Wirtschaft

Begann der Diesel-Skandal bei Audi? VW wollte von Anfang an betrügen

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Begonnen hat der Abgas-Betrug offenbar gar nicht bei VW. Sondern bei Audi.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Anfänge des Abgas-Skandals bei VW reichen weit zurück: Schon vor 17 Jahren soll die Schummelsoftware entwickelt worden sein. Anders als bisher gedacht, beginnt der Betrug wohl gar nicht bei VW. Sondern bei der Premium-Tochter Audi.

Bisher hat Volkswagen in Sachen Diesel-Skandal zwei klare Botschaften: Einzelne sind verantwortlich für den Betrug. Und der Anfang lag bei der Volkswagen-Kernmarke VW. Die Affäre sollte nicht mehr als nötig auf Porsche und Audi abfärben, die Luxus-Marken und Ertragsperlen des Konzerns. Es sieht so aus, als sei das womöglich nicht länger zu halten.

Denn laut einem Bericht des "Handelsblatts" soll der Abgasbetrug eben nicht bei VW seinen Anfang genommen haben, sondern bei der Premium-Tochter Audi. Findige Ingenieure in Ingolstadt sollen dort schon 1999 die Idee für eine Schummelsoftware ausgeheckt haben, berichtet das Blatt unter Berufung auf Konzern-Insider. Das Programm - Codename "Acoustic Mode" - sollte erkennen, ob sich ein Auto auf dem Teststand befindet, und daraufhin in einen besonders schadstoffarmen Modus schalten. Es war die Geburtsstunde des VW-Skandals.

Wenn Technik nicht reicht, wird betrogen

Zwar blieb es zunächst bei reinen Überlegungen: Laut "Handelsblatt" verwarfen die Ingolstädter Tüftler ihre Pläne 1999. Damals reichten noch legale Mittel, um die Motoren zu verbessern. Doch als 2005 bei VW ein neuer Dieselmotor entwickelt wurde, holten ihre Wolfsburger Kollegen die Schummel-Idee offenbar wieder aus der Schublade. Die VW-Entwickler schafften es nicht, die Stickoxid-Emissionen unter die gesetzlichen Grenzwerte zu drücken. Also installierten sie ab 2005 die bei Audi erdachte Software. Laut Erkenntnissen der internen Ermittler, auf die sich das "Handelsblatt" beruft, sollen sie dabei sogar die Bezeichnungen "Akustikfunktion" und "Acoustic Mode" übernommen haben.

Wie genau die Idee der Schummel-Software von Ingolstadt nach Wolfsburg wanderte, ist noch nicht klar. Verantwortliches Vorstandsmitglied für die Marke VW war 2005 Wolfgang Bernhard. Laut "Handelsblatt" soll er einen Techniker von Audi geholt und ihm die Motorenentwicklung übertragen haben. Bernhard hat öffentlich bestritten, von den Manipulationen gewusst oder Entscheidungen zur Entwicklung und zum Einsatz der Software getroffen zu haben. Heute leitet Bernhard als Vorstand bei Daimler die Nutzfahrzeug-Sparte.

Die Vorgeschichte des Skandals zeigt: Volkswagen wollte offenbar von Anfang an betrügen. Als die EU den Audi-Ingenieuren 2001 strengere Abgas-Grenzwerte vorgab, verwendeten die ihre Energie nicht etwa nur darauf, bessere Motoren zu entwickeln. Sie werkelten auch daran, die Prüfer auszutricksen. 2005 wiederholte sich das gleiche Spiel dann bei VW in Wolfsburg, nachdem die US-Behörden strengere Umweltvorschriften erlassen hatten. Weil die Entwickler nun endgültig an ihre Grenzen stießen, wurde aus den ursprünglichen Planspielen dann Realität. Nur mit Betrug ließen sich die Grenzwerte einhalten.

Prüfte sich Audi selbst auf Betrug?

Allenfalls ein paar Dutzend Motorenentwickler sollen laut VW für all das verantwortlich sein. Wer vom Management davon gewusst hat, ist bisher nicht bekannt. Ein Bericht der US-Kanzlei Jones Day dazu soll in den nächsten Tagen bei den US-Behörden überreicht und am Donnerstag im VW-Aufsichtsrat vorgestellt werden. An die Staatsanwaltschaft Braunschweig, die im Dieselskandal gegen VW ermittelt, haben die Anwälte bereits Informationen übergeben. Was folgte, ist eine weitere Posse in der Affäre.

Da die Schummelsoftware wohl bei Audi entstand, geriet auch die Luxustochter unter Verdacht. Die Staatsanwälte beauftragten laut "Handelsblatt" im Dezember das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA), sich die Audi-Autos genauer anzusehen. Die Flensburger Behörde zeigte offenbar aber keinen allzu großen Elan: Das KBA soll es Audi selbst überlassen haben, seine eigenen Autos zu überprüfen. Laut "Handelsblatt" soll die Untersuchung keinerlei Auffälligkeiten ergeben haben. Eigene Tests soll das KBA aber nicht angestellt haben. Die Behörde äußerte sich auf wiederholte Anfragen der Zeitung nicht. Auch Volkswagen und Audi wollten keine Stellung nehmen.

Quelle: ntv.de

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