Wirtschaft

Frankreich zeigt sich offen Scholz will Spanien an Europas Gasnetz anschließen

288643067.jpg

Spanien und Portugal sind beim Gas fast so abgeschottet wie eine Insel.

(Foto: picture alliance / AA)

Händeringend wird in Deutschland nach Ersatz für russisches Gas gesucht. Kanzler Scholz sieht Spanien als möglichen Lieferanten und wünscht sich dessen Anbindung an Europas Gasnetz. Eine Pipeline nach Frankreich wäre möglich - aber es gäbe auch eine Alternative.

Bundeskanzler Olaf Scholz und Spaniens Ministerpräsident Pedro Sanchez dringen darauf, dass die iberische Halbinsel an das europäische Strom- und Gasnetz angeschlossen wird. "Wir könnten 30 Prozent des Flüssiggas-Bedarfs der EU decken", wenn es diese Leitung gäbe, sagte Sanchez am Rande der Kabinettsklausur in Meseberg, an der er teilnahm.

Wenn dies nicht über Frankreich möglich sei, müsse man den Weg einer Pipeline-Anbindung über Italien wählen. Spanien sei bereit zur Solidarität, aber man habe diesen Flaschenhals. Auch Kanzler Scholz stellte sich hinter diese Pipeline. Diese sei auch mit Blick auf die langfristige Lieferung mit grünem Wasserstoff wichtig. Spanien und Portugal würden als sonnenreiche Länder Überschüsse produzieren, die sie exportieren könnten.

Die große Aufgabe sei, ein europäisches Netz für alle Energieträger zu schaffen. Mehr Vernetzung schaffe stabilere Gesellschaften, sagte Scholz. "Wir helfen uns allen, wenn wir das tun." Der Kanzler bekräftigte zudem, dass Deutschland aufgrund der Füllstände der deutschen Gasspeicher besser gerüstet sei, um durch den Winter zu kommen.

Sanchez erklärte, dass man die Verbindung der Strom- und Gasleitungen von Spanien und Portugal in die übrigen europäischen Länder verbessern sollte, auch um damit der russischen Erpressung bei den Gaslieferungen entgegenzuwirken. Dies sei aber auch angesichts der Bedeutsamkeit von grünem Wasserstoff sehr wichtig. Spanien könne 30 Prozent statt aktuell 3 Prozent der Regasifizierung Europas abdecken, aber aufgrund fehlender Leitungen sei das aktuell nicht möglich.

Pipeline könnte zeitnah funktionstüchtig sein

Spanien hat die meisten Flüssiggas-Terminals in Europa und zudem eine Pipeline aus dem Förderland Algerien. Es besteht allerdings keine größere Verbindung nach Frankreich, ein Projekt wurde vor Jahren wegen Unwirtschaftlichkeit abgebrochen. Mithilfe der EU könnte es wiederbelebt werden. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine sucht die EU fieberhaft nach Alternativen zu russischen Gaslieferungen, die momentan stark eingeschränkt sind.

Mehr zum Thema

Die spanische Energieministerin Teresa Ribera hatte gesagt, dass die angedachte Gaspipeline-Verbindung zwischen Spanien und Frankreich in weniger als einem Jahr funktionstüchtig sein könnte. Voraussetzung sei, dass sich Frankreich und die EU auf das Projekt verständigten, sagte sie.

Unterdessen gab Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire bekannt, dass Frankreich den von Spanien und Deutschland geforderten Pipeline-Bau prüfen wolle. "Spanien und Deutschland sind zwei enge Partner von Frankreich, wenn sie einen Vorschlag machen, untersuchen wir den", sagte Le Maire in Paris. Bislang hatte sich Frankreich, das stark auf Atomkraft setzt, eher verhalten zu einer Wiederbelebung des Erdgas-Pipeline Midcat positioniert, das 2017 wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit abgebrochen wurde.

Quelle: ntv.de, kst/rts/DJ

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen