Wirtschaft

Markt nach wie vor schwach Starke Absatzzahlen der Autobranche trügen

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Aus den gestiegenen Neuzulassungs-Zahlen sticht vor allem Porsche hervor.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Zahlen im September neu zugelassener Pkw lassen Grund zum Jubel in der deutschen Auto-Industrie vermuten. Doch Experten treten angesichts des vermeintlich kräftigen Wachstums auf die Euphorie-Bremse: "Siegesmeldungen" seien derzeit nicht angebracht.

Der Pkw-Absatz in Deutschland ist im September um mehr als ein Fünftel und damit ungewöhnlich kräftig gestiegen. Im vergangenen Monat seien mit knapp 245.000 Neuwagen 22,2 Prozent mehr Fahrzeuge auf die Straßen gekommen als vor Jahresfrist, teilte das Kraftfahrt-Bundesamt mit. Branchenvertreter sehen dies als Ausreißer und dämpfen Erwartungen an weiteres Wachstum. Denn Gründe waren nicht etwa eine größere Kauflust der Verbraucher oder mehr Bestellungen von Flottenunternehmen, sondern ein besonders niedriger Absatz vor einem Jahr.

Im September 2018 waren die Pkw-Neuanmeldungen um 30 Prozent eingebrochen, weil große Hersteller wie Volkswagen nach der Umstellung auf die neuen WLTP-Abgasregeln noch nicht ausreichend Fahrzeuge mit dem neuen Prüfsiegel im Angebot hatten. "Nach dem niedrigen Vorjahresmonat, der von der WLTP-Umstellung beeinträchtigt wurde, war ein hohes Wachstum zu erwarten", erklärte der Importeursverband VDIK. Im Zehnjahres-Vergleich stelle der abgelaufene Monat gleichwohl lediglich das zweitniedrigste Septemberergebnis dar.

So nahmen zum August die Zulassungen demnach um 22 Prozent ab. Mit insgesamt über 2,7 Millionen seien von Januar bis September trotzdem 2,5 Prozent mehr Pkw zugelassen worden als im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr bleibt der VDIK optimistisch: "Der deutsche Pkw-Markt wird 2019 über Vorjahresniveau bleiben", erklärte Verbandschef Reinhard Zirpel.

"Siegesmeldungen nicht angebracht"

Der Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer ist skeptischer. Seiner Meinung nach ist der Automarkt nach wie vor schwach. Man solle nicht auf den einzelnen Monat schauen, sondern auf den Jahresverlauf, riet er. Die Aussichten seien wegen der konjunkturellen Schwierigkeiten nach wie vor unsicher: "Siegesmeldungen sind nicht angebracht."

Zu den Gewinnern gehörten im September vor allem Hersteller, die vor einem Jahr noch mit Problemen mit der WLTP-Umstellung zu kämpfen hatten. Dank der niedrigen Vergleichswerte des Vorjahresmonats fiel bei ihnen der Zuwachs besonders hoch aus. So konnte etwa die Marke VW ihre Zulassungen fast verdoppeln. Audi legte sogar um 150 Prozent zu, Porsche Modelle verzeichneten einen Absatzzuwachs von über 430 Prozent gegenüber September 2018. Im Vergleich der Zulassungen von Januar bis September mit dem Vorjahr verloren die Volkswagen-Marken aber leicht.

Mercedes steigerte sich um 20 Prozent vergleichsweise moderat. Dagegen schrumpfte der Absatz von Peugeot um rund 27 Prozent. Die französische Opel-Mutter hatte vor einem Jahr deutlich weniger Schwierigkeiten als andere, ihre Modelle auf die neue Zertifizierung umzustellen. Auch BMW verkaufte weniger (minus 18,9 Prozent).

Elektro-Absatz mehr als verdoppelt

"Mit 21,6 Prozent waren die meisten Neuwagen der Kompaktklasse zuzuordnen", teilte das KBA mit, gefolgt von SUV-Modellen (21 Prozent) und Kleinwagen (14,1 Prozent). Die gewerblichen Zulassungen erreichten einen Anteil von 65,6 Prozent und stiegen mit 16,0 Prozent mehr als doppelt so stark wie die privaten mit 6,8 Prozent.

Der Diesel stabilisierte sich weiter, lag mit einem Anteil von 29,6 Prozent aber immer noch deutlich unter den Werten vor der Diskussion über Fahrverbote. Knapp 60 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge hatten einen Benzinmotor. Kräftig stieg erneut die Nachfrage nach Elektroautos, deren Absatz um 150 Prozent kletterte. "Pkw mit alternativen Antriebsarten zeigten zwei- bis dreistellige Zuwachsraten". Zusammen machten Hybrid-, Elektro- und Gasfahrzeuge aber immer noch nur gut zehn Prozent aller Neuzulassungen aus. Dabei entfielen 2,4 Prozent auf Elektroautos, bei Hybridautos war der Anteil mit fast acht Prozent deutlich höher.

Im vergangenen Monat liefen nach Daten des deutschen Verbandes der Automobilindustrie 415.500 Neuwagen von den Produktionsbändern der Hersteller, plus vier Prozent. 320.800 Wagen wurden in andere Länder exportiert, zwei Prozent mehr.

Quelle: n-tv.de, mra/rts/AFP/dj

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