Wirtschaft

Unterschiedliche PreistreiberSilber ist trotz Rekordjagd nicht das neue Gold

14.01.2026, 18:32 Uhr
imageVon Max Borowski
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Jahrtausende wurde Silber als Währung genutzt. Heute spielt das Edelmetall für die Zentralbanken allerdings - im Gegensatz zu Gold - praktisch keine Rolle mehr. (Foto: picture alliance / Cover Images)

Die historische Rekordjagd beim Gold wird jüngst vom "kleinen Bruder" des Edelmetalls, dem Silber, in den Schatten gestellt. Beide sind beliebte Anlageprodukte und werden unter anderem auch als Münzen genutzt. Aber es gibt große Unterschiede.

Der Preis für Silber durchbricht einen Rekord nach dem anderen. Gerade hat die Feinunze die Schallmauer von 90 Euro geknackt und stieg zeitweise auf gut 91,50 Dollar. Damit verbucht der Silberpreis allein in diesem, gerade einmal erst zwei Wochen kurzen Jahr einen Anstieg von rund 25 Prozent. Vor einem Jahr kostete eine Feinunze Silber noch weniger als 30 Dollar.

Damit holt Silber die Preisentwicklung von Gold nicht nur nach, sondern stellt seinen "großen Bruder" inzwischen in den Schatten. Der Goldpreis kletterte schon in den vergangenen beiden Jahren von einem Rekord zum nächsten. Seit Jahresbeginn liegt er jedoch nur gut 6 Prozent im Plus und im Zwölfmonatszeitraum etwas mehr als 70 Prozent, im Vergleich zu rund 200 Prozent beim Silber.

Wie Gold ist auch Silber ein Edelmetall, das historisch als Währung fungierte und heute noch zum Prägen von Sammlermünzen verwendet wird. Trotz dieser Gemeinsamkeiten gibt es jedoch grundlegende Unterschiede zwischen den beiden Märkten. Anleger, die erwägen, jetzt noch bei der aktuellen Rally einzusteigen, sollten das beachten.

Größe des Marktes

Silber ist mit der Rally, wie Analysten der Website CompaniesMarketCap.com berechnet haben, in Dollar zum zweitgrößten Vermögenswert der Welt aufgestiegen. Der Gesamtwert des geförderten Silbers übersteigt inzwischen mit rund 5 Billionen Dollar den Börsenwert des weltweit wertvollsten Unternehmens, Nvidia, von knapp 4,5 Billionen Dollar. Gold allerdings spielt immer noch in einer anderen, eigenen Liga: Die Marktkapitalisierung von Gold ist mit geschätzt mehr als 30 Billionen Dollar um ein Vielfaches größer. Die schiere Größe des Marktes ist einer der Gründe dafür, dass der Goldpreis weniger anfällig für starke Schwankungen ist als der Silberpreis. Denn selbst erhebliche Käufe und Verkäufe haben geringere Auswirkungen.

Rolle der Zentralbanken

Zwar wurde Silber in vergangenen Zeiten von Staaten als Währungsreserve genutzt. Das spielt heute aber keine Rolle mehr. Dagegen stocken Zentralbanken seit einigen Jahren ihre Goldreserven deutlich auf. Denn nicht nur bei privaten Investoren, sondern auch bei Währungshütern weltweit nimmt das Vertrauen in den Dollar als dominierende Reservewährung ab. Die Zentralbanken waren damit nicht nur eine der treibenden Kräfte für den Anstieg des Goldpreises in den vergangenen Jahren. Da sie ihr Gold in der Regel sehr langfristig halten und nur in Ausnahmefällen verkaufen, sind die Notenbanken ein stabilisierender Faktor für den Goldmarkt, der dem Silbermarkt fehlt.

Industrielle Nutzung

Neben ihrer Funktion als Investment und als Material zur Schmuckherstellung werden sowohl Silber als auch Gold von der Industrie benötigt für die Produktion elektronischer Komponenten – allerdings in höchst unterschiedlichem Ausmaß. Schätzungen zufolge macht die industrielle Nutzung von Gold deutlich unter 10 Prozent der globalen Nachfrage aus. Beim Silber stieg dieser Anteil in den vergangenen Jahren auf rund 60 Prozent im Jahr 2024 an. Das heißt, anders als beim Gold spielen Faktoren wie technologische Entwicklungen und die Nachfrage nach elektronischen Geräten wie Smartphones sowie Solarpaneelen und Elektroautos eine entscheidende Rolle für den Silberpreis. Mitverantwortlich für den Silberpreisanstieg seit vergangenem Jahr ist die US-Regierung, die das Edelmetall wegen seiner Bedeutung für Schlüsseltechnologien als kritisches Mineral eingestuft hat. Das führt dazu, dass nicht nur in den USA strategische Silberbestände erhöht werden. Die Nachfrage von Investoren nach Silber als Geldanlage hat dagegen im Vergleich zu Gold eine geringere Bedeutung.

Gold-Silber-Verhältnis

Historisch gesehen sind die Preise von Gold und Silber korreliert: Sie haben sich langfristig tendenziell in dieselbe Richtung entwickelt. Prognosen für die Zukunft ermöglicht diese Erkenntnis jedoch nicht: Der Abstand zwischen den Preisen für eine Feinunze der beiden Edelmetalle variiert erheblich. In den vergangenen Jahrzehnten schwankte das Verhältnis von Gold- zu Silberpreis zwischen 35:1 und 125:1. Das heißt: Zeitweise war Gold 125 mal so teuer wie Silber, zeitweise nur 35 mal. Das zeigt deutlich, dass die Preise immer wieder unterschiedlichen Einflüssen unterworfen sind. Derzeit ist das Gold-Silber-Verhältnis aufgrund der jüngsten Silberrally erstmals seit mehr als zehn Jahren wieder auf einen Wert von 50 zu 1 gesunken. Das ist ein historisch eher niedriger, aber kein Tiefstwert. Was beide Edelmetalle gemeinsam haben: Niemand weiß, wie sich die Preise in der Zukunft entwickeln.

Quelle: ntv.de

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