Wirtschaft

Kaufzwang für US-Schuldpapiere?Trump läutet ein neues Zeitalter des Finanzimperialismus ein

06.09.2026, 15:02 Uhr image (2)Von Hannes Vogel
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Trump inszenierte sich bei der Parade zum 250. Jubiläum der USA im vergangenen Jahr als Militärführer. Wörtlich ist seine Drohung einer Militärintervention auf dem Finanzmarkt absurd - der Einsatz von Zwang gegen Gläubiger der USA im weiteren Sinne ist allerdings nicht mehr ausgeschlossen. (Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Der Schuldenberg der USA ist so gigantisch, dass es schwieriger wird, freiwillige Gläubiger zu finden. Donald Trump könnte daher versuchen, andere Länder zu zwingen, US-Staatsanleihen zu kaufen. Die Grundlagen für einen neuen US-Finanzimperialismus sind schon gelegt. 

Im Kampf mit seinem vielleicht mächtigstem Gegner, dem Finanzmarkt, hat Donald Trump kürzlich eine scheinbar verrückte Offensive angekündigt. Die Versuche seines Finanzministers Scott Bessent, die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen an den Börsen mit milliardenschweren Rückkäufen zu beeinflussen, seien nur "eine Art der Intervention", raunte Trump. Die "ultimative Intervention ist unser Militär. Und wenn wir es einsetzen müssen, werden wir es tun".

Denkt der US-Präsident etwa, er könne den Anleihemarkt bombardieren wie den Iran? Die Kräfte von Angebot und Nachfrage auf den weltumspannenden Finanzmärkten kann man nicht einfach mit militärischen Mitteln ausschalten. Die Forderungen der Marktteilnehmer lassen sich nicht wegbomben. Aber wie so oft wird in Trumps Äußerungen ein bedrohlicher Kern erkennbar, wenn man ihn nicht wörtlich nimmt, aber ernst nimmt, was er meint: Angesichts ihrer gigantischen Schuldenlast könnten die USA versucht sein, der Welt ihre Schulden mit mehr oder weniger sanftem Zwang aufzudrängen. 

In Finanzkreisen geht die Angst vor "finanzieller Repression" um. "Die Idee, US-Staatsanleihen widerwilligen Investoren mit Zwang, Regulierung oder anderen Mitteln in die Depots zu drücken, wird immer ernsthafter verfolgt", warnt die britische "Financial Times". Trump will das Geld von Amerikas Gläubigern dahin lenken, wo es ihm und den USA nützt, auch wenn sie es gar nicht dort investieren wollen. Zwang ist dabei anders als unter Trumps Vorgängern nicht mehr unvorstellbar. Trump höhlt die US-Demokratie nicht nur im Inneren aus, sondern agiert auch nach außen immer imperialer, verwandelt einstige Verbündete in Vasallen. Erste Anzeichen für einen neuen US-Finanzimperialismus gibt es bereits. 

Freifahrtschein zum Schuldenmachen 

Bisher investieren Europa, Japan und selbst China freiwillig Billionen von Dollar in US-Staatsanleihen. Investoren rund um den Globus tragen ihr Erspartes seit Jahrzehnten aus Gewohnheit nach Übersee. Die Märkte dort versprechen satte Renditen, und die US-Regierung gilt als verlässlicher Schuldner. Mit dem Dollar als globaler Leitwährung haben die USA eine Art Lizenz zum fast unbegrenzten Schuldenmachen: die Welt gibt Washington in seiner eigenen Währung seit mehr als einem halben Jahrhundert nahezu unendlichen Kredit. Doch diese Freifahrt endet nun offenbar. 

Der auch als "Anleihe-Bürgerwehr" berüchtigte Markt schlägt Alarm: Die Renditen für 30-jährige US-Staatsanleihen sind auf den höchsten Stand seit fast 20 Jahren geklettert. Das heißt die Geldgeber der USA verlangen deutlich höhere Zinsen, die gigantische Schuldenlast wird zu einem Problem für Trump: 40 Billionen Dollar groß ist der Schuldenberg der USA inzwischen. Die Schuldenquote liegt mit rund 126 Prozent der Wirtschaftsleistung so hoch wie auf dem Höhepunkt des Zweiten Weltkriegs. Washington leistet sich im Frieden eine Schuldenorgie, die schon Ex-Fed-Chef Jerome Powell "nicht länger tragfähig" genannt hat. 

