Wirtschaft

Gute Daten vor der Wahl US-Wirtschaft erholt sich im Sommer

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Aufs Jahr hochgerechnet wuchs die US-Wirtschaft im Sommer um ein Drittel.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Im Frühjahr bricht die US-Wirtschaft in einem nie dagewesenen Maße ein. Ebenso deutlich geht es dann mit den Lockerungen im Sommer wieder aufwärts. Dieser überwiegend statistische Effekt dürfte aber auf den letzten Metern des Wahlkampfes eine wichtige Rolle spielen.

Nach dem Konjunktureinbruch wegen der Corona-Krise im zweiten Quartal ist die US-Wirtschaft im dritten Vierteljahr stark gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Juli bis September aufs Jahr hochgerechnet um 33,1 Prozent zu, wie die US-Regierung in einer ersten Schätzung mitteilte. Umgerechnet in die in Europa übliche Betrachtungsweise entspräche das einem Plus von etwa 7,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal.

Die Daten zeigen die Erholung der US-Wirtschaft nach der weitgehenden Stilllegung des öffentlichen Lebens wegen der Pandemie im zweiten Quartal. Zum Teil sind die beeindruckenden Zahlen aber auch ein Effekt der Statistik: Im Vergleich mit dem verheerenden zweiten Quartal sieht das Wachstum beeindruckend aus. In absoluten Zahlen würde die Wirtschaftsleistung aufs Jahr hochgerechnet nun bei 21,15 Billionen US-Dollar liegen. Das wäre etwas niedriger als der im ersten Quartal, also vor der Pandemie, berechnete Wert von 21,56 Billionen Dollar.

Im ersten Quartal war das BIP infolge der Lockdowns auf das Jahr hochgerechnet um 31,4 Prozent eingebrochen, was einem Minus von 9 Prozent im Vergleich zum Vorquartal entsprach. Das war der schärfste Wirtschaftseinbruch seit Beginn der Aufzeichnungen. Auch der Arbeitsmarkt war schwer gebeutelt. Die Arbeitslosenquote schnellte im April auf fast 15 Prozent, ebenfalls der höchste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen. Bis September sank sie wieder auf 7,9 Prozent. Vor der Pandemie hatte die Quote bei 3,5 Prozent gelegen, dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten.

Gute Nachrichten für den Wahlkampf-Endspurt?

Die Bekanntgabe der Daten wenige Tage vor der US-Wahl dürfte sofort zum Politikum werden: Präsident Donald Trump, der sich am Dienstag um eine zweite Amtszeit bewirbt, hatte seinen Anhängern im Wahlkampf bereits ein Rekordwachstum versprochen. Trump liegt in Umfragen derzeit zurück. Er dürfte die Wachstumsdaten nun als Beweis dafür anführen, dass er die Wirtschaft gut durch die Corona-Krise gebracht habe.

Die US-Notenbank warnt jedoch, dass die Entwicklung der Wirtschaft inzwischen vom Virus abhängig sei. Die Fed erwartet für das Gesamtjahr einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 3,7 Prozent - was einer schweren Rezession entspricht.

In Bezug auf die Pandemie sieht es derweil eher schlecht aus: Die Zahl der täglichen Neuinfektionen ist zuletzt im Schnitt wieder auf rund 70.000 gestiegen, Tendenz steigend. Am gestrigen Mittwoch waren es 79.000. Mehr als 227.000 Infizierte starben bislang - mehr als in jedem anderen Land der Welt. Trumps demokratischer Herausforderer Joe Biden wirft dem Republikaner vor, im Kampf gegen die Pandemie kapituliert zu haben und damit für den Tod Zehntausender Amerikaner verantwortlich zu sein.

Trump verspricht den Wählern einen raschen Aufschwung. Er fordert ein Ende der Corona-Auflagen, damit die Wirtschaft weiter wachsen kann. Biden hingegen betont, dass die Eindämmung der Pandemie eine Voraussetzung für nachhaltiges Wachstum sei. Biden schließt auch das erneute Verhängen weitgehender Corona-Auflagen nicht aus, falls die Infektionslage das erfordern sollte.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa