Wirtschaft

Schlusslicht beim Wachstum Südliche Euroländer hängen Deutschland ab

92000548.jpg

Die Regierungs- und Staatschefs von Italien, Spanien, Frankreich und Deutschland (v.l.): Paolo Gentiloni, Mariano Rajoy, Emmanuel Macron und Angela Merkel.

(Foto: picture alliance / Kay Nietfeld/)

Wirtschaftlich gesehen ist Deutschland die unangefochtene Nummer eins in Europa. Doch im neuen Einkaufsmanagerindex ändert sich das Bild: Zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren liegen Frankreich, Italien und Spanien vor der deutschen Privatwirtschaft.

Das hat es seit 2005 nicht mehr gegeben: Die Geschäfte der Privatwirtschaft in Deutschland sind im Juli langsamer gewachsen als die der anderen großen Euro-Länder Frankreich, Italien und Spanien. Der deutsche Einkaufsmanagerindex - der Industrie und Dienstleister zusammenfasst - fiel um 1,7 auf 54,7 Zähler. Das ist der niedrigste Wert seit zehn Monaten, wie aus der Firmenumfrage des Instituts IHS Markit hervorgeht. Sowohl in Frankreich (55,6) als auch in Italien (56,2) und in Spanien (56,7) liegt das Barometer höher.

"Die Abkühlung in Deutschland sorgte dafür, dass das Land erstmals seit über zwölf Jahren wieder Schlusslicht unter den vier größten Volkswirtschaften der Eurozone ist", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Grund zur Sorge um Europas Nummer eins sieht er aber nicht, liege der Wert doch immer noch deutlich über der Marke von 50 Zählern, ab der er Wachstum signalisiert.

Auf dem aktuellen Niveau signalisiert der Index demzufolge eine Zunahme des Bruttoinlandsproduktes von 0,4 bis 0,5 Prozent im dritten Quartal. Das wäre etwas weniger als in der ersten Jahreshälfte mit rund 0,6 Prozent.

Aktivität in der Eurozone lässt nach

"Der grundsätzliche Tenor heißt: solides Wachstum", sagte der Deutschland-Experte von Markit, Trevor Balchin. "Die Abschwächung folgt auf das stärkste Quartal seit sechs Jahren, und vor allem die Industrie wächst weiter in rekordverdächtigem Tempo."

Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Eurozone fiel im Juli um 0,6 auf 55,7 Punkte. Das ist der niedrigste Wert seit einem halben Jahr. "Trotz der leichten Abkühlung steht die Eurozone nach wie vor ausgesprochen gut da", sagte Markit-Chefvolkswirt Williamson. So legten die Aufträge zu, weshalb die Unternehmen viele Mitarbeiter einstellten. Die Daten signalisierten, dass das Bruttoinlandsprodukt in den Sommermonaten wie schon im zweiten Quartal um 0,6 Prozent wachsen könne.

Quelle: n-tv.de, chr/rts

Mehr zum Thema