Wirtschaft

Wachstum wohl erst wieder 2023 SAP kappt erneut Prognose - Aktie bricht ein

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Auch SAP leidet unter der Corona-Krise.

(Foto: REUTERS)

Die Corona-Krise geht auch nicht spurlos an Software-Anbieter SAP vorbei. Der wertvollste Dax-Konzern muss erneut seine Gewinnerwartungen kürzen. Zugleich will das Unternehmen große Summen in das Cloudgeschäft investieren. An der Börse erlebt die Aktie ein Desaster.

Der Softwareriese SAP kappt wegen der Corona-Krise bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Prognose für das laufende Jahr und kann nun auch seine mittelfristigen Ziele nicht mehr halten. Der Walldorfer Dax-Konzern begründete dies damit, dass sich die Nachfrage weniger gut als erwartet entwickelt hat. Die Anleger reagieren hektisch: Die Aktie des wertvollsten deutschen Unternehmens verliert ein Fünftel ihres Werts - und zieht den Dax damit deutlich ins Minus.

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Inzwischen geht der weltgrößte Unternehmenssoftware-Anbieter davon aus, dass sich die Corona-Pandemie "voraussichtlich mindestens bis zur ersten Jahreshälfte 2021" negativ auswirkt und schraubte deswegen die Erwartungen nach unten, an denen der Konzern bisher trotz der Krise festgehalten hatte. Demnach könnte das Betriebsergebnis in den nächsten zwei Jahren auch "stagnieren oder etwas geringer" ausfallen.

Konkret rechnet der Konzern 2020 nun mit einem währungsbereinigten Betriebsergebnis zwischen 8,1 und 8,5 Milliarden Euro (Vorjahr: 8,2 Milliarden). Bisher waren bis zu 8,7 Milliarden in Aussicht gestellt worden. Beim Umsatz gehen die Walldorfer nun von 27,2 bis 27,8 Milliarden Euro aus, statt der zuvor prognostizierten 27,8 bis 28,5 Milliarden. Im Gesamtjahr 2019 waren es 27,6 Milliarden Euro.

"Wollen ein Wachstumsunternehmen bleiben"

Mit Investitionen in Höhe eines mittleren dreistelligen Millionenbetrages will SAP in den kommenden beiden Jahren noch stärker auf das Wachstum mit Software über das Internet setzen. Nun sollen vor allem bestehende Kunden der SAP-Kernsoftware zur Unternehmenssteuerung hin zu Cloudangeboten bewegt werden. Der schnellere Umstieg von Kunden auf solche Programme wird das bisher in Aussicht gestellte Wachstum der bereinigten operativen Marge (bereinigtes Ebit) auf rund 34 Prozent bis 2023 voraussichtlich deutlich hemmen, wie SAP bereits am Sonntagabend mitgeteilt hatte.

SAP-Chef Christian Klein verteidigte den Strategieschwenk hin zu mehr Wachstumsinvestitionen als notwendigen Schritt. "Ich opfere den Erfolg unserer Kunden nicht der kurzfristigen Optimierung unserer Marge", sagte der Vorstandschef des Dax-Konzerns ntv. Die Kunden würden zunehmend Software aus der Cloud nachfragen. Deshalb wäre das Beibehalten der alten Mittelfristziele mit dem Fokus auf die eigene Profitabilität gegen deren Wünsche gewesen. Finanzchef Luka Mucic ergänzte in einer Telefonkonferenz, das Management steuere das Unternehmen nicht nach der operativen Marge. "Wir wollen ein Wachstumsunternehmen bleiben", sagte der Manager.

Cloudverträge sind erst mit längerer Laufzeit so lukrativ wie Softwarelizenzen gegen hohe Einmalbeträge. SAP hatte mit Beginn des vergangenen Jahrzehnts vor allem über milliardenschwere Zukäufe das eigene Cloudangebot gestärkt, in den vergangenen Jahren dann aber auch eigene Kernprogramme als Cloudversion angeboten. "Wir glauben, dass uns die Investitionen in die Lage versetzen, beim Umsatz künftig stärker zu wachsen, wenn die Investitionsphase vorbei ist", sagte Mucic.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa