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Dienstag, 06. März 2018

Interview mit VW-Chef: "Unsere Euro-6-Verbrenner sind sauber"

Der Autohersteller Volkswagen liefert für das vergangene Jahr glänzende Zahlen. Doch die Wolfsburger werden die Diesel-Debatte nicht los. Und nun brechen die USA auch noch eine Strafzoll-Diskussion vom Zaun.

n-tv: Sie haben im letzten Jahr sehr gute Geschäfte gemacht und sehr gute Ergebnisse erzielt. Aber VW ist doch immer noch mit den Diesel-Autos in den Schlagzeilen. Das nächste Thema ist jetzt ein drohendes Fahrverbot. Wie gehen Sie mit den Problemen um in der Zukunft, was den Diesel angeht?"

Matthias Müller: Erstmal sind wir sehr froh über dieses Ergebnis des Jahres 2017. Es ist wichtig, weil es beweist, dass Volkswagen ein robustes Unternehmen ist, das auch die finanzielle Kraft hat, die Zukunft zu gestalten. Wenn Sie das Thema Diesel ansprechen, bitte ich Sie zu berücksichtigen, dass der Dieselskandal als solcher mit der derzeitigen Situation nur bedingt etwas zu tun hat. Denn die Luftqualität, dass die in den Städten schlecht ist, insbesondere auch in Deutschland, das ist nichts Neues. Nur ist das Thema eben jetzt auf dem Tisch und jetzt werden wir uns als Autoindustrie und insbesondere Volkswagen massiv drum kümmern und versuchen zu unterstützen, dass dieses Problem schnellstmöglich aus der Welt geschaffen wird. Und wenn es nach unserer Meinung geht, möglichst ohne Fahrverbote.

Also unterstützen heißt auch Leute unterstützen, die einen Diesel gekauft haben?

Das heißt zunächst mal, dass wir 160.000 alte Diesel über unsere Umweltprämie vom Markt geholt und verschrottet haben. Wir haben 2,5 Millionen Fahrzeuge software-technisch umgerüstet und werden dies auch bei einer weiteren Millionen tun. Wir haben uns am Mobilitätsfonds der Bundesregierung mit 250 Millionen der Autoindustrie beteiligt. Übrigens, die ausländischen Hersteller haben dies nicht getan, darauf möchte ich auch nochmal hinweisen. Und wir sind insbesondere auch mit den Städten und Kommunen in einen intensiven Dialog getreten, wie wir, die Autoindustrie helfen können, das Thema Luftqualität zu verbessern.

Das wird eine Zeitlang dauern, oder wann rechnen Sie mit wirklich konkreten Ergebnissen? In einem Jahr, in zwei Jahren?

Die Luftqualität in Deutschland ist in den letzten 15 Jahren um 70 Prozent besser geworden. Und zum Beispiel in Stuttgart am Neckartor an der Messstation ist die NOX-Emission in dem letzten Jahr um elf Prozent besser geworden. Die Maßnahmen wirken jetzt schon, dass können wir jetzt schon beobachten. Und ich bin auch überzeugt, dass wir, wenn wir uns Ende des Jahres wieder unterhalten, auch dann schon einen erheblichen Fortschritt feststellen werden können.

Auch weil sich das E-Auto dann weiter durchgesetzt haben wird?

Das hoffe ich. Aber ich möchte auch nochmal auf unsere Verbrenner hinweisen: Die Euro-6-Verbrenner entsprechen heutigen Regularien, sind technisch ausgereift und sind sauber. Natürlich kämpfe ich persönlich auch sehr darum, dass die E-Mobilität aus der Nische fährt. Das ist ja auch ein Aspekt hier auf der Messe, wo Volkswagen und seine Marken erste Produkte vorstellen, die attraktiv genug sind, um von den Kunden dann auch gekauft zu werden.

Machen Ihnen die protektionistischen Bestrebungen der USA Sorgen. Es gab jetzt auch eine Breitseite gegen die deutschen Automobilhersteller. Zölle sollen erhoben werden. Ist das überhaupt praktikabel? Manche in den USA sagen Nein. Sehen Sie das mit Sorgen?

Ich sehe das natürlich mit Sorge. Denn in der Vergangenheit haben alle Regionen dieser Welt und die großen Unternehmen auf Globalisierung gesetzt. Die Gesetzgebung, NAFTA etc. war auch entsprechend ausgelegt. Und es ist eigentlich schon problematisch, wenn jetzt jemand her geht und sagt, das ist alles Käse von gestern und wir machen morgen alles anders. Wir lassen uns nicht verrückt machen, wir werden das Thema genau analysieren und bewerten und dann die notwendigen Entscheidungen treffen.

Mit Matthias Müller sprach Carsten Lueb.

Quelle: n-tv.de