Wirtschaft

Stahlarbeiter protestieren IG Metall schmettert Tarif-Angebot ab

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Alleine 16.000 Menschen protestierten in Duisburg.

(Foto: imago/Reichwein)

In der Metall- und Elektroindustrie sieht es immer mehr nach Warnstreiks aus. Das Angebot der Arbeitgeber ist für die Gewerkschaft nur eine "Provokation". Derweil gehen über 40.000 Stahlarbeiter aus Angst um ihre Jobs auf die Straße.

In der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie haben die Arbeitgeber der Gewerkschaft IG Metall ein erstes Angebot unterbreitet. Die Arbeitgeberseite sei bereit, insgesamt 1,2 Prozent mehr Lohn zu zahlen, teilte der Arbeitgeberverband Gesamtmetall mit. Das bei den Tarifverhandlungen in Nordrhein-Westfalen vorgelegte Angebot setze sich aus einer Erhöhung der Entgelte um 0,9 Prozent und einer Einmalzahlung zusammen.

Thyssenkrupp
Thyssenkrupp 4,48

"Natürlich liegt das Angebot deutlich unter dem, was die IG Metall gefordert hat, und vielleicht auch unter dem, was sich viele Mitarbeiter wünschen würden", erklärte Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger. Die Differenz liege aber nicht an den Arbeitgebern, sondern daran, dass die IG Metall ihre Forderung nicht an der "wirtschaftlichen Realität" orientiert habe.

"Bar jeglicher gesamtwirtschaftlicher Vernunft"

Die IG Metall, die in der Tarifrunde fünf Prozent mehr Lohn fordert, bezeichnete das Angebot als "bar jeglicher gesamtwirtschaftlicher Vernunft". "Das ist kein Angebot, das ist eine Provokation für die gesamte IG Metall", erklärte Knut Giesler, Bezirksleiter der Gewerkschaft in Nordrhein-Westfalen. Die Gewerkschaft unterbrach die Verhandlungen vorübergehend.

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Die Stahlarbeiter fordern mehr Lohn.

(Foto: REUTERS)

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) stellte sich dagegen hinter das Angebot der Arbeitgeber: Die von der IG Metall geforderten fünf Prozent bezeichnete VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann als "weit oberhalb dessen, was die Konjunktur hergibt", hieß es.

In der Metall- und Elektroindustrie liefen die Tarifverträge am 31. März aus, die Friedenspflicht endet in der Nacht zum 29. April. Danach kann die IG Metall ihre Mitglieder zu Warnstreiks aufrufen. Nordrhein-Westfalen gehört neben Bayern und Baden-Württemberg zu den größten Tarifbezirken der IG Metall. Pilotabschlüsse, die in einem der Bezirke erzielt werden, sind oft auch wegweisend für die anderen Bezirke.

Massenprotest der Stahlkocher

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Wirtschaftsminister Gabriel und IG Metall-Chef Jörg Hofmann.

(Foto: REUTERS)

Derweil gingen bundesweit mehr als 40.000 Stahlarbeiter für ihre Jobs und das Überleben ihrer Branche auf die Straße. "Geht der europäische Stahl den Bach runter, dann sind Millionen von Arbeitsplätzen in Europa in Gefahr", sagte IG Metall-Chef Jörg Hofmann vor rund 16.000 Demonstranten bei einer Kundgebung vor den Toren des größten deutschen Stahlkonzerns ThyssenKrupp in Duisburg. Die Teilnehmer forderten von der EU einen besseren Schutz vor Billigimporten aus China und warnten vor weiteren Belastungen durch neue Klima- und Energieauflagen.

Kundgebungen fanden auch in Berlin und anderen Bundesländern statt. Allein im Saarland gingen rund 20.000 Menschen auf die Straße. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte bei einer Kundgebung in Dillingen, dass die Branche für ihr Bundesland "geradezu lebenswichtig" sei.

Gabriel verspricht Unterstützung

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel kündigte in Duisburg an, in der Klimapolitik keinem Plan zuzustimmen, der die Zukunft der deutschen Stahlerzeugung gefährde. "Die Industrie ist ein Teil der Lösung und nicht das Problem. Nur mit einer modernen Industrie in Deutschland und Europa ist eine gute Klimapolitik möglich", sagte Gabriel.

Die Umweltorganisation Germanwatch hingegen beschuldigte die Stahlbranche, sie male "abwegige Horrorszenarien an die Wand". Zwar lasse sich diskutieren, ob die Branche in der EU vor Billigimporten geschützt werden müsse, erklärte Verbandschef Klaus Milke. "Aber es ist ganz schlechter Stil, dafür die überfällige Reform des Emissionshandels zu diskreditieren." Die Stahlindustrie wolle sich hier "mit Panikmache noch mehr Klimarabatte" sichern.

Quelle: ntv.de, hul/dpa/AFP/rts