Wirtschaft

"Einige bleiben auf der Strecke" Siemens-Chef für Grundeinkommen

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Siemens-Chef Joe Kaeser.

picture alliance / dpa

Um den digitalen Wandel abzufedern, plädiert Siemens-Boss Joe Kaeser für eine bessere soziale Absicherung in Deutschland. Seine Begründung: Einige würden mit der Geschwindigkeit der Welt nicht mehr mitkommen.

Die gute Nachricht: Die Digitalisierung der Wirtschaft wird in Deutschland unterm Strich zunächst wohl kaum Jobs kosten. Die schlechte: Viele Menschen werden sich einen neuen Beruf suchen müssen. Siemens-Chef Joe Kaeser plädiert deshalb für ein Grundeinkommen.

Es würden absehbar "einige auf der Strecke bleiben, weil sie mit der Geschwindigkeit auf der Welt einfach nicht mehr mitkommen", sagte er auf dem "SZ"-Wirtschaftsgipfel. Auf sie warten könne man jedoch nicht, dann würden Deutschland und Europa verlieren. Also müsse die Gesellschaft dafür sorgen, dass diese Menschen versorgt seien. Diese müssten sehen, dass da "einer da [ist], der hilft mir". Deshalb werde "eine Art Grundeinkommen völlig unvermeidlich sein", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" den Siemens-Chef.

Das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit hatte Mitte November eine Studie vorgelegt, derzufolge in Deutschland bis zum Jahr 2025 rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze wegfallen, zugleich aber rund 1,5 Millionen neu entstehen. Dabei wurden erstmals auch die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Dienstleistungsbranche berücksichtigt.

Vor allem Facharbeiter betroffen

Mit Jobverlusten rechnet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) vor allem im produzierenden Gewerbe. "Da wird es ein großes Minus geben. Aber da haben wir schon jetzt große Fachkräfteengpässe. Dieses Problem wird durch die Wirtschaft 4.0 eher abgemildert", so IAB-Arbeitsmarktforscher Enzo Weber. Betroffen seien weniger Hilfskräfte, von denen gebe es ohnehin nicht mehr so viele, sondern vor allem der klassische Facharbeiter, etwa in der Maschinensteuerung.

Bei dieser Gruppe steige mit dem Einzug sich selbst steuernder digitaler Systeme und Roboter in den Fabrikhallen vorübergehend das Risiko, arbeitslos zu werden. Viele müssten sich umfassend fortbilden, um einen neuen Job zu finden, sagte Weber. Hier sei neben den Unternehmen auch die Arbeitsmarktpolitik mit entsprechenden Aus- und Fortbildungsangeboten gefordert.

Quelle: n-tv.de, jga/dpa

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