des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé in Russland unter Zwangsverwaltung gestellt. Die Verwaltung der Vermögenswerte ist der Gesellschaft L.E.V. Management übertragen worden, wie aus einem Dekret hervorging. Nestlé teilte mit, das Unternehmen nehme den Erlass zur Kenntnis und prüfe die Situation sowie seine Optionen. Der Konzern wolle alle notwendigen Schritte unternehmen, um seine Rechte zu schützen und den Fortbetrieb im Interesse der Mitarbeiter zu sichern. Auch die französische Supermarktkette Auchan wurde unter Zwangsverwaltung gestellt.

Russland hat die Kontrolle über ausländische Vermögenswerte seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine im Jahr 2022 verschärft. Moskau kann laut einem Dekret aus dem Jahr 2023 Vermögenswerte aus Ländern, die von der Regierung als "unfreundlich" eingestuft werden, unter vorübergehende Verwaltung stellen. Der Staat übernahm auf diesem Weg etwa die Kontrolle über die russischen Tochtergesellschaften von Unternehmen wie Danone und Carlsberg.

Nestlé hatte seine Geschäfte in Russland fortgesetzt und dies damit begründet, als Lebensmittelhersteller lebenswichtige Güter zu liefern. Der Schweizer Konzern betreibt in Russland sechs Fabriken, in denen unter anderem Kaffee, Tiernahrung und Säuglingsnahrung hergestellt werden. Gemäß den letzten verfügbaren Zahlen beschäftigte der Konzern aus Vevey am Genfersee im Jahr 2021 rund 7000 Mitarbeiter in dem Land und erwirtschaftete dort rund zwei Prozent des Konzernumsatzes. Nach Ansicht von Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy hat Nestlé seitdem sein Russland-Geschäft abgebaut und dürfte dort nun gut ein Prozent des Umsatzes generieren. Die Nachricht dürfte zwar die Stimmung belasten und die Gefahr von Abschreibungen oder eines unvorteilhaften Verkaufs erhöhen, sagte Bertschy. Die finanziellen Auswirkungen sollten jedoch gering ausfallen.

Das Logistikunternehmen KS Logistika hatte nach einem Bericht der russischen Zeitung "Kommersant" die Zwangsverwaltung für die Nestlé-Vermögenswerte beantragt. Dies sei mit der Entscheidung von Nestlé begründet worden, die Produktionskapazitäten in Russland nicht auszuweiten und den Export von Waren aus den russischen Werken einzustellen, berichtete "Kommersant" unter Berufung auf einen Insider. Der Antrag beziehe sich auf fünf zu Nestlé gehörende Einheiten. Dies könnte theoretisch zu einem Eigentümerwechsel führen.

In früheren Fällen ging einer staatlichen Enteignung in Russland oft eine vorübergehende Zwangsverwaltung voraus. Die Vermögenswerte wurden später an Personen oder Unternehmen mit Verbindungen zum Kreml übertragen. Andere westliche Konzerne haben ihre russischen Vermögenswerte verkauft oder an das lokale Management übergeben. Damit reagierten sie auf die Sanktionen wegen des Krieges in der Ukraine oder auf Drohungen aus Moskau, ausländische Vermögenswerte zu beschlagnahmen. Nach Einschätzung von Analyst Jon Cox vom Finanzdienstleister Kepler Cheuvreux verheißen diese Erfahrungen nichts Gutes für Nestlé. Letztlich könnte Nestlé diese Vermögenswerte auf absehbare Zeit verlieren, sagte er. Eine Entschädigung dürfte dies voraussichtlich nicht ausgleichen.

Quelle: ntv.de, mba/rts

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