Wirtschaft

Wiener Stromversorger in Notlage Wien Energie benötigt Milliarden-Hilfe vom Bund

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Laut Wien-Energie-Aufsichtsratschef Weinelt benötige das Unternehmen Geld, um zukünftige Lieferverträge zu sichern.

(Foto: picture alliance / Karl Schöndorfer / picturedesk.com)

Über zwei Millionen Privathaushalte und Tausende Unternehmen in Österreich versorgt Wien Energie mit Strom. Wegen rasanter Preissteigerungen braucht das Unternehmen nun staatliche Hilfe in Höhe von 6 Milliarden Euro. Zunächst will der Bund jedoch überprüfen, wie die Finanzlücke derart kurzfristig entstehen konnte.

Österreichs größter regionaler Energieversorger, Wien Energie, braucht wegen der Strom- und Gaskrise staatliche Unterstützung in Milliardenhöhe. "Wir haben vor 48 Stunden die Mitteilung bekommen, dass die Wien Energie in finanzielle Schieflage geraten ist", sagte Finanzminister Magnus Brunner zum ORF-Radio. Der Bund sei aufgefordert worden, zu helfen. Die Verhandlungen dauerten noch an.

Wien Energie, die im Eigentum der Stadt Wien steht, versorgt insgesamt zwei Millionen Privathaushalte und 230.000 Unternehmen im Großraum Wien. Wie viel Geld nun tatsächlich benötigt wird, ist Brunner zufolge noch nicht ganz klar. "Wir sind gestern informiert worden, dass ein Bedarf von zwei Milliarden Euro kurzfristig besteht und sechs Milliarden Euro insgesamt", so der Minister. "Das ist kein Pappenstiel." Grundsätzlich sei der Bund bereit zu helfen, derzeit würden aber noch nicht alle Fakten auf dem Tisch liegen.

Unklar ist auch, wie so kurzfristig ein derart hoher Finanzbedarf entstehen kann. Experten zufolge hätte man eine solche Lücke schon früher bemerken müssen. Laut Brunner handelt es sich mutmaßlich um spekulative Geschäfte der Wien Energie. "Deswegen müssen wir uns das ganz genau anschauen", sagte er.

Branche fordert Rettungsschirm für alle Versorger

Wien-Energie-Aufsichtsratschef Peter Weinelt sieht nach eigenen Worten kein Managementversagen. Er verwies am Montag in einem ORF-Interview auf die Verdoppelung des Strompreises innerhalb eines Tages. Wien Energie würde Geld benötigen, um zukünftige Lieferverträge (Futures) für den Bezug von Strom an internationalen Energiebörsen zu sichern. Diese Kautionen seien mit dem Strompreis stark gestiegen. Eine derartige Situation könnte auch für andere Energieversorger existenzbedrohend sein, sagte Weinelt. Das Unternehmen selbst dementierte zuvor Medienberichte, wonach es zahlungsunfähig sei.

Branchenvertreter fordern nun einen Rettungsschirm für alle Energieversorger, wie ihn etwa Deutschland bereits gespannt hat. So hat der in Finanznöte geratene Energiekonzern Uniper weitere staatliche Kredite im Umfang von vier Milliarden Euro beantragt. Laut Brunner würde dieses Instrument im Fall der Stadt Wien aber nichts bringen. "Der Vergleich hinkt", sagte der Minister, denn spekulative Geschäfte wären auch in Deutschland nicht abgedeckt.

Quelle: ntv.de, mbu/rts

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