Wirtschaft

Neue Details zum 737-Max-Absturz US-Ermittler verdächtigen Boeing-Software

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Zwei Katastrophen, die das Vertrauen in den US-Flugzeugbau erschüttern: Boeing muss sich auf unangenehme Fragen gefasst machen.

(Foto: REUTERS)

Was genau führte zum Absturz zweier Passagierjets vom Typ 737 Max in Äthiopien und Indonesien? Bei der Suche nach den Unglücksursachen konzentrieren sich die Unfallermittler US-Berichten zufolge auf die umstrittene Cockpit-Software von Boeing.

Nach dem Absturz einer Boeing vom Typ 737 Max in Äthiopien konzentrieren sich die US-Ermittler einem Zeitungsbericht zufolge weiter auf das Trimmsystem MCAS. Einem vorläufigen Zwischenbericht zufolge hatte sich das System kurz vor dem Unglück aktiviert, berichtete das "Wall Street Journal". Die Angaben der Ermittler beziehen sich auf die Auswertung des Flugschreibers.

Es handelt sich dem Bericht zufolge um den bislang gewichtigsten Hinweis, dass eine Fehlfunktion des Trimmsystems zu den Abstürzen der Boeing-Maschinen in Äthiopien und Indonesien geführt haben könnte. Bislang hatten sich die ersten Vermutungen zur Unglücksursache nur auf ähnliche Muster im Flugverhalten beider Maschinen gestützt, die anhand von aufgezeichneten Radardaten rekonstruiert werden konnten.

Wie aus dem Bericht des "Wall Street Journals" weiter hervorgeht, hatten die Fachleute der US-Regierung während der vergangenen Tage Material der äthiopischen Regierung ausgewertet und die Schlüsse der US-Luftfahrtbehörde FAA am Donnerstag vorgelegt. Die Ermittlungen seien jedoch noch nicht abgeschlossen, hieß es. Bis zur Vorlage des formellen Abschlussberichts der Flugunfallermittler vergehen üblicherweise Monate.

Das Trimmsystem MCAS soll Luftfahrtexperten zufolge vor allem aerodynamische Nachteile der vergleichsweise schweren Triebwerke der Max-Modelle ausgleichen. Die leistungsstarken Turbinen der zweistrahligen Boeing 737 Max sind deutlich größer als die bei früheren 737-Versionen verbauten Aggregate. Besonders im Steigflug kann der Schub der Triebwerke so stark werden, dass die Gefahr eines Strömungsabrisses besteht. MCAS soll deshalb die Nase des Flugzeugs nach unten drücken, um das Flugzeug zu stabilisieren und den lebenswichtigen Auftrieb an den Tragflächen sicherzustellen.

Am 10. März war eine 737-Max-Maschine von Ethiopian Airlines (Flugnummer ET-302) kurz nach dem Start in Addis Abeba abgestürzt. Wenige Monate zuvor, im Oktober 2018, verunglückte eine baugleiche Maschine der indonesischen Fluggesellschaft Lion Air (JT-610) kurz nach dem Start vor Java. Insgesamt kamen bei diesen beiden Katastrophen 346 Menschen ums Leben. Beide Unglücksmaschinen waren nach dem Start mit äußerst unregelmäßiger Flugkurve und -geschwindigkeit aufgestiegen und anschließend unkontrolliert abgesunken.

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Für Boeing-Kunden und den Hersteller Boeing selbst entwickelt sich die 737 Max neben der menschlichen Tragödie mehr und mehr auch zu einem wirtschaftlichen Desaster: Luftfahrtbehörden in aller Welt entzogen dem Modell vorerst die Zulassung. Wie lange die Maschinen am Boden bleiben müssen, hängt auch vom Verlauf der Ermittlungen ab.

US-Aufseher im Visier der Ermittler

Dabei steht auch die US-Aufsichtsbehörde FAA im Fokus: Kritiker werfen den Aufsehern vor, elementare Entscheidungen im Zulassungsprozess dem Flugzeugbauer überlassen zu haben. Boeing legte zuletzt zwar eine überarbeitete Version der MCAS-Software vor. Bis diese aber das Zulassungsverfahren in den einzelnen Weltregionen durchlaufen hat, dürften mindestens Monate vergehen. Luftfahrtbehörden in Europa und China haben bereits angedeutet, dass sie sich in dieser Frage nicht auf das Urteil der FAA verlassen werden.

Potenzieller Milliardenschaden

Insgesamt haben 80 Abnehmer aus aller Welt - darunter Fluggesellschaften, Leasing-Investoren und VIP-Kunden - Maschinen des Typs 737 Max bei Boeing bestellt. Mehr als 350 Exemplare wurden bereits ausgeliefert, darunter auch Dutzende Jets an prominente Fluglinien wie Southwest Airlines, Air China oder auch Tui Travel. Da noch nicht absehbar ist, wie lange die 737 Max am Boden bleibt, müssen die Boeing-Kunden kurzfristig Ersatz beschaffen und ihre Flugpläne umstellen.

Für Boeing stehen enorme Schadenersatzforderungen im Raum. Dazu kommen mögliche Ausfälle auf der Einnahmenseite, sollten Kunden ihre Orderaufträge zurückziehen oder eindampfen. Zuletzt standen bei Boeing insgesamt 5011 bestellte Maschinen in den Auftragsbüchern. Der Stückpreis liegt laut Liste je nach Ausstattung zwischen 90 und 110 Millionen Dollar.

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Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

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