"Musks Ausfall wäre ein Risiko"Ist der Börsengang von SpaceX für Kleinanleger eine Chance?

Anleger und Banken fiebern mit SpaceX dem größten Börsengang der Geschichte entgegen. Er könnte Elon Musk am kommenden Freitag zum Billionär machen. Daniel Saurenz von Feingold Research erklärt, wie auch deutsche Kleinanleger an die Aktie kommen und was sie beachten sollten.
ntv.de: Am Freitag kommt es zum bisher größten Börsengang der Geschichte. Das klingt beeindruckend.
Daniel Saurenz: Die Dimension ist besonders: Das Unternehmen soll mit dem ersten Aufschlag schon teurer bewertet werden als etwa der Facebook-Mutterkonzern Meta. Zudem sind US-Börsengänge für deutsche Anleger normalerweise nur schwer zugänglich. Mit SpaceX ist das anders, und Anleger können hierzulande von Beginn an zeichnen. Das ist spannend.
Elon Musk peilt einen Rekord-Börsengang an. Wird das gelingen?
Nicht einmal fünf Prozent aller Firmenanteile werden zum Start an der Börse gehandelt. Dennoch könnten diese fünf Prozent ein Volumen von 75 bis 85 Milliarden Dollar haben. Rechnet man diesen Wert hoch, ergäbe der gesamte Firmenwert 1,75 Billionen Dollar. Die Nachfrage wird wahrscheinlich sehr hoch sein, und nicht jeder Interessent wird zu Beginn eine Aktie zugeteilt bekommen. Und das, obwohl relativ viele Aktien privaten Anlegern zugänglich gemacht werden sollen. In der Regel ist die Quote so bei fünf bis zehn Prozent für Privatanleger. SpaceX will bis zu 30 Prozent an Privatanleger verteilen. Das ist überraschend hoch.
Wie realistisch ist es, die Aktien zum Ausgabepreis von 135 US-Dollar zu bekommen?
Die Nachfrage bei Börsengängen ist generell hoch: Wer sich 100 Aktien von SpaceX haben will, könnte nur einen Bruchteil davon erhalten. Wem aber die Aktie zugeteilt wird, erhält sie zum Ausgabepreis.
Eine andere Möglichkeit ist, nach Börsenstart Aktien zu kaufen. Ist das eher eine gute oder eine schlechte Idee?
Der Aktienkurs wird in den ersten Tagen vermutlich sehr stark schwanken. Insbesondere BEVOR die US-Börse öffnet, was hierzulande 15.30 Uhr ist, wird das der Fall sein. Das sollten Anleger im Kopf haben und vielleicht nicht unbedingt direkt morgens um 8 Uhr handeln. Nicht so erfahrene Anleger sollten sich da vielleicht erst einmal zurücknehmen und beobachten, wie sich der Kurs verhält und entwickelt.
Anleger, die in ETFs investieren, könnten auch einfach warten, bis die Aktie in ihre ETFs aufgenommen wird.
Natürlich kann man abwarten. Wenn man die entsprechenden ETFs besitzt, wird SpaceX mit einem entsprechend kleinen Anteil zu dem Indexfonds gehören. In dem Ausgabepreis ist bereits einkalkuliert, dass SpaceX zeitnah in den Nasdaq und verschiedene Indizes aufgenommen wird.
Was sind die größten Risiken für Anleger?
Unmittelbar besteht theoretisch das Risiko, dass zunächst mehr Aktien verkauft werden und der Kurs fällt. Grundsätzlich wird zudem Firmenchef Elon Musk als Risiko bewertet, weil man davon ausgeht, dass er auch nach dem Börsengang die Mehrheit der Stimmrechte behält. Damit schränkt er Aktionärsrechte ein. Nicht nur das hat schon in der Vergangenheit zu mehreren, teuren Gerichtsprozessen mit wichtigen US-Banken wie JP Morgan geführt. Das ist ein weiteres Risiko.
Das klingt so, als ob es noch weitere gibt.
Ja. Musk könnte später große Anteile verkaufen und trotzdem die Kontrolle behalten. Außerdem ist SpaceX weit davon entfernt, profitabel zu sein. Analysten von Morningstar sehen den Wert des Unternehmens angesichts der aktuellen Umsätze auf 780 bis 810 Milliarden US-Dollar. Damit liegen sie ungefähr eine Billion Dollar unter SpaceX' eigener Erwartung beziehungsweise der Bewertung zum IPO. Das heißt nicht, dass der Wert nach Börsenstart nicht erst einmal Richtung zwei Billionen Dollar gehen könnte. Man muss aber damit rechnen, dass die Aktie im Laufe des Jahres 2026 einen deutlichen Dämpfer erhalten könnte.
Und was sind die größten Chancen?
Grundsätzlich ist Starlink und der damit verbundene Internetausbau im All sehr spannend. SpaceX will zudem künftig neue Rechenzentren im All für den Ausbau von KI installieren. Zwar sind die KI-Unternehmen von SpaceX momentan im Rückstand zu OpenAI und Anthropic, Anleger könnten aber die Wette eingehen: Musk hat bis jetzt viel hinbekommen, er wird auch im KI-Rennen wieder vorn sein. Das ist spekulativ, aber grundsätzlich wird alles mit KI momentan teuer bewertet. Das bietet auch für Anleger eine große Chance bei allerdings auch erheblichen Risiken.
Stichwort Rechenzentren im All. SpaceX gibt sogar an, irgendwann einen Gesamtmarkt von 28,5 Billionen anpeilen zu wollen. Betonung auf irgendwann. Was können Anleger damit anfangen?
Zehn Jahre sind ein Zeithorizont, den Investoren eventuell noch einschätzen können. Alles Weitere ist spekulativ. Grundsätzlich müssen sich Anleger aber fragen: Aus welchem Grund kaufe ich die Aktie? Kaufe ich sie als spekulatives Investment für ein paar Wochen? Dann ist es eine kurzfristige Spekulation, mit der man etwas anfangen kann. Die Aktie langfristig ins Portfolio aufzunehmen, ist momentan aber noch schwer abschätzbar. Mit Tesla ist es Musk gelungen, dass das Unternehmen seit Börsengang vor 16 Jahren deutlich in seine Billionenbewertungen hineingewachsen ist. Aber auch hier war für Anleger in den letzten fünf Jahren im Vergleich zu den Aktien der anderen Billionenunternehmen wenig zu holen. Dazu kommt SpaceX im Vergleich zu anderen Tech-IPOs zum Mondpreis.
Ist Musk ein Klumpenrisiko oder genialer Unternehmer?
Sowohl als auch: Elon Musk ist ein Klumpenrisiko, weil die Investitionen in seine Unternehmen nur so hoch sind seinetwegen. Sein Ausfall ist das größte Risiko. Wir haben das bei Berkshire Hathaway und dem Ausscheiden von Warren Buffett gesehen, dass das selbst nach jahrzehntelanger Vorbereitung ein Risiko sein kann. Und die Bewertungen von SpaceX und Tesla hängen noch viel stärker von Musk ab als die von Berkshire Hathaway von Buffett. Anleger, die SpaceX offensiv kaufen, müssen wissen, dass sie long Tech, long KI und obendrein long Elon sind.