Wirtschaft

Datenschutz und Digitalisierung SAP-Vorstand: Deutschland steht "nicht gut da"

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Jürgen Müller, Mitglied des Vorstands und Chief Technology Officer von SAP, bei der Präsentation der offiziellen Corona-Warn-App im Juni 2020.

(Foto: picture alliance/dpa/Reuters Pool)

Corona-Warn-App, Strategiewechsel und Kursabsturz: Die letzten Monate waren nicht leicht für den Softwarekonzern SAP. CTO Müller erklärt, warum die App trotz lauter Kritik ein Erfolg war, wie die Firma mit Homeoffice umgegangen ist, und was er vom Stand der Digitalisierung in Deutschland hält.

Europas größter Softwarekonzern hat aufregende Monate hinter sich: Gemeinsam mit der Deutschen Telekom entwickelte SAP die Corona-Warn-App, die 28 Millionen Nutzer hat und trotzdem oft in der Kritik steht. Zudem setzt das Unternehmen in einer Offensive auf Software-Dienstleistungen aus der Cloud.

Das erfordert Investitionen, die an der Börse erst einmal nicht gut angekommen. Vieles davon wurde in Pandemie-Zeiten aus dem Homeoffice gemanagt - auch von Jürgen Müller, der als Chief Technology Officer (CTO) von SAP vorwiegend von Berlin aus arbeitet. "Man kann einen Dax-Konzern von überall aus führen", sagt Müller im Podcast "Die Stunde Null". Den Mitarbeitern soll ein möglichst flexibles Arbeiten ermöglicht werden, und vieles davon könne auch zuhause geschehen. "Was allerdings fehlt, sind die informellen sozialen Interaktionen."

Die Corona-Warn-App, die wegen ihrer mangelnden Anwendungsmöglichkeiten oft gerügt wird, ist aus Sicht des CTOs ein Erfolg. "Die CWA wird von Datenschützern gelobt und erfüllt auch ihren Zweck. Ich hoffe, dass das in der Bevölkerung mehr Akzeptanz findet", sagt er. "Ungefähr vier Millionen Menschen wurden gewarnt, dass eine corona-positiv-getestete Person in ihrer Nähe war." Nach Ansicht Müllers zeigt die App, dass man "Datensparsamkeit mit Nützlichkeit verbinden kann": "Man muss keine persönlichen Daten angeben, um trotzdem über die Corona-Warn-App beispielsweise nach einem Check-In gewarnt werden zu können."

Die generelle Einstellung der Deutschen zu digitalen Hilfsmitteln sieht Müller kritisch. "Wir haben ein interessantes Verhältnis zum Datenschutz. Wir geben in sozialen Medien viele Informationen preis - aber sobald uns der Staat helfen möchte, gibt es Fragezeichen", sagt er. "Das sollten wir diskutieren in der Gesellschaft." Insgesamt stehe das Land bei der digitalen Infrastruktur "nicht gut da". Zwar sei diese Erkenntnis mittlerweile bei den meisten angekommen, allerdings müsse das auch Konsequenzen haben. "Die Ressource, die wir in Deutschland haben, ist Wissen. Und da müssen wir Weltklasse sein", sagt Müller.

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Hören Sie außerdem in der neuen Folge von "Die Stunde Null":

  • Warum SAP Weinproben für seine Mitarbeiter organisiert
  • Weshalb SAP an einem "Facebook für Unternehmen" bastelt
  • Wie das Unternehmen seine Kunden aus der Cloud versorgen will

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Quelle: ntv.de, ddi

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