Wirtschaft

Längere Durststrecke erwartet Türkei kassiert Wirtschaftsprognosen

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Finanzminister erwartet frühestens 2020 wieder normales Wachstum.

REUTERS

Die Türkei steckt in einer Wirtschaftskrise. Das Wachstum stockt, die Währung verliert dramatisch an Wert. Anleger haben Zweifel am Kurs des Landes. Finanzminister Albayrak kann einmal mehr wenig Erhellendes liefern.

Vor seinem Deutschland-Besuch hat der türkische Finanzminister Berat Albayrak ein Wirtschaftsprogramm vorgestellt und darin ehrgeizige Ziele zur Bekämpfung der hohen Inflation gesetzt. Man wolle die Teuerung - die derzeit bei rund 18 Prozent liegt - bis 2021 schrittweise auf 6 Prozent senken, kündigte Albayrak an. "Wir werden die notwendigen Maßnahmen ergreifen um sicherzustellen, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten überwunden werden." Um welche es sich indes konkret handeln soll, sagte er nicht.

Türkische Lira / Euro
Türkische Lira / Euro ,17

Die türkische Lira hatte zuletzt auch im Verhältnis zu anderen Währungen stark an Wert verloren. Ein Programm gegen die Inflation werde bald vorgestellt. Wie aus der Präsentation Albayraks hervorging, senkte die Türkei zudem ihre Wachstumsziele für 2019. Während das Land für das laufende Jahr noch von einem Wirtschaftswachstum von 3,8 Prozent ausgeht, wird 2019 nur noch mit einem Plus von 2,3 Prozent gerechnet. Bisher war das Land von Anstiegen von jeweils 5,5 Prozent ausgegangen. Erst in den Jahren 2020 und 2021 soll es den Schätzungen zufolge wieder aufwärts gehen. Im vergangenen Jahr hatte das Plus noch 7,4 Prozent betragen. Die Inflation soll sich derweil auf 20,8 Prozent in diesem Jahr sowie 15,9 Prozent im kommenden und 9,8 Prozent im Jahr 2020 belaufen. Die Lira gab nach der Bekanntgabe dieser Prognose erneut leicht nach.

Die Türkei steckt seit Monaten in einer Währungskrise. In der vergangenen Woche hatte die Zentralbank den Leitzins überraschend stark um 6,25 Punkte auf 24 Prozent angehoben. Höhere Zinsen sollen etwa die weitere Zunahme der Geldmenge in der Inflation begrenzen und die Währung stützen, indem Investitionen im Land aus Sicht ausländischer Anleger wieder attraktiver werden. Der Lira-Kurs erholte sich jedoch nur zwischenzeitlich. Die Zentralbank hatte sich mit der Zinserhöhung zudem gegen die Linie von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan gestellt, der niedrige Zinsen fordert.

Albayrak betonte erneut, dass die Notenbank unabhängig sei. In einem Gastbeitrag in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" schrieb er zudem, dass er die Währungskrise als überwunden betrachte und sich eine Ausweitung der Zollunion mit Europa wünsche. Erst im Juni hatten die EU-Staaten beschlossen, wegen der politischen Situation in der Türkei vorerst keine Verhandlungen über den Ausbau der Zollunion aufzunehmen. Am morgigen Freitag trifft sich Albayrak, der auch ein Schwiegersohn von Präsident Recep Tayyip Erdogan ist, mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in Berlin.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts/DJ/dpa/AFP

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