Wirtschaft

Neuer Ärger für Immobilienfonds Trotz Brexit bleibt Betongold attraktiv

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(Foto: REUTERS)

Das Brexit-Votum erschüttert den britischen Immobilienmarkt. Eine Handvoll offener Immobilienfonds hat den Handel ausgesetzt. Kein Grund zur Panik.

Schnell werden Erinnerungen an die Lehman-Pleite wach.In Folge der damaligen Finanzkrise machten offene Immobilienfonds reihenweise dicht, Anleger verloren Milliarden. Jetzt also schon wieder: Nach dem "Leave-Votum" der Briten haben ein halbes Dutzend offener Immobilienfonds den Handel ausgesetzt. Zu viele Anleger hatten versucht, noch schnell ihre Beteiligungen zu verkaufen. Insgesamt geht es um Immobilienportfolios in einem Wert von gut 20 Milliarden Euro.

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Stefan Eberhardt ist Leiter des Portfoliomanagements der Eberhardt & Cie. Vermögensverwaltung. Außerdem ist der Finanzexperte nebenberuflich als Dozent für Volkswirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg tätig.

Doch dieses Mal handelt es sich eindeutig um ein regionales Phänomen. Betroffen sind britische Immobilienfonds. Klar ist: In London und dem Rest Großbritanniens will nach dem Brexit-Entscheid kein Anleger Geld in Immobilien investieren. Die anderen Länder Europas sind davon allerdings in keiner Weise betroffen. Im Gegenteil: Die Immobilienpreise in Städten wie Paris oder Frankfurt am Main könnten von einem (Teil)-Umzug der Finanzindustrie von der Londoner City nach Kontinentaleuropa sogar spürbar profitieren. Das gilt sowohl für Wohn- als auch für Gewerbeimmobilien.

Die Vorteile offener Immobilienfonds haben damit nach wie vor Bestand. Zu nennen ist hier vor allem die kontinuierliche Wertentwicklung. Die jährliche Rendite liegt im Durchschnitt bei 2,2 bis 2,7 Prozent und wird regelmäßig ausgeschüttet. Angesichts von null Inflation und negativen Zinsen bei Bundesanleihen ist das deutlich besser, als es auf den ersten Blick scheint. Gute und etablierte Produkte haben übrigens auch nach den Tagen des Brexit-Entscheids nicht an Wert verloren.

Außer durch die ansehnlichen Renditen zeichnen sich offene Immobilienfonds durch ihre geringe Schwankungsbreite aus. Sie liefern also bessere Erträge als Anleihen und verfügen über weniger Risiken in Form von Volatilitäten als Aktien. Außerdem handelt es sich um echte Sachwertinvestitionen. Der Investor beteiligt sich an einem realen Portfolio, das meistens aus Gewerbeimmobilien wie Bürohäusern, Einkaufszentren, Logistikgebäuden oder Hotels besteht. Die Mieten sorgen für regelmäßige Erträge. Darüber hinaus besteht die Chance auf Wertsteigerungen.

Einfach und liquide

Der Vorteil gegenüber Direktinvestments in Immobilien besteht zum einen im Wegfall des Verwaltungsaufwands. Zum anderen sind offene Immobilienfonds deutlich liquider als beispielsweise Wohnungen oder Häuser. Zwar müssen die Anteile mindestens 24 Monate gehalten werden, bevor der Anleger sie an die Fondsgesellschaft zurückverkaufen kann. Außerdem muss die Rückgabe unwiderruflich ein Jahr vorher angekündigt werden.

Allerdings ist jederzeit ein Kauf und Verkauf über die Börse ohne die Einhaltung irgendwelcher Fristen möglich. Die Mindestanlage liegt meistens unter 1000 Euro. Die Kurse notieren an den Börsen in der Regel rund ein bis 1,5 Prozent niedriger als direkt bei der Fondsgesellschaft. Darüber hinaus entfallen hier die Ausgabeaufschläge.

Manche Fonds sind bereits für Neuanlagen geschlossen, da die Mittelzuflüsse zu hoch waren. Die Fondsgesellschaften konnten nicht schnell genug neue Immobilien erwerben. Offen ist beispielsweise noch der Hausinvest (WKN 980701). Der offene Immobilienfonds der Commerzbank ist in rund 100 überwiegend europäische Objekte investiert. Die Cashquote liegt bei mehr als 20 Prozent, wodurch sich etwaige Anteilsrückgaben problemlos finanzieren lassen.

Der Grundbesitz Europa (WKN 980700) investiert noch stärker als der Hausinvest in Deutschland. Außerdem ist der Fonds stark in Polen engagiert. Der Liquiditätsanteil liegt hier sogar bei gut 30 Prozent, was auch für starke Mittelzuflüsse spricht. Die Eberhardt & Cie. ist bei beiden Produkten für Kunden engagiert.

Überschaubare Risiken

Die beiden Fonds sind mit 26 Prozent (Hausinvest) bzw. 20 Prozent (Grundbesitz Europa) signifikant in Großbritannien engagiert. Die entsprechenden Risiken schätzen wir jedoch eher gering ein. Denn bislang ist es nach dem Brexit-Votum noch zu keinen Transaktionen mit Preisabschlägen gekommen. Außerdem sind die gehaltenen Immobilien tendenziell konservativ bewertet – die Fonds könnten somit gewisse Wertverluste verkraften. Und die Mietverträge sind i.d.R. langfristig und nur zu einem geringen Teil mit Firmen aus der Finanzbranche abgeschlossen. Gleichzeitig ist der Wechselkurs weitgehend abgesichert. Geringere Mieteinnahmen sind somit vorerst nicht zu befürchten.

Schließlich gehen wir mittel- bis langfristig nicht davon aus, dass die britische Wirtschaft derart in Mitleidenschaft gezogen wird, dass die Immobilienpreise nachhaltig und umfangreich leiden. Falls doch, könnten entsprechende Preisrückgänge günstige Kaufgelegenheiten eröffnen. Das ist insbesondere für Fonds mit ausreichend Cash interessant.

Bei einem ausgeglichenen Portfolio aus Aktien, Anleihen und Gold ist ein Anteil offener Immobilienfonds in Höhe von fünf bis 15 Prozent empfehlenswert. Das sorgt für regelmäßige Erträge und senkt die Risiken des Gesamtportfolios.

Disclaimer

Diese Publikation dient nur zu Informationszwecken und zur Nutzung durch den Empfänger. Sie stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung seitens oder im Auftrag der Eberhardt & Cie. Vermögensverwaltung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Investmentfonds dar. Die in der vorliegenden Publikation enthaltenen Informationen wurden aus Quellen zusammengetragen, die als zuverlässig gelten. Die Eberhardt & Cie. Vermögensverwaltung gibt jedoch keine Gewähr hinsichtlich deren Zuverlässigkeit und Vollständigkeit und lehnt jede Haftung für Verluste ab, die sich aus der Verwendung dieser Information ergeben. Eberhardt & Cie. Vermögensverwaltung

Quelle: ntv.de

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