Wirtschaft

Von 15 bis 39 Euro TUI erhebt künftig Beratungsgebühren

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(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Wer künftig in einem TUI-Reisebüro seinen Urlaub bucht oder sich beraten lässt, muss dafür extra zahlen. Geplant sind mehrere Tarifmodelle. Der Konzern erhofft sich, damit einen Marktstandard zu setzen. Von den Einnahmen sollen auch die Beschäftigten profitieren.

Beratung und erweiterte Dienstleistungen werden in den Reisebüros von TUI demnächst kostenpflichtig. Geplant ist ein sogenanntes Service-Entgelt, das Kunden etwa für die Zusammenstellung von detaillierten Angeboten, Leistungsvergleichen oder weiterführenden Informationen zu Urlaubszielen und Einreisebestimmungen zahlen. Damit wolle man einerseits ein Signal dafür setzen, dass umfangreiche Beratung ihren Preis habe, hieß es aus Firmenkreisen. Zum anderen solle das Konzept solche Kunden locken, die weiterhin Wert auf eine persönlich betreute Vorbereitung und Absicherung ihrer Reise legen.

"In anderen Dienstleistungsbranchen ist es mittlerweile etabliert, dass guter Service honoriert wird", sagte Hubert Kluske, Vertriebs- und Marketinggeschäftsführer der TUI Deutschland. Servicepauschalen sollten "Marktstandard" werden. Die Strategie entsprechender Zusatzgebühren sei freilich nicht ohne Risiko, sagte ein Betriebsrat. "Aber die Zeit dafür ist reif, und wir müssen das jetzt einmal ausprobieren." So soll auch ein Teil des Aufwands aufgefangen werden, wenn manche Kunden sich ausgiebig in der Filiale informieren. Es handle sich nicht um eine Art "Eintrittsgeld" - eine gewisse Grundinformation bleibe nach wie vor gebührenfrei.

Hinweis künftig auch bei Online-Buchungen

Nach Angaben des Unternehmens entstehen die Kosten erst bei erfolgter Buchung. Vorgesehen sind ein Basistarif für 15 beziehungsweise 29 Euro - je nach Gesamtreisepreis -, für den man etwa die Ausarbeitung eines genauen Angebots oder ein "individuelles Reisekonzept" bekommt. Für 25 beziehungsweise 39 Euro sind zudem "Unterstützung bei speziellen Anliegen" oder Reservierungen für Aktivitäten im Hotel enthalten.

Das Preismodell war schon länger in der Diskussion. Andere Anbieter sowie viele Reisebüros in Österreich und der Schweiz machten es bereits so, hieß es aus der Mitarbeitervertretung. Ziel sei es auch, die Vertriebskanäle zwischen stationärem und Online-Geschäft enger zu verzahnen. Bei TUI-Buchungen im Netz werde ab einem bestimmten Punkt künftig ein ähnlicher Verweis auf vertiefende Dienste kommen.

Die Beschäftigten sollen von dem Gebührensystem ebenso profitieren. Ein Teil der Provisionen für Buchungsabschlüsse fließt demnach in eine Team-Kasse für alle Kollegen des Büros. Zudem soll es Schulungen zum neuen Beratungskonzept geben.

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Ferner verweist der Konzern auf den Konkurrenten DER Touristik, der in seinen DER-Reisebüros bereits seit Ende 2020 eine Gebühr eingeführt habe. TUI Franchisepartner werden bei der Einführung von Gebühren unterstützt. Die Inhaber entscheiden demnach aber selbst darüber, ob, wann und wie sie dies umsetzen wollen.

TUI leidet wie die Lufthansa und andere Unternehmen aus Tourismus und Luftfahrt extrem unter der Virus-Pandemie mit den globalen Reiseeinschränkungen. Beide Konzerne mussten mit milliardenschweren Staatshilfen vor dem Aus gerettet werden. Wegen der in vielen Ländern nur langsam anziehenden Impfkampagne und der dritten Corona-Welle fürchtet die Branche um ihr lukratives Sommer-Geschäft, das bereits 2020 weitgehend ausgefallen war.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/rts

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