Wirtschaft

Diesel-Affäre weggesteckt Volkswagen schlägt sich überraschend gut

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Der Quartalsumsatz des Volkswagen-Konzerns stieg auf 65,2 Milliarden Euro.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im Gegensatz zu manchem Mitbewerber zieht Volkswagen eine positive Halbjahresbilanz. Vor allem preisintensivere SUV-Modelle und Tochter Porsche machen die Flaute auf Märkten wie China wett. Der deutsche Autobauer lässt zudem Kosten eines unrühmlichen Kapitels der Firmengeschichte hinter sich.

Der Volkswagen-Konzern hat trotz der Krisenstimmung in der Autobranche im zweiten Quartal ein überraschend gutes Ergebnis eingefahren. Die Sportwagentochter Porsche und auch die Kernmarke VW haben ihre Ergebnisse gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesteigert. Der Konzern profitiert zudem davon, dass der Anteil profitabler SUV-Modelle am Absatz größer wird und mehr Modelle auf der gleichen Plattform - und somit kostengünstiger - gebaut werden.

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"Der Volkswagen-Konzern hat sich im ersten Halbjahr in einem sich insgesamt abschwächenden Gesamtmarkt sehr gut geschlagen", sagte VW-Finanzvorstand Frank Witter bei der Zahlenvorlage in Wolfsburg. Beim Ausblick blieben er und Konzernchef Herbert Diess allerdings vorsichtig. Obwohl nach einem halben Jahr die um Sondereinflüsse bereinigte Umsatzrendite des operativen Ergebnisses bei 8 Prozent liegt, bleibt das Jahresziel beim Korridor von 6,5 bis 7,5 Prozent.

Der Quartalsumsatz stieg im Vorjahresvergleich trotz weniger Auslieferungen um 6,6 Prozent auf 65,2 Milliarden Euro. Von April bis Juni hatte Volkswagen mit seinen zwölf Fahrzeugmarken 2,76 Millionen Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert, das waren 2,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Insbesondere die Flaute in China macht dem Konzern dabei zu schaffen. Das um Sondereinflüsse bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern fiel um 8,1 Prozent auf 5,13 Milliarden Euro, Experten hatten aber mit noch weniger gerechnet. Unter dem Strich stieg der VW-Gewinn sogar um fast ein Viertel auf 4,1 Milliarden Euro.

Vor einem Jahr hatte die Dieselaffäre mit 1,6 Milliarden Euro Sonderkosten belastet. Insgesamt hat Volkswagen seit Bekanntwerden der Software-Manipulation von Dieselmotoren schon 30 Milliarden Euro für Vergleiche, Strafen und andere Kosten im Zusammenhang mit der Affäre verbucht. Im zweiten Quartal 2019 musste VW dafür aber kein weiteres Geld an die Seite legen.

Porsche punktet in China

Der Abgasskandal beschäftigt das Unternehmen dennoch bis heute: Das Arbeitsgericht Braunschweig will über die Kündigung einer ehemaligen VW-Führungskraft urteilen, die in die Dieselaffäre verwickelt sein soll. Die frühere Abteilungsleiterin ist auch eine der Beschuldigten im Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Volkswagen wirft der Frau vor, sie habe an der Manipulation von Abgassoftware mitgewirkt und Daten gelöscht.

Einen wichtigen Anteil an den guten Halbjahreszahlen des Konzerns hat Porsche. Die Sportwagentochter verzeichnete in der Automobilsparte ein Umsatzplus von fast 30 Prozent. Im zweiten Quartal holte Porsche vor allem in China auf, Premium- und Luxusautos laufen auch auf dem derzeit schwachen chinesischen Markt noch gut. Das operative Ergebnis kletterte um rund 15 Prozent auf 1,29 Milliarden Euro. Aber auch die lange renditeschwache Kernmarke Volkswagen Pkw konnte Erfolge vorweisen. Das operative Ergebnis legte um gut 9 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro zu.

Die Entscheidung über ein neues VW-Werk in Südosteuropa ist derweil weiter offen. Berichten zufolge hat die Türkei beste Chancen, aber auch Bulgarien soll im Rennen sein. In beiden Ländern sind die Personalkosten niedriger als in Deutschland. Während es sich bei dem geplanten Werk um eine Milliardeninvestition handeln dürfte, läuft bis Ende 2020 noch ein Sparprogramm, das VW im Herbst 2016 mit der Arbeitnehmerseite verabredet hatte. Es sieht den weltweiten Abbau von 30.000 Stellen vor, 23.000 davon in Deutschland.

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa

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