Um ihr riesiges Defizit zu stopfen, bleiben den USA zwei konventionelle Wege: die Steuern erhöhen oder den Rotstift ansetzen. Donald Trumps autoritäre Wende in der US-Politik lässt eine dritte Option als möglich erscheinen: Amerikas Gläubiger zwingen, den Geldhahn weiter aufzudrehen. 

Andere dazu drängen, was Washington nicht tun will 

In Ansätzen setzt Finanzminister Bessent diese imperiale Finanzstrategie bereits um. Japan - mit fast 1,2 Billionen Dollar der größte Halter von US-Staatsanleihen - muss angesichts eines historischen Verfalls seiner Währung US-Schuldscheine verkaufen, um damit Yen zu kaufen und dessen Wert zu stabilisieren. Das treibt allerdings die Rendite der US-Anleihen weiter in die Höhe, ein Problem für Bessent, dessen Ministerium diese Devisenintervention zunächst unterstützte. Ultimativ forderte er, die japanische Notenbank solle "das Richtige tun" und die Zinsen erhöhen, auch wenn das die Haushaltslage der hoch verschuldeten japanischen Regierung verschärfen und sie zu drastischen Sparmaßnahmen nötigen würde. Trumps Finanzminister versucht, den Schuldendruck, der auf den USA lastet, aufs Ausland abzuwälzen - indem er Japan drängt, zu tun, was Washington selbst nicht tun will: Ausgaben kürzen und die Leitzinsen anheben. 

Diese Doppelmoral ist womöglich nur der Beginn einer Außenpolitik, die auf finanziellen Zwang setzt. Denkbar wäre, dass Banken künftig einen bestimmten Anteil ihres Kapitals in US-Staatsanleihen investieren müssen, wenn sie am US-Finanzmarkt Geschäfte machen wollen. Kapitalkontrollen könnten den Verkauf von US-Staatsanleihen verbieten. Die Größe ihrer Wirtschaft und des Finanzmarktes verleihen den USA Macht: "Sie kommen an den Finanzmärkten schlicht mit Dingen davon, die sich kein anderes Land leisten könnte", konstatiert die "FT". 

Neuordnung der Welt mit Mafia-Methoden 

Und auch offene Erpressung ist nicht ausgeschlossen. Deals beispielsweise, bei denen die USA ihren Gläubigern weiteren militärischen Schutz nur gewähren, wenn die im Gegenzug ihre Kreditlinien verlängern. "Die USA werden wirtschaftlichen und geopolitischen Druck einsetzen, um Kapital ins Land zu holen - auf zunehmend aggressive Weise", warnten Analysten der Beratungsfirma Independent Economics kürzlich. "Diese Kapitalkriege dürften deutlich folgenreicher sein als der jüngste Handelskrieg." 

Bislang ist das nicht passiert. Aber die Sorgen sind real, weil Trump die Idee von einer imperialen Neuordnung der Weltwirtschaft von Anfang an mitgedacht hat. Nicht nur mithilfe seiner aggressiven Zollpolitik. Schon 2025 hatte Bessent vielsagend von einer "großen wirtschaftlichen Neuordnung" der Welt geraunt, die bald anstehe. Bereits kurz vor Trumps Amtsantritt entwarf sein zwischenzeitlicher Chefökonom Stephen Miran eine "Anleitung zur Restrukturierung des globalen Handelssystems". 

Angelehnt ist diese Anleitung an das "Plaza-Abkommen" in den 80er Jahren, mit dem die damals führenden G5-Länder auf Wunsch der USA gezielt den Dollar schwächten und ihre eigenen Währungen aufwerteten. Allerdings mit zusätzlichen Druckmitteln. So sollen die Gläubiger der USA im Rahmen eines neuen "Mar-a-Lago"-Abkommens entweder eine "Nutzungsgebühr" dafür zahlen, dass sie ihre Geldreserven in US-Staatsanleihen parken dürfen, also die Zinsen senken. Oder sie sollen ihre restlichen Bestände gleich in hundertjährige Nullzins-Anleihen eintauschen - und den USA somit faktisch ein Jahrhundert lang zinsfrei Kredit geben. Widersetzen sich die Partner, zieht das Pentagon seine Truppen und Flugzeugträger ab. 

Das entspricht Trumps Vorstellung von der Durchsetzung politischer und wirtschaftlicher Interessen mit den Methoden eines Schutzgeld-Erpressers. Je schwieriger die Finanzierung der US-Schulden wird, desto mehr könnte er geneigt sein, sie in die Tat umzusetzen. 

Quelle: ntv.de

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