Wirtschaft

Drohende Fahrverbote VW bietet Umtauschgarantie für Diesel an

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Volkswagen tauscht zurückgegebene Diesel-Autos gegen Neu- oder Jahreswagen um.

(Foto: REUTERS)

Aus vielen deutschen Städten werden Diesel möglicherweise bald verbannt, weil sie die Luft verpesten. Deshalb will Volkswagen seine Diesel-Fahrzeuge zurücknehmen, allerdings nur, wenn sich die Kunden einen neuen VW kaufen. BMW und Audi bieten Ähnliches an.

Die Verunsicherung unter potenziellen Diesel-Käufern zwingt die deutsche Automobilindustrie zum Handeln: Angesichts drohender Fahrverbote versuchen Händler und Hersteller, ihre Kundschaft mit großzügig klingenden Rücknahme-Versprechen bei der Stange zu halten.

VW Vorzüge
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Der Wolfsburger Autokonzern Volkswagen kündigte für die Hauptmarke VW vor diesem Hintergrund ein eigenes "Mobilitätsversprechen" an. Konkret bietet VW an, dass Autokäufer über einen Zeitraum von drei Jahren ab Kauf ihr neu erworbenes Diesel-Fahrzeug umtauschen können, sollte es am Wohnsitz oder Arbeitsort des Käufers tatsächlich zu einem Fahrverbot kommen. Der Wagen werde zum Zeitwert zurückgenommen, heißt es, wenn der Besitzer im Gegenzug einen Neu- oder Jahreswagen bei VW kaufe, der nicht von Einschränkungen betroffen ist.

Dafür gewährt der zuständige VW-Händler einen Rabatt in Höhe der bisherigen Umweltprämie, die bei den Wolfsburgern bis zu 10.000 Euro betragen kann. Diese so genannte Mobilitätsgarantie gilt für neue Dieselautos mit der Abgasnorm Euro 6, die zwischen Anfang April und Ende 2018 gekauft werden. Die schon seit einiger Zeit geltende Umweltprämie für ältere Diesel nach Euro 1 bis 4 verlängerte Volkswagen um drei Monate bis Ende Juni.

BMW und Audi zahlen auch

Allerdings fließt die Prämie nur noch beim Kauf eines neuen Dieselautos und nicht mehr wie bisher auch für Benziner oder Wagen mit alternativen Antrieben. BMW hatte vor zwei Wochen bereits ein ähnliches Rücknahmeversprechen für Leasingfahrzeuge eingeführt. Dieses gilt, wenn im Umkreis von 100 Kilometern um den Wohnsitz oder Arbeitsort ein Fahrverbot für Dieselautos verhängt wird. Diesem Beispiel schloss sich nun die VW-Tochter Audi an und bietet ebenfalls für den Fall von Fahrverboten einen Umtausch von Leasingfahrzeugen an.

Volkswagen hat nach eigenen Angaben konzernweit in Deutschland bereits 170.000 ältere Dieselfahrzeuge zurückgekauft und verschrottet. Auch andere Hersteller bieten solche Prämien an. Mit den Umtauschangeboten und Rücknahmeversprechen stemmen sich die Autobauer gegen die seit Monaten fallenden Zulassungszahlen im Segment der Pkw mit Dieselmotor.

Die daraus entstehenden Probleme erreichen die Hersteller dabei von verschiedenen Seiten: Abgesehen von Umsatzeinbußen und teuren Überkapazitäten in der Produktion erschwert es ein geringerer Anteil an Selbstzündern den Herstellern nach eigenen Angaben auch, die ab 2020 geltenden, strengeren CO2-Grenzwerte zu erfüllen.

Diesel verdrecken Luft

Dieselautos stoßen weniger von dem Klimagas Kohlendioxid aus, weil sie in der Regel weniger Treibstoff verbrauchen als Autos mit Benzinmotor. Vor allem ältere Diesel erzeugen dafür aber mehr gesundheitsschädliches Stickoxid. Die von der EU eingeführten Grenzwerte zur Luftreinhaltung werden in zahlreichen deutschen Innenstädten noch immer überschritten.

Der überwiegende Teil der Schadstoffbelastung geht dabei auf den Individualverkehr mit Dieselfahrzeugen zurück. Sollte sich hier nicht schnell eine Lösung finden, droht Autofahrern in den betroffenen Metropolen ein Fahrverbot - was die Nutzwert und Wiederverkaufswert von Diesel-Fahrzeugen stark einschränkt.

Quelle: n-tv.de, cam/mmo/rts

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