Wirtschaft

Chip-Krise legt Autowelt lahm Tesla stoppt Produktion in US-Werk

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Auch Tesla kämpft mit allen Mitteln gegen die Chip-Knappheit an.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Engpässe bei Halbleitern werden für die Autobauer weltweit zu einem ernsten Problem. Viele mussten ihre Produktion bereits drosseln und Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Nun hat es offenbar auch Tesla erwischt. Experten warnen: Eine baldige Entspannung sei nicht in Sicht.

Autobauer weltweit sehen den globalen Engpass bei Halbleitern mit wachsender Sorge. Bei vielen hat der Lieferengpass bereits spürbare Auswirkungen: Diese Woche meldete auch Tesla Schwierigkeiten. Die Produktion in Kalifornien musste wegen fehlender Bauteile für zwei Tage gestoppt werden. Am Mittwoch sei die Fertigung im Werk Fremont wieder angelaufen, twitterte CEO Elon Musk am Donnerstag.

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Einen Grund für die Unterbrechung nannte er zwar nicht. Aber Teslas Finanzvorstand Zachary Kirkhorn hatte bereits vergangenen Monat erklärt, dass man mit allen Mitteln gegen die Chip-Knappheit ankämpfe. Vorübergehend könne es aber dennoch zu Schwierigkeiten kommen.

Das Problem besteht seit Wochen und betrifft aktuell die gesamte Autoindustrie. Auch bei Volkswagen, Daimler, General Motors und Ford hat sich die Lage bereits so zugespitzt, dass Teile der Produktion heruntergefahren werden mussten. Audi kündigte vor zwei Tagen eine Vollbremsung für das Werk in Ingolstadt an - es ist bereits die zweite. Für den Monat März stehen damit wieder Kurzarbeit und ein Produktionsstopp auf dem Programm.

Die Autobauer fahren auf Sicht

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Und Ford teilte am Vortag mit, die Kurzarbeit im Konzern ausweiten zu wollen. Ein Unternehmenssprecher sagte der Branchenzeitung "Automobilwoche", dass es wegen der schwierigen Chipversorgung im Kölner Fiesta-Werk im März zu drei weiteren Kurzarbeitertagen kommen werde, in Craiova in Rumänien würden acht zusätzliche Tage mit Kurzarbeit eingeführt und in Valencia in Spanien sogar 14 Extra-Tage. Wie viele Fahrzeuge durch den Chipmangel weniger gefertigt werden können, ließ Ford offen. "Die generelle Liefersituation und davon abhängig die Produktionsplanung bleiben angespannt", sagte der Sprecher.

Schuld an den weltweiten Engpässen bei Halbleitern ist die Corona-Pandemie. Mit dem ersten Lockdown in vielen Ländern weltweit brach die Auto-Nachfrage im Frühjahr drastisch ein. Daraufhin strichen auch die Chiphersteller ihre Produktionspläne zusammen. Als im Sommer dann die Nachfrage nach Neufahrzeugen weltweit unerwartet kräftig anzog, wurden Chiphersteller wie Infineon oder NXP oder Auftragsfertiger wie TSMC von der Nachfrage überrannt.

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Ein schnelles Ende der Lieferengpässe zeichnet sich nicht ab: Die Marktexperten von IHS Markit warnen, dass sich der Chipengpass wohl bis in das dritte Quartal hinziehen wird. Fast 700.000 Fahrzeuge werden laut IHS bis Jahresende wegen des akuten Chipmangels nicht produziert. Infineon-Chef Reinhard Ploss bat Autohersteller und -zulieferer Anfang Februar um Geduld. "Es wird dauern, bis zusätzliche Kapazitäten zur Verfügung stehen", sagte Ploss bei der Vorlage der Quartalszahlen. "Viele unserer Kunden unterschätzen die Komplexität der Lieferkette." Infineon ist der größte Autochiphersteller der Welt.

Quelle: ntv.de, ddi/DJ/AFP

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