Wirtschaft

"Der Markt bekommt nun Risse" Schwache Konjunkturzahlen bremsen Börse

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Die Biogen-Aktie kam ordentlich unter Druck. Grund ist, dass die Wirksamkeit des Alzheimer-Präparats Aduhelm angezweifelt wird.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Die Industrieproduktion fällt schwächer aus als erwartet, zudem wachsen die Sorgen wegen einer möglichen weiteren Corona-Welle. Die Hoffnung auf eine sich global öffnende Wirtschaft schrumpft. Das schlägt sich auch an der Wall Street nieder.

Nach neuen, insgesamt durchwachsen ausgefallenen Konjunkturzahlen ist es mit den Indizes an den US-Börsen am Donnerstag von den zuletzt teils erreichten Rekordhochs etwas nach unten gegangen. Unter anderem waren die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe auf den niedrigsten Stand seit März 2020 gesunken und die Industrieproduktion im Juni etwas hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Als Stimmungsdämpfer machten Marktteilnehmer Sorgen wegen der sich wieder ausbreitenden Corona-Pandemie aus. Sie könnte Störfeuer für die eigentlich fest erwartete globale Öffnung des Wirtschaftslebens bedeuten. "Wir verlieren Zeit" warnte Francis Collins, Leiter der National Institutes of Health, im Sender CNN angesichts des sich verlangsamenden Impftempos in den USA. Daneben sorgten sich die Akteure auch um die hohen Teuerungsraten, die ebenfalls negativ auf das Wirtschaftswachstum ausstrahlen könnten. Der Markt habe zuletzt eine perfekte Entwicklung eingepreist, diese bekomme nun Risse, kommentierte Marktexperte Derek Halpenny von MUFG. Die Risikoneigung habe definitiv nachgelassen.

Der Dow-Jones-Index ging mit 34.987 Punkten mit einem Plus von 0,2 Prozent aus dem Tag. Die anderen Indizes gaben nach, die Nasdaq-Indizes mit 0,7 Prozent auf 14.794,69 Punkte am stärksten. Auch der S&P-500 verlor 0,3 Prozent und landete am Ende bei 4.360,03 Punkten. An der Nyse gab es nach ersten Angaben 1274 (Mittwoch: 1413) Kursgewinner und 2039 (1890) -verlierer. Unverändert schlossen 129 (128) Titel.

Marktzinsen weiter auf dem Weg nach unten

Dass US-Notenbankchef Jerome Powell am Vortag trotz der hohen Inflationsraten Spekulationen über eine schneller kommende Straffung der US-Geldpolitik erneut eine Absage erteilt hatte, stützte nicht mehr. Zudem betonte er vor dem Bankenausschuss des Senats, dass die aktuelle Inflation "unangenehm" über dem Niveau liege, das mit den Zielen der US-Notenbank vereinbar sei.

Morgan Stanley
Morgan Stanley 86,33

Die Renditen der US-Anleihen, die bereits am Vortag nach den Powell-Aussagen deutlich nachgegeben hatten, sackten weiter ab. Am Markt hieß es, die sinkenden Zinsen zeigten, dass die US-Notenbank beim Wort genommen werde. Daneben sprachen Teilnehmer aber auch von weiter reichlich vorhandener Liquidität, die nach Anlage suche in einem Umfeld global sehr niedriger Zinsen.

Der Dollar stabilisierte sich trotz der weiter sinkenden Zinsen nach seinem Rücksetzer vom Vortag. Der Dollarindex legte um 0,2 Prozent zu, und der Euro lag zuletzt nur noch knapp über 1,18 Dollar.

AIG-Aktie profitiert von Deal mit Blackrock

Mit Morgan Stanley (+0,2%) legte die letzte der großen US-Banken Zahlen zum zweiten Quartal vor. Gewinn und Einnahmen waren dabei über den Erwartungen ausgefallen. Bank of New York Mellon gaben nach dem Quartalsbericht um 1,2 Prozent nach, U.S. Bancorp legten nach dem Zahlenausweis dagegen um 3,2 Prozent zu.

Der Krankenversicherer Unitedhealth Group (+1,3%) verbuchte einen Gewinnrückgang, weil Patienten Arztbesuche nachholten, die sie wegen der Pandemie aufgeschoben hatten. Das verursachte höhere Kosten. Dennoch nahm das Unternehmen mehr ein, verdiente auch mehr als erwartet und erhöhte zudem die Jahresprognose.

Biogen Idec
Biogen Idec 210,20

AIG verteuerten sich um 3,6 Prozent, nachdem der Versicherer einen milliardenschweren Vertrag mit der Beteiligungsgesellschaft Blackstone (+3,9%) geschlossen hat. Unter anderem übernimmt Blackstone Anteile am Geschäftsbereich Life & Retirement für 2,2 Milliarden Dollar. Zudem verkauft AIG Immobilienwerte für 5,1 Milliarden Dollar an Blackstone.

Stark unter Druck standen Biogen (-6,8%). Hintergrund waren Berichte, wonach Krankenhäuser das von Biogen entwickelte Alzheimer-Präparat Aduhelm nicht anwenden wollen, weil sie dessen Wirksamkeit anzweifeln. Zudem hieß es von Unitedhealth, man benötige noch Zeit, um zu entscheiden, ob man die jährlichen Kosten von 56.000 Dollar für Aduhelm trage.

Ölpreise geben nach - laxere Grenzen bei der Opec?

Die Ölpreise gaben erneut stark nach um rund 2 Prozent, weiter gedrückt von Kreisemeldungen, wonach Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate eine Einigung im Streit um Fördermengen gefunden haben sollen. Demnach dürften ab dem kommenden Monat laxere Grenzen für die Förderobergrenzen gelten.

Quelle: ntv.de, als/DJ

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