Wirtschaft

"Schädlich für Volkswagen" VW-Aufsichtsratschef Piëch bekommt Feuer

2014 macht Volkswagen erstmals mehr als 200 Milliarden Euro Umsatz, verkauft mehr als 10 Millionen Auto. Aufsichtsratschef Piëch geht dennoch auf "Distanz" zu Konzernchef Winterkorn. Insider sagen, er wolle ihn "killen". Ein Machtkampf entbrennt.

Bei Europas größtem Autobauer Volkswagen zeichnet sich ein erbitterter Machtkampf in der Führungsspitze ab. Dabei steht aber Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch nach einer Attacke auf Vorstandschef Martin Winterkorn zunehmend isoliert da. VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche distanzierte sich von seinem Cousin Piëch. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) stellte sich hinter VW-Vorstandschef Winterkorn. "Eine öffentliche Diskussion dieser Art ist schädlich für das Unternehmen Volkswagen", sagte Weil der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Im Übrigen habe Winterkorn einen laufenden Vertrag, "und es besteht keinerlei Handlungsbedarf".

Volkswagen gehört mehrheitlich den Familien Piëch und Porsche. Im 20-köpfigen Aufsichtsrat haben sie aber keine eigene Mehrheit und sind etwa auf Unterstützung des Landes Niedersachsen als Großaktionär angewiesen. Für seinen Vorstoß bekam Piëch allerdings auch von der Familie Porsche keine öffentliche Unterstützung. "Die Aussage von Herrn Dr. Piëch stellt seine Privatmeinung dar, welche mit der Familie inhaltlich und sachlich nicht abgestimmt ist", ließ Wolfgang Porsche als Vertreter der Porsche-Familie mitteilen. Er ist der Sprecher des Porsche-Familienstamms.

"Piëch will ihn killen, aber Winterkorn kämpft"

Zuvor hatte Volkswagen-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch mit seiner öffentlichen Distanzierung von Winterkorn für große Aufregung bei VW gesorgt. Dem "Spiegel" sagte Piëch über den bislang als seinen engen Vertrauten geltenden Winterkorn: "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn." Dies kam einer Demontage seines langjährigen Wegbegleiters Winterkorns gleich. Piëch will sich nach seinen bisherigen Plänen in zwei Jahren zurückziehen, bislang galt der seit 2007 an der VW-Spitze stehende Winterkorn als sicherer Nachfolger. Winterkorn ist 67 Jahre alt, Piëch  77.

Piëch hatte außerdem gesagt: "Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen." Die Kandidaten dafür seien bereits im Unternehmen. Einzelheiten nannte Piëch aber nicht. Seine Motive für die Äußerungen sind unklar. Winterkorn ist seit 2007 VW-Vorstandsvorsitzender. Sein Vertrag läuft Ende nächsten Jahres aus. Er selbst denke nicht daran, den Bettel hinzuwerfen und sich von Piëch vom Hof jagen zu lassen, wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" aus dem Unternehmen erfuhr. . Die "Bild am Sonntag" zitierte einen "Vertrauten" Winterkorns mit den Worten: "Piëch will ihn killen, aber Winterkorn kämpft."

Erfolge und Misserfolge

Die Aussagen Piëchs kommen einem Erdbeben bei Volkswagen gleich. Piëch hatte VW einst selbst geführt. Zu Winterkorn besaß er jahrzehntelang ein großes Vertrauensverhältnis. Ohne Piëch, das bisher Konsens, fällt bei VW keine zentrale Entscheidung. Der "Spiegel" führt für die Verstimmung zwischen Winterkorn und Piëch auch große strategische Probleme an, vor denen Volkswagen allem Erfolg zum Trotz steht. Die Gewinnkraft der Kernmarke VW-Pkw hinkt der Konkurrenz hinterher. Daher greift seit vergangenen Sommer ein milliardenschwerer Sparplan. Im Juli gibt Winterkorn das Amt als VW-Markenchef, das er in Personalunion mit seinem Chefposten im Konzern führt, an den früheren BMW-Vorstand Herbert Diess ab. In den USA fehlen zudem die richtigen Modelle, so dass VW seit Jahren in einem wachsenden Markt - dem nach China zweitgrößten der Welt - Anteile verliert.

 In Summe werden diese Probleme verdeckt durch den insgesamt seit Jahren laufenden Rekordkurs des Konzerns, der sich mit großem Tempo bei Absatz, Umsatz und Gewinn verbessert. Der Rivale General Motors ist schon überholt. Nur noch Toyota als weltgrößter Autokonzern liegt vor dem Volkswagen-Konzern, der 2014 erstmals mehr als 200 Milliarden Euro um- und mehr als 10 Millionen Fahrzeuge absetzte.

Quelle: n-tv.de, bad/AFP/dpa

Mehr zum Thema