Wirtschaft

"Illegale" Staatshilfe Ryanair klagt gegen Lufthansa-Rettungspaket

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Ryanair sieht durch die staatlichen Finanzspritzen für die Konkurrenz eine Schädigung des Wettbewerbs.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nach einigem Hin und Her verständigen sich Lufthansa und Bundesregierung auf milliardenschwere Corona-Staatshilfen. Der Konkurrenz sind diese ein Dorn im Auge. Ryanair will nun sogar vor den Europäischen Gerichtshof ziehen.

Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair zieht gegen die Corona-Staatshilfen für die Lufthansa vor Gericht. Ryanair-Chef Michael O'Leary kündigte an, er werde beim Europäischen Gerichtshof Einspruch gegen dieses weitere Beispiel einer "illegalen" Staatshilfe einreichen. Die von der Bundesregierung und weiteren Staaten gewährten Milliarden würden dem Wettbewerb in den kommenden fünf Jahren "massiv" schaden. Ryanair klagt bereits gegen die Staatshilfen für Air France und die skandinavische Airline SAS.

O'Leary bezeichnete die Lufthansa als "abhängig" von der Staatshilfe. "Wann immer es eine Krise gibt, ist der erste Reflex der Lufthansa, die Hand in die Tasche der deutschen Regierung zu schieben." Andere Airlines kämen mit der Unterstützung für Kurzarbeit aus, die Lufthansa bekomme auch noch Geld von den Regierungen der Schweiz, Österreichs und Belgiens. Deutschland ist einer der wichtigsten Märkte für Ryanair.

Die Lufthansa und die Bundesregierung hatten sich am Montag auf ein neun Milliarden Euro umfassendes Stützungsprogramm für den von der Corona-Krise schwer getroffenen Luftfahrtkonzern geeinigt. Drei Milliarden Euro sollen als Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fließen, die übrigen sechs Milliarden Euro kommen aus dem für Corona-Hilfen eingerichteten Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) der Bundesregierung. Die EU-Kommission muss das Paket noch genehmigen.

Derweil gab die Lufthansa-Tochter Eurowings bekannt, wegen der aktuellen Flaute etwa jeden dritten Arbeitsplatz in der Verwaltung abbauen zu wollen. "Wir haben in der Verwaltung rund 1000 Stellen, und davon werden wir rund 300 streichen", sagte Eurowings-Chef Jens Bischof am Montagabend in der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung Düsseldorf. Eurowings wolle die Kosten senken und auch dazu beitragen, dass die Muttergesellschaft das mit der Bundesregierung vereinbarte neun Milliarden Euro schwere Rettungspaket möglichst schnell zurückzahlen könne.

Eurowings verkleinert Flotte

Lufthansa
Lufthansa 9,10

Insgesamt beschäftigt der Billigflieger etwa 4000 Mitarbeiter. Zahlen für einen Jobabbau in anderen Bereichen nannte Bischof nicht. "Im Flugbetrieb kommt es auf die Konzepte an, die wir mit unseren Sozialpartnern erreichen - gerade auch, was die mögliche Aufteilung der Kollegen der Germanwings auf die Lufthansa und die Eurowings betrifft."

Der Manager verwies auf Prognosen, wonach es bis 2023 dauern könne, ehe die Branche wieder das Niveau von 2019 erreichen wird. Daher werde Eurowings auch seine Flotte verkleinern. "Wir werden voraussichtlich statt den 2019 geflogenen 139 Flugzeugen 2021 perspektivisch nur gut 90 Flugzeuge in der Luft haben. Natürlich hängt das jetzt von einigen Prognosen und natürlich auch von den Reisebeschränkungen und dem Nachfragedruck ab."

Eurowings hat wie die gesamte Branche starke Einbußen durch die Folgen der Corona-Krise. Normalerweise habe Eurowings 70.000 bis 80.000 Fluggäste pro Tag, berichtete Bischof. Den Tiefpunkt habe die Airline im April mit 1000 Fluggästen am Tag gesehen. "Wir haben im April Umsatzeinbußen von 95 Prozent gehabt und konnten unsere Kosten um knapp 70 Prozent reduzieren, sodass immer noch am Tag knapp zwei Millionen bei Eurowings alleine aus der Kasse geflossen sind, die wir nicht kompensieren konnten."

Quelle: ntv.de, fzö/AFP/dpa