Folgen neuer US-SanktionenTrumps Wirtschaftskrieg gegen Teheran zeigt Wirkung

Die neuen Sanktionen der US-Regierung gegen den Iran werden dort spürbar: Lebensmittelpreise schießen in die Höhe, Benzinvorräte reichen einem Insider zufolge nur noch für zwei Monate. Die drohende Abwärtsspirale könnte dem Regime in Teheran letztlich zum Verhängnis werden.
Jahrzehntelang ist es dem Iran weitgehend gelungen, US-Sanktionen zu umgehen. Doch die jüngsten Strafmaßnahmen der Washingtoner Regierung machen es Insidern zufolge der Islamischen Republik immer schwerer, die angeschlagene Wirtschaft halbwegs auf Kurs zu halten. Parallel zu den wiederaufgeflammten Kämpfen am Golf droht dem Iran damit eine Abwärtsspirale, die immer mehr Menschen in Armut stürzen und letztlich - wie von den USA beabsichtigt - an der Macht der Teheraner Führung rütteln könnte. Drei mit den jüngsten Entwicklungen vertraute Vertreter des Iran führen die wachsenden Probleme im Kern darauf zurück, dass kaum noch Geld ins Land hinein- und kaum noch Rohöl aus dem Land herauskommt.
Nach mehr als sechs Monaten Krieg haben die USA den wirtschaftlichen Druck auf den Iran in den vergangenen Wochen erhöht, um Zugeständnisse für künftige Verhandlungen zu erzwingen. Besonders wichtig sind dabei die sogenannten Sekundärsanktionen, die auch für potenzielle Geschäftspartner des Iran gelten. Damit sollen Dollar-Transaktionen gestoppt werden, die für Ölverkäufe und den Import wichtiger Güter erforderlich sind.
Dies zeigt den Insidern zufolge Wirkung: Es blieben kaum noch Kanäle zur Beschaffung von Devisen oder Waren. Eine akute Bedrohung stelle vor allem dar, dass der Zugang zu internationalen Finanznetzen abgeschnitten sei. Zudem habe die US-Blockade der Ölexporte die Haupteinnahmequelle Teherans vollständig versiegen lassen. Gleichzeitig fehle es an Bargeld, um hohe Aufschläge für illegale Netzwerke wie Briefkastenfirmen, nicht registrierte Tanker und Schmuggel zu bezahlen. Einem der Insider zufolge reichen die Benzinvorräte des Landes für weitere zwei Monate. Wegen begrenzter Raffineriekapazitäten muss der Iran trotz eigener Ölproduktion Treibstoff importieren.
Auch mit den Vereinigten Arabischen Emiraten läuft es für den Iran nicht mehr wie früher. Grund ist hier nicht nur der Druck der USA. Vielmehr griff Iran die mit den USA verbündeten Emirate an, was bei den Scheichs erwartungsgemäß nicht gut ankam: Mitte August setzten sie den gesamten Handels- und Finanzaustausch mit Teheran bis auf Weiteres aus.
Die iranische Wirtschaft steckte bereits vor dem Krieg in einer tiefen Krise mit einer ohnehin schon hohen Inflation und der schwächelnden Landeswährung Rial. Monatelange Bombardierungen haben darüber hinaus noch enorme Kosten für den Wiederaufbau der beschädigten Industrie und Infrastruktur verursacht. In den vergangenen Tagen fiel der Rial auf ein Rekordtief. Die offizielle Inflationsrate liegt im Zwölf-Monats-Durchschnitt bei 69,9 Prozent. Die iranische Bevölkerung bekommt schmerzhaft zu spüren, dass die Preise für Lebensmittel, Getränke und Tabak fast doppelt so stark gestiegen sind.
Das durchschnittliche Monatsgehalt von umgerechnet rund 125 Dollar reicht bei Weitem nicht aus, um die nötigsten Haushaltsausgaben zu decken. Diese liegen offiziellen Daten zufolge bei etwa 450 Dollar im Monat. "Wir werden jeden Tag ärmer", sagte Mahnaz, eine 34-jährige Angestellte in der Privatwirtschaft in Teheran, die darum bat, ihren Nachnamen nicht zu nennen. Die iranische Führung ist sich der Gefahr bewusst, dass ein wirtschaftlicher Zusammenbruch die Bevölkerung gegen sich aufbringen könnte. Im Januar - noch vor Beginn des Kriegs - ließ sie Massenproteste niederschlagen. Tausende Demonstranten wurden getötet.