Wirtschaft

Greenpeace: Genehmigung ist fatal Regierung erlaubt Shell Bohrungen vor Alaska

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Shell darf vor der Küste Alaskas nach Öl bohren.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Öl- und Gasvorkommen in der Arktis sind heiß begehrt. Shell will schon seit Jahren vor der Küste Alaskas bohren. Nun gelingt dem Konzern ein Coup. Umweltschützer protestieren heftig gegen die Entscheidung der obersten US-Behörde.

Das Arktis-Projekt des Energieriesen Royal Dutch Shell hat trotz heftigen Widerstands von Umweltschützern die Zulassung aus den USA erhalten. Nach intensiven Prüfungen habe man Shell erlaubt, unter Einhaltung rigoroser Sicherheitsvorkehrungen vor der Küste Alaskas nach Öl zu bohren, teilte die zuständige Behörde Bureau of Safety and Environmental Enforcement BSEE in Washington mit. Der britisch-niederländische Konzern hatte sich über Jahre um die Zulassung bemüht und bereits im Mai wichtige Genehmigungen erhalten. US-Umweltschützer reagierten entsetzt. Sie befürchten unumkehrbare Schäden in dem empfindlichen Ökosystem der Arktis.

Shell will in der Tschuktschensee - 113 Kilometer entfernt von dem Dorf Wainwright an der Nordwestküste Alaskas - in relativ flachem Wasser bohren. Nach Schätzungen der US-Energieagentur EIA könnten in der betroffenen Region etwa 22 Prozent der weltweiten noch unentdeckten Öl- und Gasreserven liegen. Die Bodenschätze sind hart umkämpft von den Arktis-Anrainern USA, Russland, Kanada, Dänemark (Grönland) und Norwegen.

2010 hatte eine Explosion auf der vom Shell-Konkurrenten BP betriebenen Bohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko die bislang schlimmste Ölkatastrophe verursacht. Elf Menschen kamen ums Leben, Hunderte Millionen Liter Öl flossen in die See und richteten massive Schäden an.

Thema bei Shell immer oben auf der Agenda

Shell-Chef Ben van Beurden hatte wegen des niedrigen Ölpreises zwar andere Großinvestitionen hinten angestellt. An die Bodenschätze in der Arktis zu kommen, behielt er aber oben auf der Agenda. Zur US-Entscheidung hieß es von Shell in London: "Wir verpflichten uns weiterhin, sicher und umweltgerecht zu arbeiten, und freuen uns auf die Auswertung dessen, was möglicherweise eine Basis der nationalen Energieressourcen werden könnte."

Umweltschützer kritisierten die Genehmigung für Shell heftig. Die Greenpeace-Chefin der USA, Annie Leonard, sagte: "Diese Entscheidung bedeutet, dass Präsident Obama das Schicksal der Arktis in diesem Sommer in die Hände von Shell legt." Und sie kündigte Widerstand an: "Die Regierung sollte es besser wissen. Sie sieht doch, wie groß die Bewegung zum Schutz der Arktis geworden ist. Mit diesem katastrophalen Plan wird sie nur noch größer werden."

Greenpeace kämpft für bohrinselfreie Arktis

Greenpeace kämpft seit Jahren dafür, dass die Arktis frei von Bohrschiffen und -inseln bleibt. Mit der endgültigen Genehmigung habe Shell nun die Erlaubnis, nicht nur oberflächliche Bohrungen vorzunehmen, sondern auch in tiefere, potenziell ölführende Schichten vorzudringen, betonte Lisa Maria Otte von Greenpeace in Hamburg. "Greenpeace fordert Shell auf, jegliche Ölbohrungen in der Arktis sofort zu beenden."

Der Sierra-Club, Amerikas älteste Naturschutzorganisation, kritisierte, die Entscheidung richte sich gegen die Erkenntnisse der Wissenschaft, gegen den Willen Hunderttausender Amerikaner und gegen den gesunden Menschenverstand. Der Vorsitzende der Organisation, Michael Brune, sagte: "Präsident Obama gefährdet damit sein klimapolitisches Vermächtnis."

Quelle: ntv.de, tno/dpa

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