Wirtschaft

VW und Shkreli machen fassungslos USA finden Gier nicht mehr gut

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Nicht mehr cool: Michael Douglas in seiner Paraderolle als "Gordon Gekko"

(Foto: imago stock&people)

Die Empörung über den VW-Abgasskandal ist groß in den USA. Sie wird nur noch von dem Entsetzen über einen Hedgefonds-Manager übertroffen, der den Preis für ein Medikament über Nacht um 5000 Prozent anhob.

"Greed is good" – das sagte einst Gordon Gekko in "Wall Street". Damals war das ein ziemlicher Aufreger, denn Gekko war eine dieser Heuschrecken, die mehr am eigenen Gewinn interessiert ist als an den Unternehmen, die sie kaufte. Aus heutiger Sicht sind Gekkos kleine Spielchen geradezu lachhaft. Gier hat an der Wall Street eine ganz neue Dimension erreicht – die USA sind sauer.

Da wäre zum einen Volkswagen. Der Konzern hat in den USA lange gute Geschäfte gemacht, unter anderem mit den einst verpönten Diesel-Motoren. Die meisten US-Amerikaner denken bei Diesel bis heute an die Schwerindustrie, an Bagger und Traktoren. Interessanterweise hatten Letztere bereits 1998 ihren eigenen Diesel-Skandal: Damals mussten sieben Maschinenbauer, unter ihnen der Marktführer Caterpillar, eine Milliarde Dollar berappen, weil sie mit der Software tricksten und für Tests ihre Emissionswerte drosselten.

Rückschlag für Dieseltechnologie

Das kommt einem bekannt vor? Klar, denn die Vorwürfe gegen Volkswagen sind genau dieselben. Die Wolfsburger haben den Trick also gar nicht erfunden, ihn nur in einer ganz anderen Größenordnung angewandt. Jetzt droht nicht nur dem Konzern eine Milliardenstrafe, sondern der ganzen Dieseltechnologie ein herber Rückschlag. Denn US-Amerikaner, die sich gerade erst an den Gedanken eines Diesel-Pkw gewöhnt hatten, sind jetzt zu Recht misstrauisch.

Klarer Fall: Volkswagen hat in großem Stil betrogen, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Der schnelle Gewinn war dem Unternehmen wichtiger als etwa die notwendige Forschung, mit der sich tatsächlich niedrigere Emissionen hätten erzielen lassen – der Schaden ist jetzt groß.

Shkreli - Teufel in Menschengestalt

Doch in den US-amerikanischen Medien ist Martin Winterkorn in diesen Tagen nur der zweitübelste Manager. Der Teufel in Menschengestalt heißt Martin Shkreli. Der 32-jährige Hedgefonds-Manager hat jüngst die Lizenz für Daraprim erworben, ein Medikament, das seit mehr als 60 Jahren gegen lebensgefährliche Parasiten eingesetzt wird und das die Weltgesundheitsorganisation WHO zu einem der wichtigsten Mittel erklärt hat. Um Patienten und Parasiten ging es Shkreli bei der Investition nicht – nur um den Profit. Über Nacht hob er den Preis für das Medikament an, von 13,50 Dollar auf 750 Dollar pro Tablette. In einem Interview mit dem Finanzsender Bloomberg sagte er grinsend, das Medikament sei damit eigentlich immer noch zu billig. Seine Logik: Daraprim kann Leben retten – dafür kann man auch ordentlich zahlen. Eine volle Behandlung mit dem Mittel kostete plötzlich einen mittleren sechsstelligen Betrag.

Auch Shkrelis Idee ist nicht neu. Seit geraumer Zeit kaufen Investoren die Rechte an alten und weit verbreiteten Medikamenten, vor allem an Mitteln für seltene Krankheiten, und ziehen die Preise an. Das Tuberkulosemittel Cycloserine war für 500 Dollar (für 30 Tabletten) erhältlich, bevor der neue Besitzer den Preis auf 10.800 Dollar anhob. Zwei Herzmedikamente, Isuprel und Nitropress, wurden auf einen Schlag um 525 Prozent beziehungsweise 212 Prozent teurer. Der Preis für das Antibiotikum Doxycycline stieg vor einem Jahr von 20 Dollar auf 1849 Dollar.

Es geht halt ums Geschäft

Gierig findet Martin Shkreli so etwas übrigens nicht. Es gehe halt ums Geschäft, sagte er. Patienten würden sein Medikament normalerweise nur über einen kurzen Zeitraum nehmen, der höhere Preis mache die Behandlung nun so teuer, wie das für andere lebensbedrohliche Krankheiten üblich sei. Mit den Herstellungskosten hat der Preis hingegen nichts zu tun. Die liegen bei etwa einem Dollar pro Tablette. Die Ausgaben für Forschung fallen nach 60 Jahren auf dem Markt nicht ins Gewicht.

Zahlreiche Politiker äußerten sich zu dem Fall: Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton forderte Ermittlungen, ihr Konkurrent Bernie Sanders dehnte bereits laufende Ermittlungen gegen andere Pharmazeuten auf Shkrelis Firma aus. Auch im Internet hagelte es Proteste: "Es gibt einen speziellen Platz in der Hölle für Leute, die von der Not anderer profitieren", hieß es da. Die meisten anderen Kommentare und Beschimpfungen sind nicht druckfähig und scheinen Shkreli beeindruckt zu haben. Ein wenig zumindest. In der Nacht zum Mittwoch kündigte er an, die Preiserhöhung zu revidieren. Den neuen Preis nannte er allerdings noch nicht.

Quelle: n-tv.de