Wirtschaft

Powell hellt Stimmung auf Wall Street erholt sich kräftig

266284573.jpg

Musks geplatzter Twitter-Deal beschäftigte die Wall Street.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Die US-Börsen stehen wieder auf Erholungskurs. Dafür sorgen vor allem die Aussagen von Fed-Chef Powell. Für Aufregung sorgt dagegen Tesla-Chef Musk, der seine Milliardenübernahme von Twitter auf Eis legt. Die Aktien stürzen um 9,6 Prozent ab.

Nach einer längeren Durststrecke mit einigen wackeligen Stabilisierungsansätzen hat sich die Wall Street erholen können. Für den Stimmungsaufheller zum Wochenausklang sorgte US-Notenbankgouverneur Jerome Powell. Zwar wollte Powell eine vom Markt gefürchtete "große" Zinserhöhung um 75 Basispunkte nicht gänzlich ausschließen, allerdings beschwichtigte er mit der Aussage: "Ich habe gesagt, dass wir das nicht aktiv in Betracht ziehen."

Der Dow-Jones-Index gewann 1,5 Prozent auf 32.197 Punkte, der S&P-500 stieg um 2,4 Prozent und der Nasdaq-Composite um 3,8 Prozent. An der Nyse wurden insgesamt 2.672 (Donnerstag: 1.530) Kursgewinner und 680 (1.860) -verlierer gezählt, unverändert schlossen 97 (87) Titel.

S&P 500
S&P 500 4.054,32

Händler sprachen aber von unvermindert großen Sorgen über die aktuelle konjunkturelle Entwicklung, das Marktumfeld mit Stagflationsängsten bleibe negativ, hieß es. Allein die Nasdaq verbuchte von Montag bis Donnerstag Abschläge von 6,3 Prozent, erholte sich aber zum Ende der Woche auch besonders kräftig.

Nach den Aussagen von Powell und den bereits veröffentlichten Inflationsdaten auf Verbraucher- und Erzeugerbasis verloren die Import- und Exportpreise an Bedeutung. Die jüngste Tendenz einer Abschwächung des Inflationsdrucks wurde durch die neuen Daten bestätigt. Die Verbraucherstimmung trübte sich derweil stärker ein als erwartet.

Musk lässt Twitter abstürzen

Unter den Einzelaktien stürzten Twitter um 9,7 Prozent ab, vorbörslich waren es bis zu 25 Prozent. Elon Musk hat die Übernahme des Kurzbotschaftendienstes Twitter auf Eis gelegt. Der Großinvestor hegt Zweifel über die Anzahl der tatsächlichen Nutzer wegen vieler Fake-Accounts. Daher müsste der Übernahmepreis möglicherweise neu verhandelt werden. Den Deal an sich stellt er aber nicht in Frage.

Twitter
Twitter 35,52

Robinhood sprangen dagegen um knapp 25 Prozent in die Höhe. Beim Betreiber der gleichnamigen Handelsplattform ist der CEO der Kryptowährungsbörse FTX Trading eingestiegen. Sam Bankman-Fried hält gemäß einer Mitteilung an die Börsenaufsicht 7,6 Prozent an Robinhood Markets.

Fintechs allgemein waren im Zuge der jüngsten Marktturbulenzen unter die Räder geraten. Das galt auch für Affirm Holdings, die sich nun um 31,4 Prozent verteuerten. Der Zahlungsdienstleister hatte die Einnahmen im dritten Geschäftsquartal überraschend deutlich gesteigert und sich zuversichtlich gezeigt, auch in einem volatilen Marktumfeld bestehen zu können. Seit Beginn des Jahres weist der Kurs der Aktie allerdings ein Minus von über 85 Prozent auf.

Positiv wurden auch die Geschäftszahlen von Motorola Solutions (+6,9 Prozent) aufgenommen. Der Anbieter von Kommunikationslösungen für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, 2011 aus der Aufspaltung von Motorola hervorgegangen, hat im ersten Quartal die Erwartungen von Analysten übertroffen.

Dollar mit Rücksetzer auf dem Weg nach oben

Die gestiegene Risikoneigung manifestierte sich am leicht gesunkenen Dollar, der Dollarindex verlor 0,3 Prozent. Die MUFG-Analysten setzen aber weiter auf steigende Dollar-Notierungen. Der Euro dürfte dagegen weiter anfällig für Schwächephasen bleiben. Auch am Rentenmarkt, wo die Notierungen sanken und die Renditen damit stiegen, sprachen Händler von einer fallenden Risikoaversion. Stagflationssorgen hatten die Notierungen jüngst beflügelt.

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 115,02

Die Ölpreise stiegen derweil deutlich, obwohl das geplante EU-Embargo gegen russisches Erdöl immer unwahrscheinlicher wird. Ungarn will sich dem widersetzen. Gleichwohl sieht die Internationale Energie-Agentur ein knapper werdendes Angebot durch die EU-Sanktionen gegen Russland. Russland habe im April Angebotsmengen eingebüßt, die Entwicklung dürfte sich im Mai fortsetzen, hieß es.

Der Goldpreis fiel mit anziehenden Marktzinsen auf ein Vierzehnwochen-Tief, nachdem der höchste Wochenverlust seit 11 Monaten verzeichnet wurde. Übergeordnet lasse die Nachfrage mit den geldpolitischen Straffungen nach. Die Aussicht auf steigende Leitzinsen spreche insgesamt gegen das Edelmetall, hieß es.

Quelle: ntv.de, chf/DJ

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen