Wirtschaft

Lockerungszyklus nimmt kein Ende Türkische Notenbank kappt Leitzins erneut

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Die Zentralbank senkt ihren Leitzins um 50 Basispunkte auf 10,75 Prozent.

(Foto: REUTERS)

Wie erwartet lockert die türkische Notenbank schon wieder ihre Geldpolitik und senkt den Schlüsselzins. Die türkische Lira fällt daraufhin auf den tiefsten Stand seit Mai. Analysten stellen angesichts der aggressiven Zinssenkungen bei steigender Inflation die Unabhängigkeit der Notenbank in Frage.

Die türkische Zentralbank hat zum sechsten Mal innerhalb von sieben Monaten ihren Leitzins gesenkt. Damit kam sie Forderungen von Präsident Recep Tayyip Erdogan nach, das Wirtschaftswachstum trotz des jüngsten Inflationsanstiegs durch eine Lockerung der Geldpolitik anzukurbeln. Die Zentralbank senkte ihren Leitzins um 50 Basispunkte auf 10,75 Prozent und verlängerte damit den im Juli vergangenen Jahres begonnenen Lockerungszyklus.

Türkische Lira / Euro
Türkische Lira / Euro ,12

Die türkische Wirtschaft hat sich von einer Rezession und einer Währungskrise im Jahr 2018 erholt und ist im dritten Quartal 2019 im Vergleich zum zweiten Quartal um 0,4 Prozent gewachsen. Erdogan hat versprochen, die Wirtschaft wieder auf ein hohes Wachstum zu bringen, indem er die Zinssätze der Zentralbank senkt und die Banken anweist, die Kreditpipeline sowohl für Haushalte als auch für Unternehmen wieder zu öffnen. 

Der Präsident hat sich zuversichtlich gezeigt, dass der Leitzinssatz in diesem Jahr unter 10 Prozent und die jährliche Inflation unter 8,5 Prozent fallen wird. "Trotz der Zinssenkung ist der Wechselkurs nicht explodiert, die Inflation ist nicht sprunghaft angestiegen und die Märkte waren nicht nervös", sagte Erdogan in einer Rede in der vergangenen Woche.

Die jährliche Inflation ist allerdings wieder über 10 Prozent geklettert, im Januar stieg sie auf 12 Prozent. Analysten sagten, dass die aggressiven Zinssenkungen Fragen über die Unabhängigkeit der Zentralbank aufwerfen und die türkischen Realzinsen unter Null gebracht hätten. Die Analysten fügten hinzu, eine solche Entwicklung würde normalerweise ein Ende des Senkungszyklus erfordern, um den Verkaufsdruck auf die türkische Währung, die sehr empfindlich auf geopolitische Spannungen reagiert, einzudämmen.

Quelle: ntv.de, jki/DJ