Wirtschaft

Dekade der Unsicherheit Studie: Brexit wird ein Fest für Anwälte

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Wenn der Brexit-Pulverdampf verzogen ist, machen sich einer Studie zufolge Heere von Anwälten un Beratern auf den Weg.

(Foto: imago/i Images)

Was geschieht mit britischen Banken bei einem Austritt aus der Eurozone? Wirtschaftsprüfern zufolge schlägt dann die Stunde der Anwälte und Berater. Der Finanzbranche der Insel droht ein Jahrzehnt der Sorgen. Grund für die EZB, genauer hinzusehen.

Ein Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union könnte einer Studie zufolge die Finanzfirmen des Landes in den kommenden zehn Jahren umgerechnet etwa 21,5 Milliarden Euro kosten. Es werde eine Dekade der Unsicherheit geben, schrieben die Experten der Regulierungs-Beratungsfirma JWG in einer veröffentlichten Untersuchung. Sorgen bereitet ein möglicher Austritt auch der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie wies einige Banken der Eurozone an, Notfallpläne zu auszuarbeiten.

Laut der JWG-Studie müssten sich die britischen Finanzfirmen auf neue Vorschriften einstellen. Zugleich seien sie daran interessiert, ihre Geschäfte weiter wie gehabt zu betreiben. "Die ultimativen Gewinner werden die Berater, Anwälte und Technologieexperten sein", hieß es.

Die Briten stimmen im Juni in einem Referendum über die Zukunft ihres Landes in Europa ab. Die großen Unternehmen des Landes stellen sich auf einen Kursverfall des Pfund um mehr als zehn Prozent ein, sollte Großbritannien die EU verlassen. Vier Fünftel dieser Firmen hätten bereits entsprechende Absicherungsgeschäfte abgeschlossen, ergab eine Umfrage der Banken-Experten von East&Partners. Kleine und mittelgroße Unternehmen hätten geringere Bedenken. Seit Anfang Dezember hat das Pfund etwa zehn Prozent an Wert verloren.

EZB klopft Risiken ab

Derweil erklärte die EZB, die Bankenaufsicht sei in Kontakt mit den relevanten Geldhäusern. Es solle sichergestellt werden, dass die Banken die Risiken angemessen einstuften und für alle möglichen Ergebnisse gewappnet seien. Mehreren Insidern zufolge hat die Aufsicht Institute mit umfangreichen Aktivitäten in Großbritannien entsprechende Briefe geschickt.

Die EZB ist seit Herbst 2014 für die direkte Aufsicht über die größten Banken der Eurozone zuständig. Inzwischen überwacht sie 129 Institute, von denen viele Niederlassungen in der britischen Hauptstadt betreiben. Die Londoner City zählt zu den größten internationalen Finanzplätzen - etwa im Devisenhandel. Zudem ist die Stadt einer der wichtigsten Standorte für Investmentbanken. Großbritannien ist nach Deutschland die zweitgrößte Volkswirtschaft in der EU.

Laut einem Insider aus einer großen deutschen Bank will die EZB unter anderem wissen, wie stark das Engagement des Instituts in Großbritannien im Kredit-, Anleihen- und Aktiengeschäft ist. "Sie haben auch danach gefragt, wie ein Brexit unser Geschäftsmodell beeinflussen könnte", sagte die Person. Für seine Bank seien aber die mögliche Folgen gering. Zwar sei sichergestellt worden, dass die Handelsabteilung mit eventuellen Ausschlägen an den Märkten am 24. Juni zurecht komme. Darüber hinaus seien aber bislang keine besonderen Schritte eingeleitet worden.

Nach Angaben von Personen aus anderen deutschen Instituten, die mit den Vorbereitungen auf einen möglichen Brexit betraut sind, ging es in Gesprächen mit den EZB-Bankenwächtern auch um Import-Export-Finanzierungen. Auch über Kredite an britische Unternehmen oder an deutsche Firmen mit hohen Geschäftsanteilen in Großbritannien sei gesprochen worden.

Einer neuen Umfrage zufolge nimmt unter britischen Unternehmern mittlerweile die Zustimmung für einen EU-Austritt des Landes zu. Nach Angaben der Britischen Handelskammer sind inzwischen 37 Prozent ihrer Mitglieder für einen Ausstieg. In der vorangegangenen Umfrage waren es lediglich 30 Prozent. Die Zahl der Befürworter eines Verbleibs sei auf 54 von zuvor 60 Prozent gesunken. Die Umfrage fand Anfang April statt.

Quelle: ntv.de, jwu/rts