Wirtschaft

Wird Bau heute fortgesetzt? USA fordern Nord-Stream-2-Moratorium

Deutschland und die USA sind bei der Erdgas-Pipeline Nord Stream 2 sehr unterschiedlicher Meinung. Die Botschaft in Berlin fordert einmal mehr einen Baustopp. Tatsächlich aber könnten die Arbeiten an diesem Wochenende wieder aufgenommen werden. Die Zeit drängt.

Die US-Botschaft hat die Bundesregierung aufgerufen, einen Weiterbau der umstrittenen Ostseepipeline Nord Stream 2 zu verhindern. "Jetzt ist der Zeitpunkt für Deutschland und die EU, ein Moratorium für den Bau der Pipeline verhängen", sagte die geschäftsführende US-Botschafterin in Berlin, Robin Quinville, dem "Handelsblatt". Dies würde ein deutliches Zeichen setzen, dass Europa "das anhaltende bösartige Verhalten Russlands nicht länger hinnimmt". Die Pipeline sei nicht nur ein wirtschaftliches Projekt, sondern das politische Werkzeug des Kremls, um die Ukraine zu umgehen und Europa zu spalten.

Wegen der US-Sanktionen waren die Bauarbeiten Ende vorigen Jahres gestoppt worden. Westliche Spezialschiffe für die Verlegung der Rohre wurden wegen drohender Strafmaßnahmen der USA abgezogen. Kremlchef Wladimir Putin hatte betont, dass die Pipeline trotzdem aus eigener Kraft fertiggestellt werden solle. Russland will nun eigene Schiffe einsetzen.

An diesem Wochenende könnten die Arbeiten für ein 2,6 Kilometer langes Teilstück der Pipeline wieder aufgenommen werden. Die Nord Stream 2 AG hat dafür seit langem eine Genehmigung vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Die Erlaubnis ist aber nur noch bis Ende des Jahres gültig. Das Unternehmen selbst äußerte sich nicht zu den Arbeiten.

Die etwa 9,5 Milliarden Euro teure Pipeline ist zu 94 Prozent fertig. Durch die zwei jeweils rund 1200 Kilometer langen Leitungen von Nord Stream 2 sollen künftig jedes Jahr 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas von Russland nach Deutschland gepumpt werden. Die USA sind gegen das Projekt und begründen dies mit zu großer Abhängigkeit ihrer europäischen Partner von russischem Gas. Kritiker werfen den USA dagegen vor, nur ihr Flüssiggas in Europa besser verkaufen zu wollen.

Diese Woche hatte der US-Kongress einen Gesetzentwurf vorgelegt, der neue Sanktionen gegen den Bau der Pipeline vorsieht. Nachdem die USA vor einem Jahr Sanktionen gegen die Betreiber von Schiffen zum Verlegen der Röhren verhängte hatten, sollen nun auch Strafmaßnahmen gegen Versicherer solcher Schiffe ermöglicht werden.

Hinter dem Pipeline-Projekt steht der russische Staatskonzern Gazprom, der die Hälfte der geplanten Gesamtkosten stemmen soll. Die andere Hälfte finanzieren fünf europäische Energieunternehmen, wie Wintershall Dea, OMV sowie Uniper, Royal Dutch Shell und Engie.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/rts