Wirtschaft

Ex-Chef erklärt den Untergang "Datenschutz hat StudiVZ schlecht gemacht"

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StudiVZ war zentrale Anlaufstelle für viele junge Menschen in Deutschland.

(Foto: picture alliance / Andrea Warnecke/dpa-tmn)

Hätte Michael Brehm der Deutsche Mark Zuckerberg werden können? Abwegig ist die Frage nicht, denn Brehm war einst Chef des erfolgreichsten Sozialen Netzwerks in Deutschland, StudiVZ. Bis der Datenschutz kam, wie er im ntv-Podcast "So techt Deutschland" verrät.

"50 Prozent der Nutzer mit Internetanschluss waren fast jeden Tag bei uns auf der Seite", blickt Michael Brehm auf die 2000er Jahre zurück. "Wir hatten mehr Traffic als die nächsten zehn Seiten zusammen."

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20 Jahre nach StudiVZ setzt Michael Brehm auf KI.

(Foto: i2x)

Wo? Bei StudiVZ, dem ersten wirklich großen sozialen Netzwerk Deutschlands. Eine Erfolgsgeschichte, bis der Datenschutz kam. "Wir haben unglaublich viel Druck vom deutschen Datenschutz bekommen", erzählt Brehm im ntv-Podcast "So techt Deutschland". 70 bis 80 Prozent der Software-Entwickler seien am Ende damit beschäftigt gewesen, "Auflagen und Vorgaben der Datenschutzbehörden in Deutschland und Europa zu erfüllen, die de facto das Produkt für die Nutzer schlechter gemacht haben."

Wo sind die Gründer-Kurse?

Für knapp 100 Millionen Euro hat Brehm StudiVZ am Ende verkauft. Ein großer Teil der Summe ging an Investoren, dennoch bliebt für Michael Brehm mehr als genug Geld übrig, um an seiner eigenen Karriere zu basteln.

Seine erste Firma hat der frühere StudiVZ-Chef schon im Alter von 15 Jahren gegründet, sich dann aber fürs Studium entschieden. Und zwar bei einer Hochschule, bei der das Gründen eines Unternehmens quasi als Oberthema über allem schwebt. Doch das sei eher eine Ausnahme, klagt Brehm. "Wir schaffen es überhaupt nicht, in Europa unsere weltweite Spitzenleistung in der Forschung in Gründungen oder Produkte zu übersetzen", mahnt der Manager an. Jede Uni müsse Kurse anbieten, in denen das ABC des Gründens gelehrt werde. Auch für technische Studiengänge und nicht nur für die BWLer.

Außerdem sei es wichtig, Universitäten nicht nur daran zu messen, wie viel sie publizieren, sondern wie viel davon in Firmen übersetzt werde, erklärt er seinen Bildungsansatz. "Jede Uni sollte ein Standard-Set an Verträgen haben, mit denen ich Patente entweder verkaufen oder nutzen kann." Das sei in den USA zum Beispiel schon lange Standard.

KI als Telefonberater

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Die USA gelten genau wie China auch immer als Vorreiter im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Genau in diesem Feld will Michael Brehm nun mit seiner Firma i2x erfolgreich werden. Die KI des Unternehmens fungiert als Echtzeit-Coach für Kundenberater in Hotlines. Während des Gesprächs analysiert sie, ob der Kundenberater besser leiser sprechen, noch einmal etwas wiederholen oder ein Angebot machen sollte. Im Telefonie-Bereich seien die Leute "teilweise sehr allein gelassen" und froh um Unterstützung, sagt Brehm. "Es geht nicht darum, die Person dahinter zu überwachen, sondern besser zu machen", sagt Brehm auf die Frage nach einer ständigen Mitarbeiterkontrolle durch den Arbeitgeber.

Angesprochen auf die Facebook-Pläne ein Metaverse zu bauen, sagt Brehm: "Für mich schaut das fast schon wie ein sehr defensiver Schritt aus." Andere Firmen seien viel besser in dem Bereich positioniert und hätten schon Hunderte von Millionen Nutzer, meint Brehm und spielt damit zum Beispiel auf Microsoft oder Spielehersteller an. Wie er die Erfolgsaussichten von Metaverse einschätzt und wie er Deutschlands Gründerkultur findet, erzählt Michael Brehm in der neuen Folge von "So techt Deutschland".

So techt Deutschland

In "So techt Deutschland" haken die ntv-Moderatoren Frauke Holzmeier und Andreas Laukat bei Gründern, Investoren, Politikern und Unternehmern nach, wie es um den Technologie-Standort Deutschland bestellt ist. Alle Folgen finden Sie in der ntv-App, bei Audio Now, Apple Podcasts, und Spotify. Auch bei Amazon Music und Google Podcast werden Sie fündig.

Quelle: ntv.de

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