Wirtschaft

Wie geht es Amazon, Facebook & Co? S&P 500 starrt die Klippe hinunter

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Wer hoch hinaus will, kann tief fallen.

(Foto: imago/Nature Picture Library)

Nachdem der S&P 500 etliche Male erfolglos am Rekordhoch geschnuppert hat, kippt nun die Stimmung. Gründe dafür gibt es mehr als genug.

Der S&P 500 erinnert an einen Boxer: Lange Zeit hat er Tiefschläge – beispielsweise miese US-Konjunkturdaten - weggesteckt, weil Investoren trotz gegenteiliger Beteuerungen von Fed-Chefin Janet Yellen auf eine anhaltend lockere Geldpolitik gesetzt hatten. Doch nun wankt er bedenklich.

Denn nach der Vorlage der schlechten Arbeitsmarktdaten für Mai verschlechtert sich allmählich die Stimmung der Investoren. Ihnen dämmert, dass die US-Wirtschaft zu schwach sein könnte, um selbst eine Zinserhöhung um mickrige 25 Basispunkte (0,25 Prozent) zu verkraften. Damit trüben sich die Perspektiven für den S&P 500 ein, erzielen die Unternehmen doch 52 Prozent der Umsätze auf dem Heimatmarkt.

Wegen der Stimmungsverschlechterung schauen Investoren verstärkt auf die Bewertung, und die ist selten höher gewesen. So liegt das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) des S&P 500 mit 1,8 am Rekordhoch. Bei dieser Kennzahl wird der Börsenwert durch die Umsätze der Unternehmen dividiert. Eine zweite Kennzahl zeigt ebenfalls, wie teuer der S&P 500 ist: Der Börsenwert beläuft sich auf das 1,2fache der Wirtschaftsleistung der USA. Und das gibt zu denken, nicht nur weil die Investmentlegende Warren Buffett diese Kennzahl als eine sehr wichtige betrachtet. Wichtiger noch: Der langjährige Schnitt liegt bei lediglich dem 0,6fachen der Wirtschaftsleistung.

Die hohe Bewertung und eine sich verschlechternde Börsenstimmung sind ein explosives Gemisch. "Sollte sich die Stimmung der Investoren, nicht zuletzt wegen des Brexit-Referendums am 23. Juni oder der Spanien-Wahl am 26. Juni weiter eintrüben, könnte es zu einem deutlichen Kursrutsch beim S&P 500 kommen", sagt Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets. Bei einem Kursrückschlag am Gesamtmarkt dürften vor allem die hochbewerteten Aktien überdurchschnittlich stark unter die Räder kommen.

Kundenwachstum ausgebremst

Etwa bei der Online-Videothek Netflix könnte das der Fall sein. Sie ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2017 mit mehr als 90 bewertet. Zum Vergleich: Adidas hat als hochbewertete Aktie ein KGV von rund 25. Dabei verbrennt Netflix wegen der hohen Investitionen in die Expansion rund 250 Millionen Dollar pro Quartal - gemessen am Cashflow.

Gleichzeitig verlangsamt sich das Kundenwachstum, sowohl im Ausland als auch im Inland deutlich. Je mehr sich eine Korrektur am Gesamtmarkt ausweiten sollte, umso mehr dürfte nicht nur Netflix, sondern die "FANG"-Aktien insgesamt in den Fokus der Investoren rücken, also Facebook, Amazon, Netflix und die Google-Mutter Alphabet.

Im Gegensatz zu Netflix brummt das Geschäft bei Amazon zwar. Das liegt vor allem an dem boomenden Cloud-Geschäft, das inzwischen der größte Gewinnlieferant des Konzerns ist. Entsprechend hat sich die operative Marge von Amazon in den vergangenen Quartalen deutlich verbessert auf zuletzt 3,7 Prozent, weshalb im ersten Quartal ein Cash Flow von 6,4 Milliarden Dollar in die Kasse gespült worden war. Mit einem 2017er-KGV von mehr als 70 ist dennoch eine Menge Euphorie in der Aktie eingepreist.

S&P 500 hängt stark an Apple

Dasselbe gilt für Facebook mit einem Börsenwert von 328 Milliarden Dollar. Der Konzern erfreut sich zwar an stark steigenden Umsätzen und Nutzerzahlen. Sollte sich jedoch das Wachstum abschwächen, könnte deutlicher Druck auf die Aktie aufkommen, wenngleich sie mit einem KGV von 25 bei Weitem nicht so teuer ist wie etwa Amazon.

Die größte Bedeutung kommt allerdings weiterhin Apple zu, ist der Konzern mit einem Börsenwert von 536 Milliarden der mit Abstand schwerste Wert aus dem S&P 500. Die Aktie ist im Gegensatz zu den anderen "FANG"-Papieren zwar nicht teuer, aber Investoren befürchten, dass es in diesem Jahr zum ersten Absatzrückgang beim iPhone seit seiner Einführung im Jahr 2007 kommen wird.

Die anhaltend sinkenden Gewinnschätzungen deuten darauf hin, dass die Analysten die Perspektiven zusehends skeptisch einschätzen. Das könnte trotz der niedrigen Bewertung eine deutliche Erholung der Aktie verhindern - das wäre im aktuellen Umfeld vermutlich noch die beste Entwicklung.

Quelle: n-tv.de