Wirtschaft

Härtere Maßnahmen kommen Viele gehen schon in den Lockdown

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Ein Ende der Pandemie ist nicht in Sicht.

(Foto: imago images/Michael Gstettenbauer)

Vor allem Ungeimpfte müssen sich auf weitere Einschränkungen einstellen. Wegen der hohen Infektionszahlen fahren viele Menschen in Deutschland ihre sozialen Kontakte und ihre Mobilität bereits spürbar runter, wie Daten von Google und einer Reservierungs-App zeigen.

Bund und Länder werden heute schärfere Corona-Maßnahmen beschließen. Angesichts der hohen Infektionszahlen schränken viele Menschen hierzulande ihre Kontakte und ihre Mobilität bereits ein. Das lässt sich aus Daten von Google und der populären Reservierungs-App Open Table ablesen.

Google erstellt für viele Länder sogenannte Mobilitätsberichte - darunter auch für Deutschland. Sie zeigen, wie sich die Zahl der Besuche und die Aufenthaltsdauer an bestimmten Orten verändert. Die Berichte zeigen die Trends von mehreren Wochen, wobei die neuesten Daten den Stand von vor etwa zwei bis drei Tagen abbilden. Der jüngste Bericht stammt vom Ende letzter Woche. Die Berechnungen basieren auf anonymisierten Daten von Nutzern, die auf ihren Smartphones den Standortverlauf für ihre Google-Konten aktiviert haben.

Demnach ist die Zahl von Besuchen und die Aufenthaltsdauer im Einzelhandel und in Freizeiteinrichtungen sehr stark gesunken. Bahnhöfe und Haltestellen verzeichnen ebenfalls einen kräftigen Rückgang. Auch ein Trend zum Homeoffice lässt sich aus den Daten ablesen: Während der Mobilitätsbericht ein Minus bei "Arbeitsstätten" verzeichnet, geht es bei "Wohnorten" aufwärts. Auffällig ist auch, dass Aufenthaltsdauer und Besuche in Parks deutlich zulegen.

Die von Open Table ausgewerteten Daten zeigen, dass die Zahl der Restaurantbesuche eingebrochen ist. Im jüngsten Sieben-Tages-Schnitt lag sie knapp 30 Prozent unter dem Niveau vor zwei Jahren, also vor der Pandemie. Die Tendenz geht noch weiter nach unten. Die jüngsten Zahlen sind von Montag und Dienstag und zeigen einen Rückgang von knapp 50 Prozent. Die Informationen werden von Ökonomen gern genutzt, da sie in der Vergangenheit einen sehr großen Gleichlauf mit der Umsatzentwicklung im Gastgewerbe hatten.

Rezession möglich

Für die Konjunktur bedeutet die negative Entwicklung nichts Gutes. "Wir rechnen mit einer Rezession im Winterhalbjahr", sagt Commerzbank-Ökonom Marco Wagner. "Das Bruttoinlandsprodukt dürfte sowohl im laufenden vierten Quartal als auch Anfang 2022 schrumpfen." Von der Industrie seien angesichts der Materialengpässe keine Impulse für die Konjunktur zu erwarten. Viele Dienstleister wie das Gastgewerbe dürften sogar Umsatzrückgänge hinnehmen müssen.

"In den kommenden Wochen dürften die Gästezahlen - wie im Winter zuvor - weiter deutlich fallen", sagte Wagner. "Denn selbst ohne staatliche Beschränkungen wollen die Menschen ihre Gesundheit nicht aufs Spiel setzen." In den Medien häuften sich die Hiobsbotschaften von der Ausbreitung des Coronavirus. "Jetzt ist auch noch die Omikron-Variante hinzugekommen", so der Ökonom. Vielen werde dadurch noch einmal klar, was für ein gesundheitliches Risiko das Virus darstelle.

"Stellen Sie sich vor, bei Ihnen in der Nachbarschaft kommen fünf Leute mit Corona ins Krankenhaus, dann werden Sie vorsichtiger. Dann gehen Sie nicht mehr in eine Bar, sondern bleiben zu Hause", sagte Biophysiker Gerhard Scheuch im Gespräch mit ntv.de. Diese Verhaltensänderung führe dazu, dass sich das Pandemiegeschehen umdreht und die Inzidenzen plötzlich nach unten rauschen. "Man sieht das immer wieder: steiler Anstieg, und von einem Tag zum anderen geht es nach unten. Bei jedem Geschehen. Aber wann dieser Umkehrpunkt kommt, das wissen wir nicht."

Quelle: ntv.de, mit rts

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