Wirtschaft

Kreml lockt Tsipras mit Millionen Putins Gas-Plan für Griechenland und Europa

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Griechenland spielt in Putins Überlegungen eine wichtige Rolle.

(Foto: REUTERS)

Der Kreml sieht in Alexis Tsipras keineswegs nur einen Bittsteller. In Putins Plan zur Neuordnung des Gasgeschäfts mit Europa soll Griechenlands Premierminister eine wichtige Rolle übernehmen. Aber spielt Athen mit?

Als oberster Gasmanager Russlands plant Präsident Wladimir Putin seine neue Offensive auf dem europäischen Energiemarkt wie eine Geheimdienstaktion. Erst vier Monate ist es her, dass er das transeuropäische Pipelineprojekt South Stream platzen ließ. Die Schuld daran gab der russische Energieriese Gazprom den "Boykotteuren" der EU. Doch "Gas-Putin" - wie er in seiner Heimat in Anspielung auf den legendären Wunderheiler Rasputin bisweilen genannt wird - verkündete fast in einem Atemzug mit dem Aus für South Stream ein neues Pipelineprojekt: Turkish Stream.

Diese neue Leitung soll von der russischen Stadt Anapa, wo der Bau für South Stream schon begonnen hatte, durch das Schwarze Meer in die Türkei und künftig bis an die Grenze Griechenlands führen. Auch deshalb haben die Russen den griechischen Premier Alexis Tsipras nach Moskau eingeladen. "Wir wollen niemanden überreden", sagte Putin bei einem Treffen mit dem Politiker im Kreml. Er betonte aber zugleich, dass Griechenland seinen "geopolitischen Status" aufwerten könnte durch das Milliardenprojekt.

Hunderte Millionen Euro Einnahmen aus dem Gastransit versprechen die Russen den hoch verschuldeten Griechen. Es geht um 50 Milliarden Kubikmeter Gas, das sie jährlich durch Rohre nach Westeuropa leiten könnten. Nicht nur die Russen warten jetzt gespannt, ob Tsipras nach Klärung aller Details zuschlägt bei dem Angebot. In dieser Woche trafen sich bereits in der ungarischen Hauptstadt Budapest die Außenminister des Gastgeberlandes, Griechenlands, Mazedoniens, Serbiens und der Türkei. Das Interesse der Länder an dem Projekt ist groß.

Rund 660 Kilometer durch das Schwarze Meer soll Turkish Stream zunächst führen. Schon bis Ende nächsten Jahres will Gazprom den ersten Strang - mit den Rohren von South Stream - verlegt haben. Von 2017 an will der Konzern 15,57 Milliarden Kubikmeter Gas durch die Leitung in die Türkei pumpen - für den Eigenverbrauch des Landes. Ob Turkish Stream dann aber künftig tatsächlich auf die geplante Gesamtleistung von 63 Milliarden Kubikmeter jährlich kommt, das garantiert nach dem Scheitern von South Stream vorerst niemand.

Ukraine auf dem Abstellgleis

Der Widerstand gegen Putins neues Großprojekt ist auch diesmal groß. Die EU will unabhängiger von russischem Gas werden. Sie sucht deshalb nach Alternativen mit den autoritären Ex-Sowjetrepubliken Aserbaidschan und Turkmenistan am gasreichen Kaspischen Meer.

Auch die Ukraine - bisher das wichtigste Transitland für russische Gaslieferungen in die EU - fürchtet um ihren Status und die Milliardeneinnahmen aus dem Transit. Nicht nur der ukrainische Präsident Petro Poroschenko kritisierte bei einem Besuch seines türkischen Kollegen in Kiew unlängst Putins Pläne.

Noch deutlicher wurde der Chef des Energieversorgers Naftogaz, Andrej Kobolew. Er fragte empört, warum ein neues milliardenschweres Leitungsnetz gebaut werden solle, wenn doch das bewährte ukrainische Transitsystem verlässlich sei. Es sei ein Risiko für Investoren ohne Vorteile. Die europäischen Länder würden vielmehr gezwungen, russisches Gas an der türkisch-griechischen Grenze zu kaufen.

Doch die Zeiten haben sich für Gazprom angesichts der Energiepolitik in der EU verändert. Das russische Angebot, Energie bis an die Haustür der EU-Verbraucher zu liefern, ist passé. Die Kunden in der EU, so die neue Linie der Russen, sollen ihre Leitungen künftig selbst bauen. Das bedeutet auch steigende Preise für die Verbraucher.

Die Russen sind dennoch optimistisch, dass ihre Gaslieferungen auch bei dem künftigen Modell unschlagbar günstig bleiben. Andere Varianten seien viel zu kostspielig, meint der Botschafter in Brüssel, Wladimir Tschischow. Der Russe sieht bei den EU-Beamten im Fall Turkish Stream einen gewissen "Pluralismus" an Meinungen, aber die Bereitschaft, über das Projekt zu reden.

Quelle: ntv.de, Ulf Mauder, dpa

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