Wirtschaft

Trumps Zölle und Sanktionen US-Handelspartner suchen nach Alternativen

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Aufgrund der US-Sanktionen zog der französische Total-Konzern seine Investition aus dem iranischen Ölfeld South Pars zurück. China sprang bereitwillig ein.

picture alliance / dpa

Strafzölle gegen China und die Türkei, Sanktionen gegen den Iran und Russland: US-Präsident Trump führt viele Handelskonflikte gleichzeitig. Damit stößt er nicht nur Partner wie Deutschland vor den Kopf, sondern treibt sie auch zur Suche nach Handelsalternativen.

Angesichts der von US-Präsident Donald Trump angestoßenen Handelskonflikte suchen die Gegenspieler, aber auch Partner der US-Regierung nach Alternativen für Teile ihrer bisherigen Geschäfts- und Finanzbeziehungen mit der weltgrößten Volkwirtschaft. Der chinesische Vize-Agrarminister Han Jun erklärte am Samstag, man könne US-Agrarimporte auch vollständig durch Einfuhren aus anderen Ländern ersetzen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nannte den jüngsten Absturz der Landeswährung Lira die Folge eines Wirtschaftskriegs gegen sein Land. Die Türkei bereite sich daher darauf vor, mit China, Russland und der Ukraine Handel in den Landeswährungen zu treiben.

Auch Russlands Präsident Wladimir Putin kündigte wenige Tage, nachdem Washington neue Sanktionen wegen des Giftanschlags von Salisbury verhängt hatte, an, auf den US-Dollar im Handel mit anderem Partnern vermehrt durch den Rubel und andere Währungen ersetzen zu wollen. Zudem will Russland laut Putin US-Staatsanleihen abstoßen.

Zwar ist fraglich, inwieweit Trumps Gegenspieler diese Drohungen angesichts der zentralen Stellung der USA im globalen Finanzsystem tatsächlich umsetzen können und ob sie dadurch ihren eigenen Ländern nicht noch mehr Schaden zufügen. Doch auch die USA dürften erhebliche Einbußen erleiden, wenn sich etwa China gezwungenermaßen andernorts mit Soja und anderen Agrargütern eindeckt. Außerdem läuft die US-Regierung Gefahr politisch und wirtschaftliche vor allem gegenüber Peking an Einfluss zu verlieren. So füllt China etwa die Lücke, die westliche Investoren im Iran hinterlassen.

Altmaier will sich "Handelsbeziehungen nicht diktieren lassen"

Zudem sind selbst bisher enge US-Handelspartner wie Deutschland auf der Suche nach Alternativen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier erklärte zum Streit über Irans Atomprogramm, Deutschland suche nach Wegen, um die Finanzströme trotz der neuen US-Sanktionen offenzuhalten.  "Wir lassen uns aus Washington keine Handelsbeziehungen mit anderen Ländern diktieren", sagte er der "Bild am Sonntag".

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat Zölle gegen China unter anderem wegen des Handelsdefizits, gegen die Türkei wegen eines dort festgehaltenen US-Pastors und gegen den Iran im Streit über das internationale Atomabkommen verhängt. Die drei Staaten haben ihrerseits Gegenmaßnahmen ergriffen.

Von diesen sind etwa die Exporte amerikanischer Sojabohnen nach China betroffen, das für die US-Landwirtschaft ein großer Abnehmer ist: Ein Viertel der Ernte wird in die Volksrepublik verschifft. Für den Fall eines ausgewachsenen Handelskriegs seien viele andere Länder willens und fähig "den Anteil der amerikanischen Agrarprodukte auf dem chinesischen Markt komplett zu ersetzen", sagte Han der Zeitung "People's Daily". Der Landwirtschaftssektor der USA würde eine Eskalation des Handelskonflikts zu spüren bekommen.

China ersetzt Frankreich bei Iran-Geschäft

Erdogan sagte auf einer Kundgebung seiner AK-Partei in Rize, die türkische Wirtschaft stecke nicht in einer Krise und stehe auch nicht vor der Pleite. Der Absturz der Landeswährung Lira seien die Raketen eines Wirtschaftskriegs gegen die Türkei, erklärte er, ohne Verantwortliche beim Namen zu nennen. Sein Land lasse sich durch Drohungen nicht auf Linie bringen. Erdogan forderte seine Landsleute auf, Euro und Dollar in die Landeswährung zu tauschen. Diese war in den vergangenen Tagen auch wegen des Streits mit den USA auf Talfahrt gegangen, was weltweit die Börsen belastete.

Altmaier sagte, der von den USA ausgelöste "Handelskrieg verlangsamt und zerstört Wirtschaftswachstum und produziert neue Unsicherheiten". Speziell zu den US-Sanktionen gegen den Iran, von denen auch die Geschäfte deutscher Unternehmen betroffen sind, sagte der Minister: "Wir lassen uns aus Washington keine Handelsbeziehungen mit anderen Ländern diktieren". Die Regierung suche national und in Europa nach Wegen, um die Finanzkanäle offenzuhalten.

Wie sich der Iran umorientiert, wurde am Wochenende an anderer Stelle deutlich: Das staatliche chinesische Energieunternehmen CNPC übernahm der Nachrichtenagentur Irna zufolge den Anteil der französischen Total bei der Erschließung des iranischen Erdgasfeldes South Pars. Total hatte 2017 den Vertrag für eine Beteiligung an Phase II von South Pars unterzeichnet. Das vereinbarte Anfangsinvestment lag bei einer Milliarde Dollar. Es war das erste große wirtschaftliche Engagement eines westlichen Staates im Iran nach der Aufhebung der Sanktionen infolge des Atomvertrags.

Quelle: n-tv.de, mbo/rts

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