Wirtschaft

DAX verliert knapp drei Prozent Rezessionsangst lässt Anleger aus dem Markt fliehen

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An der Frankfurter Börse hat aktuell eher der Bär das Sagen.

(Foto: picture alliance / Daniel Kalker)

An der Frankfurter Börse geht die Angst vor einer Rezession um: Die Anleger verkaufen und flüchten sich, wenn überhaupt, in sichere Häfen, wie den US-Dollar. Dessen Stärke lässt den Euro auf 20-Jahres-Tief fallen. Auch ein Musik-Streamingdienst wird zum Börsendebüt abgestraft.

Die wieder wachsende Furcht vor einer Rezession vertreibt Anleger aus den Börsen. DAX und EuroStoxx50 fielen am Dienstag um jeweils knapp drei Prozent auf 12.401,93 beziehungsweise 3357,22 Punkte. Der Euro büßte 1,8 Prozent ein und war mit 1,0235 Dollar so billig wie zuletzt vor knapp 20 Jahren.

Damit sei die Parität zur Weltleitwährung nur noch eine Frage der Zeit, warnte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Es sei denn, der Europäischen Zentralbank (EZB) gelinge das Kunststück, die Inflation zu bekämpfen, ohne die Wirtschaft abzuwürgen und gleichzeitig einen übermäßigen Anstieg der Finanzierungskosten für hoch verschuldete Euro-Länder zu verhindern.

Streik in Norwegen verschärft Sorge

Geschürt wurden die Rezessionsängste vom Streik norwegischer Öl- und Gasarbeiter. "Das führt zu einem noch knapperen Angebot in einem bereits angespannten Markt", sagte Analystin Susannah Streeter vom Brokerhaus Hargreaves Landsdown. Das Ganze komme zu einem schwierigen Zeitpunkt, da der EU ein kompletter Gaslieferstopp Russlands drohe, der wichtige Industriezweige in die Krise stürzen könnte. Der europäische Erdgas-Future stieg um bis zu neun Prozent auf ein Drei-Monats-Hoch von 176 Euro je Megawattstunde.

Uniper
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Vor diesem Hintergrund stand erneut Uniper im Fokus. Der Gasversorger will unter einen staatlichen Rettungsschirm schlüpfen. Die Möglichkeit hierzu brachte das Bundeskabinett bereits auf den Weg. "Sicherlich ein richtiger und wichtiger Schritt, um die Energieversorgung in Deutschland zu sichern", sagte Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets. Drehe Russland den Gashahn allerdings komplett ab, stehe das Unternehmen faktisch ohne Produkt da. Uniper-Aktien schlossen nach einer Berg- und Talfahrt 9,5 Prozent im Minus bei 10,25 Euro, so niedrig wie zuletzt vor sechs Jahren.

Öl und Industriemetalle geraten unter Druck

Ein drohender Nachfrage-Rückgang setzte auch Rohstoffen mehrheitlich zu. Die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um fast zehn Prozent auf 102,41 Dollar je Barrel (159 Liter) und das Industriemetall Kupfer um bis zu 4,7 Prozent auf 7627 Dollar je Tonne. Damit war es so billig, wie zuletzt vor eineinhalb Jahren. Vor allem spekulativ orientierte Investoren kehrten dieser Anlageklasse den Rücken, sagte Tom Price, Chef-Anlagestratege für Rohstoffe bei der Investmentbank Liberum. Kupfer werde daher voraussichtlich binnen weniger Monate die Marke von 7000 Dollar antesten. Dies drückte die Indizes für die europäische Öl- und Gas sowie Bergbaubranche bis zu 6,4 Prozent ins Minus.

Curevac
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Einige Anleger flüchteten in "sichere Häfen" wie die Weltleitwährung. Dies hievte den Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, um bis zu 1,6 Prozent auf 106,78 Punkte, den höchsten Stand seit knapp 20 Jahren. Bundesanleihen waren ebenfalls gefragt, wodurch die Rendite der zehnjährigen Titel auf 1,191 Prozent sank.

Spotify-Rivale Deezer floppt

Bei den deutschen Aktienwerten rückte Curevac ins Rampenlicht. Die Biotechfirma wirft dem Rivalen Biontech vor, bei dessen Coronavirus-Impfstoff Patente verletzt zu haben. Biontech wies den Vorwurf zurück. Die Titel des Unternehmens legten ungeachtet der Klage ein Prozent zu. Curevac-Papiere gewannen 0,8 Prozent. Eins hinter die Ohren bekam dagegen Deezer. Die Papiere des Musikstreaming-Dienstes brachen bei ihrem Börsendebüt in Paris um rund 27 Prozent auf 6,19 Euro ein. In der Branche herrsche ein harter Wettbewerb, sagte DZ Bank-Analyst Manuel Mühl. Konkurrenten wie Apple oder Amazon hätten zusätzliche Einnahmequellen, mit denen sie ihr Musik-Angebot quer finanzieren könnten. Die Aktien des Deezer-Rivalen Spotify zogen an der Wall Street dagegen um 1,7 Prozent an.

Quelle: ntv.de, als/rts

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