Wirtschaft

Auftritt vor Audi-Aufsehern Stadler übersteht Scherbengericht

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Sorgenvolle Blicke: Rupert Stadler (rechts) und Matthias Müller.

(Foto: dpa)

Das "Verhör" des Audi-Aufsichtsrats ist für Rupert Stadler ein unangenehmer Termin. Wegen gefälschter Abgaswerte muss der Vorstandschef Rede und Antwort stehen. Der als Piëch-Zögling geltenden Stadler behält aber seinen Posten.

Der langjährige Audi-Chef Rupert Stadler bleibt trotz des VW-Abgasskandals an der Spitze der wichtigen Ingolstädter Konzerntochter. Die Aufsichtsräte beriefen einen neuen Entwicklungsvorstand für Audi, ließen Firmenchef Stadler aber ungeschoren.

Der Spitzenmanager musste den Aufsehern zuvor wegen der Affäre um manipulierte Motorensteuerungen und massenhaft gefälschte Abgaswerte Rede und Antwort stehen. Das Unternehmen verkündete nach der Sitzung außerdem die Berufung des neuen VW-Chefs Matthias Müller zum Audi-Aufsichtsratschef.

Vor knapp zwei Wochen hatte Audi einräumen müssen, eine nach US-Recht illegale Software bei 3-Liter-Dieselmotoren eingebaut zu haben. Zuvor war man im Konzern davon ausgegangen, dass die Technik gesetzeskonform ist. Seit dem Eingeständnis steht Stadler im Fadenkreuz der Kritik.

Stadler gilt als Zögling des früheren VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch. Der Kaufmann aus Oberbayern leitete zu Beginn seiner Karriere dessen Büro, bevor er Finanzchef bei Audi wurde und letztlich in Ingolstadt an die Firmenspitze aufstieg.

Prominentestes Opfer der Abgasaffäre an der Donau bleibt damit Ulrich Hackenberg. Der bisherige Entwicklungschef war bereits kaltgestellt, nun wird er endgültig durch Stefan Knirsch ersetzt, der bisher Leiter der Aggregate-Entwicklung war. Der 49-Jährige tritt seinen neuen Posten zum Jahreswechsel an.

Betriebsrat: Aufklärung geht voran

Die Arbeitnehmervertreter lobten den Umgang der Audi-Spitze mit der Abgasaffäre. "Die Aufklärung geht voran", erklärte der stellvertretende Aufsichtsratschef, der frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber. "Das ist ein notwendiges und gutes Zeichen."

Betriebsratschef Peter Mosch stärkte Stadler den Rücken. "Die bisher getroffenen Maßnahmen des Vorstands zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagte er. "Zudem müssen jetzt weiter Konsequenzen gezogen werden, damit so etwas nicht mehr passiert." Der neue Entwicklungschef Knirsch müsse Stadler bei der weiteren Aufklärung unterstützen.

Müller tritt seinen neuen Posten als Audi-Oberaufseher mit sofortiger Wirkung an, Huber bleibt sein Vize. Müllers Vorgänger als Audi-Aufsichtsratsvorsitzender, der frühere VW-Chef Martin Winterkorn, war wegen des Abgasskandals von seinen Ämtern zurückgetreten. Auch Piëch und seine Frau Ursula hatten sich nach dem Machtkampf bei Volkswagen aus dem Kontrollgremium zurückgezogen.

Quelle: ntv.de, wne/rts