Wirtschaft

Bund gibt Kompetenzen ab Unternehmen kaufen Ausrüstung im Ausland

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Medizinisches Gerät statt Passagieren: So fliegen viele Flugzeuge derzeit um die Welt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im internationalen Überbietungswettbewerb tut sich die Bundesregierung anscheinend schwer beim Kauf medizinischer Schutzausrüstung. Stattdessen sollen gut vernetzte Unternehmen wie BASF, die Lufthansa oder VW einspringen und ihre Kontakte in China spielen lassen.

Große deutsche Unternehmen mit Niederlassungen im Ausland unterstützen die Bundesregierung bei der Organisation medizinischer Schutzausrüstung im Kampf gegen das Coronavirus. Im Beschaffungsstab des Gesundheitsministeriums seien Vertreter von VW, Lufthansa oder BMW eingebunden, sagen mit dem Vorgang vertraute Personen. Sie sollen mithelfen, dass Deutschland in dem härter werdenden Wettbewerb Schutzmasken, medizinische Geräte oder Ersatzteile etwa aus China erhält. Etliche Firmen wie BMW oder VW haben die Zusammenarbeit bestätigt.

Koordiniert wird die Arbeit im Gesundheitsministerium. In einem Organisationspapier der Regierung, das unter anderem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, heißt es unter anderem, dass das Ministerium bereits Rahmenvereinbarungen mit BASF, Fiege, Lufthansa, Otto und Volkswagen geschlossen hat. "Diese Unternehmen bringen ihre Erfahrung und Kontakte auf den ausländischen Märkten ein, um für den Bund Kauf und Logistik zu organisieren." Dies wurde demnach bereits am 30. Dezember in einem Gespräch zwischen Kanzlerin Angela Merkel und Ministern aus dem sogenannten Corona-Kabinett mitgeteilt.

Hintergrund ist, dass in der Corona-Krise viele Staaten auf den Weltmärkten versuchen, sich in großem Maßstab Material zu sichern. Wegen der internationalen angespannten Lage sei es für die Bundesregierung nicht einfach, Schutzausrüstung, aber auch Ausstattung für Intensivstationen in Krankenhäusern zentral zu beschaffen, heißt es. Beispielsweise sollen die USA eine für Frankreich bestimmte Lieferung von Schutzmasken im letzten Moment aufgekauft haben.

Sind Unternehmen besser vernetzt?

Den Unternehmen scheint die Beschaffung durch ihre sehr engen Kontakte etwa nach China  leichter zu fallen. Dies könne man nutzen, um medizinische Hilfsmittel aller Art, darunter Schutzmasken zu beschaffen, hieß es etwa bei VW. Der Autobauer hatte angekündigt, Atemschutzmasken, Desinfektionsmittel und Schutzanzüge im Wert von rund 40 Millionen Euro in China kaufen und spenden zu wollen.

Auch eine BMW-Sprecherin bestätigte, dass sich der Autobauer an den Plänen der Bundesregierung beteiligt: "Gemeinsam mit unserem globalen Lieferantennetzwerk arbeiten wir derzeit intensiv an der kurzfristigen Beschaffung von notwendigen Masken und medizinischer Ausrüstung", sagte sie.

Rheinmetall hat nach eigenen Angaben ebenfalls einen Vertrag mit dem Bundesamt für Beschaffung, Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr geschlossen. Man übernehme gemeinsam mit einem Partnerunternehmen Beschaffungs- und Transportlogistik sowie die Qualitätsüberprüfung. "Bereits in wenigen Tagen sollen rund eine Million Atemschutzmasken (Schutzkategorie FFP-2, CE-zertifiziert) aus der Fertigung eines chinesischen Unternehmens an die zuständige Bundeswehr-Beschaffungsbehörde in Koblenz ausgeliefert werden", teilte das Unternehmen mit. Es gebe eine Option über die Lieferung von weiteren fünf Millionen Atemschutzmasken über Rheinmetall.

Quelle: ntv.de, chr/rts/dpa