Wirtschaft

Neues Konzept für die IAA Statt Auspuffgasen der Duft der Zukunft

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Bayerns Ministerpräsident Söder hatte sich dafür eingesetzt, die IAA nach München zu holen. Mit der PS-Show aus Frankfurter Zeiten soll sie nicht mehr viel zu tun haben.

(Foto: dpa)

Frankfurt war mal - die Internationale Automobilausstellung wird im kommenden Jahr erstmals in München über die Messe-Bühne gehen. Heute wurde das Konzept dafür vorgestellt - und das soll völlig anders aussehen als bislang. Statt PS werden Zukunfts- und Mobilitätskonzepte gezeigt.

Um gleich mal im Branchenjargon zu bleiben: Das neue Modell ist fertig konstruiert, und es darf nicht nach Auspuffgas riechen. Die IAA soll künftig vielmehr duften, nach Innovation, Umweltschutz und smarter Mobilität. Die Internationale Automobilausstellung, das wichtigste Marketing-Event der deutschen Autobauer, hat Frankfurt hinter sich gelassen und zieht nach München um. Neustart 2021, und den nutzt man für eine Rundum-Renovierung, die VDA-Chefin Hildegard Müller heute gemeinsam mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und dem Münchner SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter vorstellte.

Der neue Glaubenssatz der IAA: Ein großer Parkplatz für Neuheiten und Visionen der Autobranche zu sein, reicht nicht mehr. Künftig will man zum Impulsgeber für Lösungen zur Mobilität der Zukunft werden, ein Motor auch für den Klimaschutz. Denn, so die neue Chefin des Verbands der Automobilindustrie: "Das ist das zentrale Thema, das Thema der Stunde".

Es bleibt also nicht viel übrig von der PS-Show, wie sie jahrzehntelang in Frankfurt zu beobachten war, bis man sich zögerlich dem Neuen zu öffnen begann. Das neue Konzept macht die IAA auch zu einer Mitmachmesse für die Bürger. Vermutlich eine Reaktion auf die massiven Proteste von Autogegnern bei der letzten IAA 2019. Die würde man beim Neuanfang im Süden gerne vermeiden.

Ins Stadtzentrum soll die IAA für alle kommen

Dort jongliert die Autobranche drei Elemente: Die eigentliche Motorshow ist der "Summit", das Diskussions- und Präsentationsforum für die Großen der Autobranche. Aber auch hier neuer Wind: Riesen-Displays wird es nicht mehr geben - die Hersteller sollen sich darauf konzentrieren, Zukunftstechnologien und Lösungen zu präsentieren. Dies in verminderter Zeit - die bisherigen 13 Tage hat man auf 6 zusammengestrichen, vom 7. bis zum 12. September 2021.

Der Kontrapunkt nennt sich "Open Space" - eine IAA für alle im Zentrum Münchens. Den schönsten Plätzen der Landeshauptstadt wird der Dialog verordnet: Hier Kunst und Kultur, dort Startups und Zukunftsvisionen - der Bürger soll beispielsweise auf dem Marienplatz sehen, was ihm die Innovation bringt und dabei auch mitreden können, frei zugänglich, ohne Eintrittspreis.

Verbinden soll beides die sogenannte "Blue Lane": Ein Tangente zwischen Messe und Zentrum, auf der neue Mobilitätsformen und Antriebstechnologien - allesamt emissionsfrei - zu sehen sein werden. Es geht nicht um eine VIP-Lane für Autobosse, beteuern die Messeverantwortlichen.

"Festival der Ingenieurskunst und Denkfabrik"

Man hat sich also einiges vorgenommen - und konnte auch gar nicht anders, wie der Münchner SPD-Bürgermeister Reiter findet: Wenn sich eine reine Autoshow jetzt zu einer Mobilitätsplattform wandle, sei das "der einzig richtige Weg in die Zukunft" sagte er.

Da stimmte auch CSU-Mann Söder zu, der eine Menge Lobby-Arbeit geleistet hatte, damit München den Zuschlag bekam. Für Söder passt der Ansatz in eines seiner Kern-Anliegen: Bayern zum deutschen Mekka für Innovation und Digitalisierung zu machen. Milliarden steckt die Staatsregierung trotz Corona in den nächsten Jahren in dieses Unterfangen.

Das funktioniert natürlich nur, wenn auf diesem Weg die deutschen Autobauer nicht in die Krise rutschen auf ihrem Weg in eine emissionsarme oder gar -freie Zukunft. Ohne das Auto, so mahnte Söder, würde es "in absehbarer Zeit keinen vergleichbaren Wohlstand in Deutschland" geben können. Die neue IAA solle Festival der Ingenieurskunst und Denkfabrik zugleich sein, dann werde das Auto Zukunft haben, "mehr als heute so mancher glaubt".

Dass Stolperschwellen im Weg liegen, ist klar. Werden die Münchner wirklich mit Begeisterung die Blue Lanes bestaunen? Die nämlich drohen beispielsweise die Prinzregentenstraße, eine der wichtigsten Ausfallrouten, eine Woche lang zu blockieren. Und vor allem: Welche Rolle spielt das Covid-19-Virus dann noch? Immerhin wurde der Genfer Autosalon 2021 bereits abgesagt. In München setzt man auf Zeit - man hat ein paar Monate mehr Vorlauf - und auch hier auf Innovation. Es werde für die neue IAA das bislang modernste Gesundheitsschutzkonzept geben, versprach VDA-Chefin Müller.

Quelle: ntv.de