Wirtschaft

Positive Wende zum Handelsende Rezessionssorgen belasten Wall Street weiter

411896de48f0032d17d9aedddabc451e.jpg

Konjunktursorgen setzten der Wall Street erneut zu.

(Foto: AP)

Nach zeitweise erneut sehr hohen Verlusten gelingt der Wall Street zum Handelsschluss noch der Sprung in positives Terrain - wenn auch äußerst knapp. Die überraschende Zinssenkung der chinesischen Notenbank sorgt kurzzeitig für leichte Gewinne. Doch Konjunktursorgen bleiben.

Auch zum Wochenausklang haben die Rezessionssorgen an der Wall Street im Fokus gestanden. Nach einem volatilen Verlauf, mit zeitweise erneut kräftigen Abgaben, konnten sich die Indizes im späten Handel wieder weitgehend erholen. Der Dow-Jones-Index und der S&P-500 drehten sogar leicht ins Plus. Der S&P-500 war zwischenzeitlich in den Bärenmarktmodus gerutscht - definiert durch einen 20-prozentigen Einbruch seit dem jüngsten Hoch. Es dominierten weiterhin die Befürchtungen um eine deutliche Abschwächung der Konjunktur, ausgelöst durch die geplanten Zinserhöhungen der US-Notenbank, um die hohe Inflation in den Griff zu bekommen. Auch der kleine Verfall sorgte für zusätzliche Volatilität.

"Wir müssen mehr Beweise sammeln, um die Märkte davon zu überzeugen, dass eine weiche Landung möglich ist", sagte Arun Sai, Multi-Asset-Stratege bei Pictet Asset Management, und bezog sich auf das Ziel der Fed, die Wirtschaft so weit zu verlangsamen, dass die Inflation eingedämmt wird, aber nicht so stark, dass eine Rezession entsteht.

S&P 500
S&P 500 3.932,52

Der Dow-Jones-Index gewann 9 Punkte auf 31.262 Punkte. Der S&P-500 stieg um einen Punkt. Für den Nasdaq-Composite ging es dagegen um 0,3 Prozent nach unten. An der Nyse standen 1.463 (Donnerstag: 1.709) Kursgewinnern 1.808 (1.574) -verlierer gegenüber, unverändert schlossen 134 (138) Titel.

Die überraschende Zinssenkung der chinesischen Notenbank sorgte zur Eröffnung kurzzeitig für leichte Gewinne an der Wall Street. Diese senkte den Leitzins für die Kreditvergabe (Loan Prime Rate) im Fünfjahresbereich um 15 Basispunkte auf 4,45 Prozent und ließ ihn im Einjahresbereich bei 3,70 Prozent. Mit dem Schritt werden eine Reihe von Maßnahmen der Zentralbank zur Stützung der schwächelnden chinesischen Wirtschaft fortgesetzt. Diese leidet derzeit unter der Null-Covid-Politik der Regierung in Peking, die mit strengen Kontakt- und Bewegungseinschränkungen einhergeht.

Hiobsbotschaft aus Einzelhandel

Wichtige Konjunkturdaten standen nicht zur Veröffentlichung an. Allerdings kam eine neue Hiobsbotschaft aus der Einzelhandelsbranche. Nachdem im Wochenverlauf schon mehrere Branchenunternehmen enttäuschende Geschäftszahlen vorgelegt und berichtet hatten, dass die hohe Inflation den für die US-Wirtschaft so wichtigen privaten Konsum beeinträchtigt, vermeldete Ross Stores einen Umsatzrückgang im ersten Quartal und warnte vor weiter sinkenden Erlösen im zweiten Quartal. Die Aktie brach um 22,5 Prozent ein.

Ross Stores
Ross Stores 73,72

Auf der anderen Seite hat die auf Sportschuhe spezialisierte Einzelhandelskette Foot Locker (+4,1 Prozent) mit ihrem Quartalsausweis positiv überrascht. Das Unternehmen ist zudem zuversichtlich, das obere Ende seiner Prognosespannen erreichen zu können. Für Palo Alto Networks (+9,7 Prozent) lief es im dritten Geschäftsquartal besser als erwartet. Auch für das laufende Geschäftsjahr ist das auf Netzwerksicherheit spezialisierte Unternehmen optimistischer als der Analystenkonsens.

Applied Materials (-3,9 Prozent) hat Umsatz und Gewinn im zweiten Geschäftsquartal nicht so stark gesteigert wie von den Analysten vorhergesagt, doch berichtete das Unternehmen von einer nie dagewesenen Nachfrage. Wegen der Lieferkettenprobleme gab das Unternehmen jedoch für das laufende Quartal eine Umsatzprognose ab, die unter den kursierenden Schätzungen liegt.

Dollar stabilisiert sich

Der Dollar hat sich nach dem jüngsten Rücksetzer leicht erholt. Der Dollar-Index legte um 0,3 Prozent zu. Marktteilnehmer verwiesen auch auf Aussagen von Esther George, Präsidentin der Federal Reserve Bank of Kansas City. Sie hatte erklärt, dass die Zinsen weiter steigen müssen, um die Inflation einzudämmen. In einem CNBC-Interview betonte George, dass sich die politischen Entscheidungsträger dabei nicht auf die Auswirkungen der Zinserhöhungen auf den Aktienmarkt konzentrieren.

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 108,68

Anleihen legten mit den neuerlichen Verlusten am Aktienmarkt zu. Die überraschende Senkung der Zinsen in China hatte zwischenzeitlich für einen leicht erhöhten Risiko-Appetit der Anleger gesorgt. Doch mit den andauernden Rezessionssorgen setzte wieder die Suche nach dem "sicheren Hafen" Anleihen ein, hieß es.

Der Goldpreis verzeichnete dagegen nur ein kleines Plus. Hier verhinderte die Erholung des Dollar deutlichere Gewinne. Das Edelmetall beendete allerdings erstmals seit einem Monat eine Handelswoche wieder mit einem Gewinn.

Sehr volatil zeigten sich die Ölpreise, die schließlich bis zu 0,8 Prozent gewannen. Der Markt bewegte sich im Spannungsfeld zwischen Rezessionssorgen und der Hoffnung, dass eine baldige Lockerung der Kontakt- und Bewegungsbeschränkungen in China die Nachfrage nach Öl wieder steigen lässt, hieß es.

Quelle: ntv.de, chf/DJ

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen