Wirtschaft

Mögliche Abgas-Manipulationen Razzien an mehreren Daimler-Standorten

Wegen des Verdachts auf manipulierte Abgaswerte bei Daimler machen deutsche Behörden Ernst: Mehr als 200 Polizisten und Staatsanwälte durchsuchen Daimler-Standorte in ganz Deutschland nach Beweisen. Der Konzern bekräftigt, kooperieren zu wollen.

Ein Großaufgebot an Ermittlern hat Daimler-Werke wegen des Verdachts auf Abgas-Manipulationen bei Diesel-Fahrzeugen durchsucht. Im Rahmen der Ermittlungen gegen bekannte und unbekannte Mitarbeiter von Daimler seien 23 Staatsanwälte und 230 Polizisten aus Baden-Württemberg und anderen Bundesländern im Einsatz gewesen, teilten die Stuttgarter Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg mit.

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Insgesamt seien elf Objekte in Baden-Württemberg, Berlin, Niedersachsen und Sachsen in Augenschein genommen worden. Gesucht worden seien "beweiserhebliche" Unterlagen und Datenträger. Der Autobauer teilte mit, man kooperiere "vollumfänglich" mit den Behörden. Weitere Angaben wollte die Firma mit Blick auf das laufende Ermittlungsverfahren nicht machen.

Die Aktie von Daimler fiel in Reaktion auf die Meldung über Hausdurchsuchungen wie ein Stein um einen Euro und handelt zuletzt 0,7 Prozent leichter bei 67,24 Euro. Die Anleger reagierten verschreckt. "Wir haben hier keinen neuen Diesel-Skandal", versuchte Evercore-ISI-Analyst Arndt Ellinghorst das Geschehen einzuordnen. Vielmehr handele es sich um eine Untersuchung wegen irreführender Werbung. Die Untersuchung sei zudem nicht neu.

Die Frage möglicher Manipulationen bei Abgaswerten beschäftigt Daimler seit Längerem. Im März waren die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bekanntgeworden. Sie richten sich gegen "bekannte und unbekannte Mitarbeiter der Daimler AG wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung im Zusammenhang mit möglicher Manipulation der Abgasnachbehandlung bei Diesel Pkw".

Auch US-Justiz ermittelt

Der Stuttgarter Autobauer betont, sich bei der Abgasnachbereitung in Dieselfahrzeugen an geltendes Recht zu halten. Streitpunkt ist ein sogenanntes Thermofenster, das in bestimmten Temperaturbereichen die Abgasnachbereitung herunterregelt. Nach der Argumentation der Hersteller wird das genutzt, um Bauteile im Motor zu schützen. Daimler hatte sich wie andere Hersteller auch mit dem Kraftfahrtbundesamt (KBA) darauf geeinigt, 247.000 Fahrzeuge "freiwillig" zurückzurufen, um die Technik anzupassen.

Neben der Stuttgarter Staatsanwaltschaft beschäftigt sich auch die US-Justiz damit. Daimler muss sich in den USA mit mehreren Abgas-Sammelklagen befassen. Die Kanzlei Hagens Berman vertritt Autobesitzer aus zahlreichen Bundesstaaten, die dem Konzern vor allem irreführende Werbung und einen zu hohen Stickoxidausstoß bei zahlreichen Dieselmodellen vorwerfen. Der Konzern weist die Anschuldigungen zurück.

Im April forderte das amerikanische Justizministerium Daimler zu einer internen Untersuchung im Zusammenhang mit den Abgaswerten der Autos aus dem Hause Mercedes-Benz auf. Seitdem ermittelt Daimlers interne Revision mithilfe einer Anwaltskanzlei im Konzern. Im September 2015 hatte der Daimler-Konkurrent Volkswagen eingeräumt, bei Millionen von Dieselautos Abgastests manipuliert zu haben. Dies hatte den Konzern in eine schwere Krise gestürzt.

Quelle: ntv.de, kst/rts/dpa/AFP/rts