Wirtschaft

Doch kein Vergeltungsschlag? Ryanair rechtfertigt Standort-Schließung

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Flugzeuge der Billigairline Ryanair in Weeze. Hier werden zwei der bislang fünf Maschinen abgezogen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Vor wenigen Tagen kündigt Ryanair an, den Standort Bremen aufzugeben und Flieger aus Weeze abzuziehen. Viele glauben an eine Strafaktion, denn beim Billigflieger wird immer wieder gestreikt. Nun meldet sich die Airline zu Wort.

Der Billigflieger Ryanair hat den Abbau von Kapazitäten an seinen Standorten Bremen und Weeze am Niederrhein verteidigt. "Das ist eine wirtschaftliche Entscheidung", sagte Marketingvorstand Kenny Jacobs. In den beiden Basen liefen die Geschäfte nicht so gut, dies hänge auch mit dem jüngsten Arbeitskampf zusammen. "Die Streiks haben für Unsicherheit gesorgt."

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Ryanair hatte vor kurzem angekündigt, die Basis Bremen mit zwei Flugzeugen zu schließen und die Kapazität in Weeze von fünf auf drei Maschinen zu senken. Jacobs sagte, man werde rund 85 Prozent der Flüge weiter betreiben - mit Maschinen von anderen Standorten.

Ryanair hat wegen des Arbeitskampfes und steigender Kerosinkosten jüngst seine Gewinnprognose gesenkt. Europas größter Billigflieger wird seit Monaten immer wieder von Streiks in mehreren europäischen Ländern überzogen, darunter auch in Deutschland. Die Gewerkschaften von Piloten und Flugbegleitern ringen um den erstmaligen Abschluss von Tarifverträgen mit höherer Bezahlung und besseren Arbeitsbedingungen.

Jacobs bekräftigte, dass man in Deutschland die Gespräche mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und mit der für das Kabinenpersonal verhandelnden Verdi rasch fortsetzen und bis Weihnachten abschließen wolle.

Vor dem Luftfahrtgipfel am Freitag in Hamburg erneuerten beide Gewerkschaften ihre Kritik an Ryanair. Sie sehen die Politik in der Pflicht. "Wir befinden uns im Jahr 2018 und nicht am Anfang der Industrialisierung - Ryanair muss endlich akzeptieren, dass es auch Arbeitnehmerrechte gibt", erklärte ein VC-Sprecher. "Ryanair hält sich auf mehreren Ebenen nicht an die in Deutschland geltenden Spielregeln, so dass hier die Politik gefragt ist", sagte auch Verdi-Bundesvorstand Christine Behle.

Quelle: n-tv.de, kpi/rts