Wirtschaft

Schlimmer als die Angst ums GoldWarum Trumps Griff nach der Fed ein Albtraumszenario für Europa ist

25.01.2026, 06:14 Uhr
imageVon Max Borowski
00:00 / 06:03
Nebel-zieht-in-Frankfurt-vor-der-Europaeischen-Zentralbank-EZB-ueber-den-Main-hinweg
Trübe Aussichten: Noch laufe die enge Zusammenarbeit mit der Fed wie gewohnt, heißt es von EZB-Vertretern. Doch in wenigen Monaten wird Trump US-Notenbankchef Powell mit einem ihm genehmen Nachfolger ersetzen. (Foto: picture alliance / greatif)

Europas Währungshüter sorgen sich um die Unabhängigkeit der amerikanischen Notenbank. Wenn Donald Trump die Fed kontrolliert und als politisches Druckmittel nutzt, hätte das dramatische Auswirkungen auf Europas Finanzstabilität.

Die Vorstellung, dass US-Präsident Donald Trump Kontrolle über die amerikanische Notenbank Fed erlangen könnte, hat in Deutschland Sorgen ausgelöst. Im Mittelpunkt steht die Angst um den gigantischen Goldschatz der Bundesbank in den Tresoren der Fed in New York. Zahlreiche Politiker und Experten fordern inzwischen eine Rückholaktion. Denn im Zweifelsfall, zum Beispiel wenn es wieder einmal zu politischen Meinungsverschiedenheiten zwischen der US- und der Bundesregierung kommt, könne man sich nicht drauf verlassen, dass Trump das Gold im Wert von mehr als 300 Milliarden Euro herausrückt. Die Bundesbank allerdings wiegelt bislang ab. Sie sehe keinen Handlungsbedarf wegen eines möglichen Zugriffs Trumps auf das Gold.

Dabei machen sie die deutschen und anderen europäischen Währungshüter durchaus Sorgen, dass Trumps Griff nach der Fed Konsequenzen für Europa haben könnte. Dabei geht es um dramatischere Auswirkungen als den möglichen Verlust des milliardenschweren Goldschatzes.

Die Entscheidungen der Fed als Notenbank der weltgrößten Volkswirtschaft haben großen Einfluss auf die ganze Welt und auch auf Europas Wirtschaft. Trump wünscht sich seit Langem vehement niedrigere Zinsen in den USA und einen schwächeren Dollar, um die heimische Konjunktur anzukurbeln. Setzt er sich durch, würde das nach Einschätzung von Philip Lane, dem Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), nicht nur in den USA die Inflation langfristig ankurbeln und das Vertrauen in den Dollar weltweit beschädigen. Diese Probleme könnten von den USA nach Europa "überschwappen". Für den Euro würde das "eine Art Finanzschock" darstellen.

Das "Albtraumszenario", wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt, ist für die EZB, dass die Fed die Dollar-Swap-Linien für Europa kappen könnten. Swap-Linien sind Vereinbarungen zwischen Notenbanken, sich gegenseitig im Bedarfsfall die jeweiligen Währungen zu leihen. Der US-Dollar spielt auch im Euro-Raum eine große Rolle. Rund ein Fünftel des gesamten Finanzierungsbedarfs europäischer Banken besteht in der US-Währung. In normalen Zeiten besorgen sich die Banken dieses Geld am Finanzmarkt. In Krisenzeiten, etwa der Weltfinanzkrise 2008, der Euro- oder der Corona-Krise, versagt dieses System jedoch regelmäßig. Die Zentralbanken müssen einspringen und die Banken mit Liquidität versorgen, um einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern. Die Euros, die sie dazu braucht, kann die EZB selbst schaffen. Die nötigen US-Dollar dagegen bekam sie - bisher - von der Fed.

US-Konservative kritisieren Swap-Linien

Dabei geht es um riesige Summen. Auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie pumpte die Fed innerhalb kurzer Zeit mehr als 400 Milliarden Dollar im Rahmen von Swap-Geschäften nach Europa und in andere Wirtschaftsräume. Allein mit der Drohung, diese Swap-Linien zu kappen, könnten andere Länder erpresst werden, schreibt die Wirtschaftswissenschaftlerin und Bankenexpertin Doris Neuberger in einem Beitrag für den Verein Finanzwende. Sie weist darauf hin, dass etwa US-Vizepräsident JD Vance verkündete, er "hasse es", Europa aus der Patsche zu helfen. Schon vor Jahren hatten konservative Republikaner kritisiert, dass die Fed im Rahmen des Swaps große Mengen Dollar erschaffe, um Ausländer zu retten.

Dabei dienen die Swap-Geschäfte der Fed auch amerikanischen Interessen. Zum einen stabilisieren sie die Rolle des Dollars als globale Reservewährung. Zum anderen würden im Krisenfall auch US-Banken unter dem Zusammenbruch der betroffenen Finanzinstitute im Ausland leiden. Offiziell heißt es von EZB-Vertretern unter Hinweis auf dieses gemeinsame Interesse, dass die Zusammenarbeit mit der Fed bei den Swap-Linien unverändert fortgesetzt werde.

Tatsächlich haben die Vorbereitungen auf dieses Worst-Case-Szenario allerdings schon begonnen. Einem Reuters-Bericht zufolge riefen die EZB-Bankenaufseher einige Großbanken in der Euro-Zone dazu auf, ihren Bedarf an US-Dollar in Stresszeiten zu bewerten. Ein hochrangiger Bankmanager sagte der Nachrichtenagentur zufolge, sein Institut habe unter EZB-Aufsicht in den vergangenen Wochen erstmals ein Szenario durchgespielt, in dem die Fed-Swap-Linien nicht verfügbar wären.

Außerdem haben EZB-Vertreter Berichten zufolge im vergangenen Herbst bereits mit anderen Notenbanken darüber beraten, ihre Dollar-Reserven zusammenzulegen oder zu koordinieren, um eine Alternative zu den Swap-Linien der Fed zu schaffen. "Diese Ansätze können die Swap-Linien nur teilweise ersetzen und bleiben unsicher", schreibt Bankenexpertin Neuberger. So würden durch dieses "Pooling" neue Abhängigkeiten von anderen Zentralbanken entstehen, die ebenfalls politischem Einfluss unterliegen.

Ein weiterer Hebel, die Abhängigkeit von der Fed zu reduzieren, ist eine Stärkung des Euros als internationale Währung. Doch das kann höchstens langfristig gelingen. Kurzfristig bleibt die Aussicht, dass Trump die Fed kontrollieren und wie seine Zollpolitik international als Druckmittel einsetzen könnte, ein "Albtraumszenario" für Europas Währungshüter.

Quelle: ntv.de

FedGeldpolitikFinanzkriseDonald TrumpEZBNotenbanken