Wirtschaft

Hilfe von Mobileye und Nvidia VW entwickelt Computerchips künftig selbst

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VW-Chef Diess will bei der Entwicklung von Halbleitern mit Tesla und Apple in einer Liga spielen.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Innovative Software wird bei der Entwicklung von selbstfahrenden Autos immer wichtiger - doch hierzu braucht es vor allem leistungsstarke Chips. Volkswagen hängt der Konkurrenz aus den USA bei der Entwicklung von Halbleitern hinterher. Mit der Hilfe von Kooperationspartnern will der Konzern nun aufholen.

Volkswagen will neben der Software für selbstfahrende Autos auch die dafür nötigen Hochleistungschips selbst entwickeln. "Um bei den hohen Anforderungen im Auto die optimale Leistung zu erzielen, müssen Software und Hardware aus einem Guss kommen", sagte Konzernchef Herbert Diess dem "Handelsblatt". Die Fähigkeit dazu solle die konzerneigene Softwaretochter Cariad entwickeln. Apple und Tesla hätten mehr Kompetenz bei Halbleitern, sagte Diess. Um mit denen auf Augenhöhe zu kommen, wolle der Autokonzern das Wissen der Tech-Konzerne Mobileye und Nvidia nutzen, berichtete die Zeitung.

Selbst fertigen wolle der Konzern Halbleiter nicht, aber deren Design und technische Auslegung bestimmen und nach Möglichkeit die Patente besitzen. Mit der auf Kamerasysteme für Roboterautos spezialisierten Intel-Tochter Mobileye arbeitet Volkswagen bereits zusammen. Die Partnerschaft könnte ausgeweitet werden, vermuten Experten. Dazu passt die Nachricht, dass sich Intel-Chef Pat Gelsinger einem Insider zufolge am Donnerstag in Wolfsburg aufgehalten hat. Wen er bei VW getroffen hat und worüber gesprochen wurde, ist nicht bekannt. Volkswagen äußerte sich nicht.

Intel bestätigte lediglich, dass Gelsinger BMW und die Deutsche Telekom besucht habe. Der Münchner Autobauer kooperiert im Rahmen einer Allianz mit Mobileye und anderen Partnern. Nvidia ist einer der wichtigsten Hersteller von Chips für die Autoindustrie. Auch Volkswagen bezieht Halbleiter-Bauteile von dem US-Unternehmen. Die Nutzfahrzeugsparte von VW mit Sitz in Hannover entwickelt zusammen mit Mobileye Hard- und Software für selbstfahrende Shuttle-Dienste. Die Technik soll perspektivisch bei dem zu Volkswagen gehörenden Fahrdienst Moia eingesetzt werden. Gedacht ist auch an eine Verwendung bei Paketlieferdiensten, die wegen des stark wachsenden Onlinehandels kaum Fahrer finden.

Diess: 40 Prozent autonome Neuwagen bis 2035

In dem Gemeinschafsunternehmen Argo AI mit dem US-Autobauer Ford tüftelt Volkswagen außerdem an selbstfahrenden Transportern. Die Softwaretochter Cariad in Ingolstadt konzentriert sich auf Fahrerassistenzsysteme und Robotertechnik für Pkw. Volkswagen hat seine Softwareaktivitäten in einer eigenen Organisation gebündelt, die unlängst in Cariad umbenannt wurde. All diese Aktivitäten zu koordinieren, dürfte zu den Aufgaben der IT-Vorständin gehören, die Volkswagen demnächst berufen will. Konzernchef Diess kündigte in dem Interview an, sich verstärkt um die Softwareaktivitäten zu kümmern. "Cariad ist einfach die wichtigste gemeinsame Aufgabe im Konzern. Das muss man auch daran sehen, dass der CEO sich einbringt. Und bei der Menge an Arbeit ist Platz für eine IT-Vorständin."

Diess rechnet damit, dass zur Mitte des nächsten Jahrzehnts etwa 40 Prozent aller Neuwagen autonom fahren können. Um in diesem Zukunftsgeschäft dabei zu sein, investiere der Konzern jährlich 2,5 Milliarden Euro. Dazu komme noch "die eine oder andere Akquisition", sagte Diess. Volkswagen treibt derzeit den Ausbau der Elektromobilität voran und setzt damit die gesamte Branche in Zugzwang. Der weltweite Chipmangel hat die Pläne bisher nicht durchkreuzt. Das liegt auch daran, dass die Autobauer die knappen Halbleiter so einsetzen, dass die Nachfrage nach E-Autos und profitablen SUV bedient werden kann. Bei anderen Fahrzeugen machen sich die Nachschubprobleme dagegen bemerkbar.

VW musste - wie andere Hersteller auch - in einigen Werken mehrfach die Bänder anhalten und Kurzarbeit anmelden. Weltweit ist kaum ein Autobauer von den Engpässen verschont. Auch andere Branchen sind betroffen. Nach Meinung von Konjunkturforschern hat sich die Chip-Krise inzwischen sogar zu einem Risiko für die Erholung der deutschen Industrie ausgeweitet. Die Europäische Union bereitet EU-Insidern zufolge eine Chip-Allianz mit den heimischen Branchengrößen STMicroelectronics, NXP, Infineon und ASM vor, um die Abhängigkeit von asiatischen Herstellern zu reduzieren.

Quelle: ntv.de, jhe/rts

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