Wirtschaft

Platzt die Aktienblase? Soros setzt eine Milliarde auf Crash

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George Soros hat die Wall Street auf der Abschussliste.

(Foto: REUTERS)

Die Wetten von George Soros sind legendär. Mit Ende 80 offenbart der Finanzfuchs seinen nächsten potenziellen Milliardencoup. Nicht zum ersten Mal nimmt er es mit einem großen Gegner auf.

Er ist einer der reichsten und gewieftesten Investoren des Planeten. George Soros ist trotz seines betagten Alters von 86 wendig wie eh und je, unermüdlich auf der Suche nach der nächsten großen, heißen Wette. Nun scheint er sie wieder mal gefunden zu haben.

Soros nächster großer Coup steckt im sogenannten 13-F-Bericht der US-Börsenaufsicht SEC für Investoren, die mehr als 100 Millionen Dollar verwalten. Laut den Daten, die US-Hedgefonds 45 Tage nach dem Ende eines jeden Quartals veröffentlichen müssen, hat sich Soros in den vergangenen Monaten im großen Stil gegen die Wall Street in Position gebracht. Er erhöhte demnach die Zahl seiner Verkaufsoptionen auf einen börsengehandelten Fonds (ETF) von 2,1 Millionen auf nunmehr gut vier Millionen Papiere. Die Wette auf einen Crash der Wall Street ist dem Starinvestor damit rund 840 Millionen Dollar wert, umgerechnet knapp vier Prozent seines auf 25 Milliarden Dollar geschätzten Vermögens.

Verkaufs-Optionen geben dem Käufer das Recht, eine Aktie in einer festgeschriebenen Zeitspanne zu einen festen Preis abzustoßen. Fällt der Preis der Aktie, ist der Käufer nicht nur abgesichert, er kann damit auch Geld verdienen. Denn Verkaufs-Optionen steigen in der Regel im Preis, wenn der Preis der Aktie zum Ausübungspreis fällt. Welche Preise sich Soros in welchem Zeitraum gesichert hat, ist allerdings nicht bekannt.

Allein die Nachricht, dass der Finanzmogul Geld umschichtet und sich neu positioniert, lässt Beobachter allerdings aufhorchen. Mehr als einmal hat der US-Amerikaner mit ungarischen Wurzeln einen Riecher für ökonomische Ungleichgewichte im Weltfinanzsystem bewiesen. Er brachte ihm in den vergangenen Jahrzehnten ein Vermögen ein.

Wer hoch steigt, kann tief fallen

S&P 500
S&P 500 3.837,00

Viele Börsianer warnen, dass sich die Aktienkurse von den Unternehmensgewinnen gefährlich abgekoppelt hätten. Die stetigen Kurssteigerungen in den USA während der vergangenen drei Jahre, in denen die US-Notenbank Fed mit ihrer Zinspolitik für eine Geldschwemme gesorgt hat, haben in ihren Augen eine gewaltige Blase gebildet. Allein der amerikanische Börsenindex S&P 500 hat in diesen Jahren ein Drittel an Wert zugelegt, der Dow-Jones-Index um ein Viertel. Der Wert der Aktien habe nichts mehr mit den realwirtschaftlichen Gegebenheiten zu tun, so der Cassandra-Ruf der Skeptiker.

Die Kennzahlen zur Beurteilung von Aktien geben ihnen Recht. Das einfache Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) ist bei über 20 angelangt. Das heißt, die Unternehmen sind mit dem 20-fachen ihres Gewinns bewertet. Das KGV liegt weit über dem langjährigen Durchschnitt und kann durchaus als ungesund bezeichnet werden. Dafür, dass der Aktienmarkt überhitzt ist, spricht auch, dass diese Rally auf Pump finanziert ist. Viele Wetten sind ausfallgefährdet, weil sie kreditfinanziert sind. Im Zentrum des nächsten Finanzsturms wird aus Soros Sicht passenderweise die Volksrepublik China liegen. Auch hier hat er Investitionen abgebaut.

Wann diese Rally abebbt, ist völlig unklar. Schon zur Jahreswende hatten viele Analysten eine große Korrektur erwartet. Aber die Fed hat ihre angekündigte Erhöhung der Leitzinsen immer weiter auf die lange Bank geschoben und den Finanzmarkt damit auch immer weiter geschmiert. Investoren lauschen inzwischen nervös auf jede Äußerung der Notenbanker, die auf einen Leitzinsschritt nach oben hindeuten könnte. Der Aktienmarkt zuckt jedes Mal prompt.

Blasen sind schwer zu deuten

Richtig ist, langfristig haben Anleger nur Freude an hohen Aktienkursen, wenn diese auf einer steigenden Wirtschaftsleistung und zunehmender Profitabilität der Unternehmen basieren. Die Unternehmensgewinne aber sinken seit 2014 dramatisch und die Rückmeldungen aus der US-Wirtschaft geben Rätsel auf. Wie ungesund das ist, ob es sich tatsächlich um eine Blase handelt, können aber auch Experten nicht mit Bestimmtheit sagen.

Es gibt auch viele Stimmen, die sagen, die Finanzmarktteilnehmer würden sehr vorsichtig agieren - allein deshalb, weil alle mit einer Korrektur auf diesem Niveau rechnen. Die Bewertungen seien bei weitem nicht so überzogen, wie vor der Finanzkrise. Trotz historisch niedriger Verzinsung bei Anleihen verzeichnen Aktien-Fonds sogar Abflüsse. So sehe nicht das Umfeld für einen Crash aus, sagen die Optimisten. 2016 sei nicht wie 2000. Es fehle die Euphorie und das Phänomen, dass Menschen, die bisher nur ein Sparbuch hatten, wie Lemminge in den Markt springen und in Aktien investieren würden.

Ob die Zeit reif für eine Korrektur ist oder nicht, ist deshalb schwer zu sagen. Doch viele sind auf diesem Niveau nervös. Nicht nur Soros, auch andere namhafte Investmentgrößen wie Carl Icahn oder Jeffrey Grundlach haben ihre Positionen mittlerweile zurückgefahren. "Die Aktienmärkte sollten deutlich tiefer liegen. Aber Anleger scheinen hypnotisiert zu sein und zu glauben, dass nichts schief gehen kann", sagte der "King of Bonds" Grundlach erst kürzlich. Er ist Chef des milliardenschweren Hedgefonds Double Line in Los Angeles.

Raus aus Gold

Statt auf fallende Kurse wie Soros zu setzten, investiert Grundlach allerdings auf Gold und ausgesuchte Goldminenbetreiber. Soros hat seine Investments rund um Gold praktisch aufgelöst. Die mehr als 260 Millionen Dollar, die die Investorenlegende Anfang des Jahres in den größten Goldproduzenten der Welt Barrick Gold gesteckt hat, verkaufte er in den darauffolgenden drei Monaten bis auf wenige Prozent nahezu komplett. Da die Aktie in dem Zeitraum 170 Prozent zulegte, strich der Finanzfuchs wieder mal satte Gewinne ein.

Soros größter Coup, die Wette gegen das Britische Pfund und die Bank of England (BoE), ist legendär. Die Wall Street wird der milliardenschwere Finanzinvestor mit seiner jüngsten Wette nicht die Knie zwingen. Die Finanzagentur Bloomberg schätzt das Marktvolumen des S&P auf knapp 20 Billionen Dollar. Aber Heißspunde könnten teures Lehrgeld bezahlen und die schmerzliche Erkenntnis machen, dass Investoren an der Börse nur Geld verdienen können, weil andere es verlieren.

Quelle: ntv.de